Rückendeckung durch Sportchef Eichin

Nach Heim-Klatsche: Trainer Runjaic gibt Fehler zu

München - Die Löwen arbeiten den Offenbarungseid gegen Düsseldorf auf. Trainer Kosta Runjaic sieht Fehler in seiner Arbeit und will nun Konsequenzen ziehen.

Als Kosta Runjaic am Montagnachmittag kurz vor 14 Uhr die Geschäftsstelle verließ, um draußen die Fragen der Journalisten zu beantworten, brüllte ein Fan aus dem Biergarten des Löwenstüberls laut herüber: „Runjaic raus!“ Der Mann hatte lange warten müssen, denn zuvor beim Training hatte sich der Löwen-Coach nicht blicken lassen.

Klar, es gab einiges zu besprechen. Zunächst mal mit der Mannschaft - rund anderthalb Stunden lang. Inklusive der Vorführung der ersten Halbzeit gegen Düsseldorf, die mit einem 0:3 endete. Als „blutleer“ bezeichnete Runjaic die Darbietung. „Mit wenig Leidenschaft und keinerlei Körpersprache.“ Wie die Spieler reagiert hätten? Runjaic: „Da hat fast keiner was gesagt. Recht gesprächig waren sie nicht.“

Allerdings war sich der Trainer „nicht sicher, ob alle Spieler selbstkritisch genug sind“. Und er selbst? „Ich stehe in der Verantwortung und muss selbstkritisch sein.“ Das dürfte ihm Sportchef Thomas Eichin im Gespräch danach auch ans Herz gelegt haben. Auf die Frage, ob ihm dabei ein Ultimatum gestellt worden sei, antwortete Runjaic: „Fragen Sie doch die Verantwortlichen, ob es ein Ultimatum gab.“ Und er fügte hinzu: „Es ist nicht einfach, in dieser Saison alles sachlich und nüchtern zu beurteilen.“

Eichin verweist auf die Vergangenheit

Klar, nach 1:9 Punkten und drei Heimniederlagen in Serie kommen wieder viele Emotionen ins Spiel. Nichts Neues beim TSV 1860. Auch wenn Eichin einen Trainerwechsel (noch) ausschließt: „Die letzten Spielzeiten bei 1860 haben doch bewiesen, dass es nicht der richtige Weg ist, den Trainer zu feuern“, sagte der Manager am Sonntag. Wie lange dieser Satz wohl noch Gültigkeit haben wird?

Am Freitag geht es zum VfB Stuttgart, der nach einem 0:5-Debakel in Dresden auf Wiedergutmachung aus ist. Und Runjaic? Er baut jetzt auf Spieler, die bisher keine so große Rolle in seinen Gedanken spielten. Wie Innenverteidiger Rodnei und Flügelstürmer Victor Andrade, die es nach ihrer Einwechslung in der zweiten Halbzeit nicht schlecht gemacht hatten. „Rodnei hat gut gespielt“, sagte Runjaic, „er wird von Beginn an spielen. Und auch Andrade kann man inzwischen einen Einsatz in der Startelf zutrauen.“

Die Zeit sei gekommen, so der Löwen-Coach, „sich Gedanken zu machen, ob wir die Art und Weise wie wir spielen, nicht verändern sollten.“ Und dazu gehöre eben auch, „den ein oder anderen Spieler jetzt ins kalte Wasser zu schmeißen“. Wie wohl auch den lange verletzten Romuald Lacazette (Mittelfußbruch).

Runjaic kritisiert seine eigene Aufstellung

Lange, viel zu lange, habe Runjaic nach eigener Auskunft „Spielern vertraut, die am Samstag in der Anfangsformation standen, aber im Nachhinein dort nicht stehen hätten dürfen, weil die Leistung nicht passt“.

Dass sich dabei Kai Bülow und Daniel Adlung angesprochen fühlen durften, liegt nach deren Auswechslung zur Halbzeit auf der Hand. Die Sündenböcke seien das allerdings nicht gewesen. „Ich hätte gern noch einige mehr ausgewechselt“, sagte Runjaic der zudem ankündigte: „Ich werde meinen Weg weiterverfolgen, aber mit einer raueren Gangart.“

Eichin bespricht sich mit Präsidium

Man kennt das in derlei Situationen. Ist der Schmusekurs nicht mehr aufrechtzuerhalten, gibt’s Saures. Auch vom Sportchef. „Ich werde das nicht mehr hinnehmen“, schimpfte Thomas Eichin unmittelbar nach der Niederlage gegen Düsseldorf. Und setzte sich anschließend mit dem Präsidium im VIP-Bereich zusammen, um die prekäre Lage zu besprechen.

Gerüchte, wonach Andre Breitenreiter bereits Gewehr bei Fuß stehen soll, sorgen auch nicht gerade für mehr Ruhe. Nach Stuttgart wird man mehr wissen. Dass Runjaic allerdings nicht hinschmeißen wird, hat er jetzt schon klargestellt. „Ich bin keiner, der sich verpisst“, sagte er bei Sport1. Und vor dem Auftritt beim Bundesligaabsteiger erklärte er er zudem: „Ich bin gespannt, wie die Reaktion sein wird.“ Er meinte jene der Mannschaft. Die der Verantwortlichen wird im Falle einer erneuten Pleite. ebenfalls nicht uninteressant sein.

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Claudius Mayer

Rubriklistenbild: © Christina Pahnke / sampics

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