Nach 2:2-Unentschieden

Okotie: "Muss mich bei der Mannschaft entschuldigen"

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Das wär’s gewesen: Okotie bei der letzten Chance des Spiels. Keeper Zimmermann rettete seinen FCH.

München - Beim packenden 2:2 in Heidenheim bieten die Löwen ein breites Spektrum: Dominanz, Schläfrigkeit, Moral, Pech. TSV-1860-Stürmer Okotie ist am Ende dennoch maßlos enttäuscht - vor allem von sich selbst.

Vorhang hoch, Augen zu, bloß nicht mehr hinschauen! Rubin Okotie gehörte die erste Szene dieses packenden Fußballabends – und die letzte, für die er sich mit einem Blickschutz aus weißem Polyester bestrafte.

Der Schütze des 1:0 für den TSV 1860 (13.) konnte seinen Lauf, der im fünften Tor beim vierten Pflichtspieleinsatz gipfelte, nicht ganz fortsetzen. In der 69. Minute hatte der Österreicher bereits die große Chance vergeben, die Löwen nach einer Achterbahn der Gefühle erneut auf die Siegerstraße zu bringen (per Elfmeter vergab er das 3:2), und jetzt, wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff, dieses unfassbare Pech. Der letzte Eckball der Partie segelte punktgenau auf seinen Kopf – Heidenheim hatte sich kurz zuvor dezimiert (Gelb-Rot für den eingewechselten Morabit) – doch was macht Okotie? Er köpft den Ball aus drei Metern Entfernung mitten aufs Tor und muss entsetzt zusehen, wie FCH-Keeper Zimmermann gerade noch den Unterarm nach oben bekommt. Spielende, nur 2:2 aus Sicht der Löwen. Okoties Reaktion: Trikot übers Gesicht. Weil mal wieder viel mehr drin gewesen wäre.

Spiel war atemberaubend spannend, phasenweise sogar höchst ansehnlich

Schämen mussten sich am Freitag jedoch keiner der schwarzweiß gekleideten Gäste. Den ersten Punkt im dritten Ligaspiel hatte sich das Team von Ricardo Moniz redlich erkämpft. 1200 Fans unter den 13.000 Zuschauern spendeten nicht ohne Grund minutenlang Beifall, denn wer die teils grauenhaften Auftritte der letzten Jahre ertragen hatte, für den waren die 90 Minuten von Heidenheim eine Wohltat. Sie waren atemberaubend spannend, phasenweise sogar höchst ansehnlich. Erstmals in dieser noch jungen Saison war ein Hauch von jenem Spektakel zu erleben, das sich der Klub unter neuer Führung auf die Fahne geschrieben hatte.

Allein die Dramaturgie: nichts für schwache Nerven. Okotie legte vor, indem er zwei Fehler der überforderten Heidenheimer (erst Ex-Löwe Wittek, dann Göhlert) mit einem Schuss aus Kurzdistanz bestrafte. Bis zur Pause hatten die Löwen alles im Griff, waren dominant und passsicher. Doch dann kam die Pause – und die sorgte schon in Kaiserslautern (2:3 nach 2:0) und Kiel (2:1 nach 0:1) für schwer zu erklärende Trendwenden.

Der TSV 1860 war plötzlich noch einmal ganz nah dran am ersten Dreier

Binnen fünf Minuten ging Heidenheim in Führung, erst durch den Ex-Löwen Niederlechner (51.), dann durch den Kopfballhünen Griesbeck (Steinhöfer mit seinen 1,75 m ohne Chance). Jedoch: Die Moral stimmte – anders als am Betzenberg kam es nicht zum Einbruch. Auch weil Moniz diesmal zeitig wechselte: Stark für den schwachen Sanchez, Claasen für Bülow, der überraschend ins Team gerückt war. Die Löwen stabilisierten sich wieder. Und sie waren plötzlich noch einmal ganz nah dran am ersten Dreier.

Leonardo mit einer feinen Einzelleistung zum 2:2, dann der Elfmeterlapsus von Okotie (Stark war am Trikot gezupft worden) – und in der Schlussphase ein astreines Hin und her, bei dem für beide Teams das Siegtor in der Luft lag. Ortega hatte genauso starke Paraden wie FCH-Keeper Zimmermann. Am Ende war dieses 2:2 vermutlich das gerechteste Ergebnis.

Oktoie: "Aus diesem Spiel gibt es nichts Positives mitzunehmen"

Allerdings keines, das die Delegation aus München zufrieden stellte. „Aus meiner Sicht gibt es aus diesem Spiel nichts Positives mitzunehmen“, haderte Okotie. „Normal sind das beides Tore – ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen.“ Seinen ersten Frust hatte die Kabinentür abbekommen. Und auch ein Schimpfwort mit F . . . hallte mehrmals durch die Katakomben der Heidenheimer Voith-Arena.

Dominanz, Schläfrigkeit, Moral, Pech. „Es war alles drin“, fasste Moniz diesen abwechslungsreichen Abend zusammen. Richtig glücklich sah er dabei nicht aus: „Es war ein angenehmes Spiel für einen neutralen Zuschauer, aber nicht für den Trainer.“

von Uli Kellner

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