1860-Sportchef mit deutlichen Worten

Krisenmanager Eichin: "Ziel muss die Bundesliga sein"

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Thomas Eichin (li.) und Peter Casalette geben bei den Löwen die Richtung vor.

München - Thomas Eichin sitzt als Sportchef des TSV 1860 München auf einem der heißesten Stühle der 36 Bundesliga-Klubs. Doch so ruhig wie zuletzt war es lange nicht bei den Löwen - trotz Niederlage. Das hat Gründe.

Die ersten vier Wochen seiner Amtszeit blieb Thomas Eichin der Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße 114 fern. An mangelnder Identifikation lag das nicht, Eichin wollte aus dem Hintergrund in Ruhe den Kader planen. Ein kluger Schachzug. In Stefan Aigner und Ivica Olic gelangen echte Königstransfers. Über sich sagt Eichin imKicker: "Ich bin gerne Krisenmanager." Nicht die schlechteste Voraussetzung, um beim TSV 1860 München zu arbeiten.

Nach sieben Punkten aus vier Spielen belegten die Löwen zwischenzeitlich gar Rang sechs. Die 1:2-Heimniederlage gegen Union Berlin war unnötig und tut weh, sie wird aber von den Verantwortlichen so in Kauf genommen. Der Aufbruch zu neuen Zielen ist spürbar und Eichin verrät im Kicker auch, warum: Trainer Kosta Runjaic und er "arbeiten sehr gut zusammen und haben fast immer identische Meinungen, das ist nicht unwichtig." Er schätzt die Unaufgeregtheit des Coaches und sagt: "Wir wissen, dass wir hier nur mit Seriösität erfolgreich sein können." Aus Chaos wolle er ein geordnetes Chaos machen. Das gehöre zu Sechzig. "Das wollen wir auch weiter leben, es muss nur kontrollierbar sein", sagt der 49-Jährige.

Erstligareife Gehälter sind in der zweiten Liga nicht lange zahlbar

Eichin hat sich einen Trick zurecht gelegt, um die hohen Erwartungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Er gehe schon vor dem Spiel durch, was bei Sieg oder Niederlage passieren könnte, "damit ich danach die richtigen Worte finde, um die Euphorie oder Depression nicht ins Uferlose gehen zu lassen". 

Es soll den Erfolg bringen, der die Komponente ist, an der schließlich beide gemessen werden. Dafür hat Eichin viel Geld ausgegeben. Die oben genannten Königstransfers kassieren wohl ein erstligareifes Gehalt. Das lässt sich mittelfristig nur mit dem Aufstieg vereinbaren. Eichin weiß das: "Jeder, der hier arbeitet, muss das Ziel haben, wieder in die Bundesliga zu kommen." Doch das müsse nicht in diesem oder nächsten Jahr sein. Erst einmal fordert er eine stabile Zweitligasaison, um dann den nächsten Schritt zu machen: "Um eine Mannschaft aufzubauen, benötigen wir sicher mehrere Transferperioden. Für den Anfang war das okay."

Hasan Ismaik besucht das Trainingsgelände der Löwen

Für Ruhe sorgen neben den sportlich Verantwortlichen aber auch die starken Männer dahinter - was für den Neuaufbau der Löwen existentiell ist. Präsident Peter Cassalette hat offenbar den richtigen Zugang zu Investor Hasan Ismaik. Dem Kicker sagte er: "Momentan gibt es keine Spannungsthemen. Hasan hat jetzt Vertrauen in die handelnden Personen." Ismaik hat viel investiert, gelaufen ist es trotzdem nicht. "Es ist klar, dass so Unzufriedenheit und Frustration entstehen." Ismaik gibt sich Mühe, kam zum Union-Spiel, postet zahlreiche Bilder seiner Löwen. 

Eichin und Runjaic wurden nach den Vorstellungen des Investors installiert. Ersterer sagt über ihn: "Ich habe ihn als großen Fußballfan kennengelernt, als 1860-Fan, der diesen Verein sehr mag." 

Momentan sieht es danach aus. Doch man weiß ja, wie schnell sich alles ändern kann, an der Grünwalder Straße.

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