Liverpooler offenbar im Anflug

Ayre und die Löwen: die wichtigsten Fragen

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Abschied vom FC Liverpool: Wird Ian Ayre der neue starke Mann bei den Löwen?

München - Sechzig schreibt abseits des Platzes Schlagzeilen - und dann auch noch erfreuliche! Doch was ist wirklich dran an den Gerüchten um Ian Ayre vom FC Liverpool?

Hasan Ismaik will Sechzig zu "einem der größten Vereine Europas" machen. Die Champions League soll zum Alltag für die Blauen werden, ließ der Investor jüngst im kicker-Interview wissen. Große Ziele, die nicht nur angesichts der zwei vergangenen Jahre im Zweitliga-Abstiegskampf für Verwunderung sorgten.

Dass der 40-Jährige seinen Worten aber rasch Taten folgen lassen will, verdeutlicht die Personalie Ian Ayre. Wie der Merkur aufgedeckt hat, soll der Klub-Boss des ruhmreichen FC Liverpool das neue Gesicht der Löwen werden. Wir fassen zusammen, was bislang über den Geschäftsmann aus der Beatles-Stadt und den offenbar bevorstehenden Deal mit den Blauen bekannt ist.

Was hat Ian Ayre bisher gemacht?

Der gebürtige Liverpooler ist ein weltgewandter Mann. Schon im Alter von 16 Jahren verließ er die Schule, um in die Royal Navy - die königliche Marine - einzutreten. Besonders in Asien machte sich Ayre früh einen Namen. Die ersten Schritte im Fußball-Geschäft machte er beim englischen Klub Huddersfield Town, wo Ayre beim Verkauf des Klubs eine entscheidende Rolle spielte und später als Vorstandsboss fungierte.

Schon 2001 gründete Ayre "Premium TV" - den damals mit fünf Millionen Usern weltgrößten Anbieter für Livestreams von Fußballspielen. Mehr als 80 der damaligen 92 britischen Profi-Klubs überzeugte er von dem visionären Projekt. Auch die Möglichkeiten des asiatischen Marktes im Sport erkannte Ayre frühzeitig: 2003 eröffnete er mit seiner Sport-Marketing-Agentur "Total Sports Asia" Büros in China, Thailand, Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien.

Jürgen Klopp.

Seit 2007 ist Ayre in verschiedenen Funktionen beim FC Liverpool tätig. Im Juli 2010 zog er als Marketing-Direktor einen der lukrativsten Trikotwerbe-Deals im Weltfußball an Land. Die britische "Standard Chartered Bank" zahlt aktuell und noch bis 2019 jährlich 35 Millionen Euro für den Schriftzug auf den Jerseys der "Reds". Unter den neuen Klub-Eignern stieg der mittlerweile 53-Jährige zum Geschäftsführer auf und hatte maßgeblichen Anteil an der Verpflichtung von Jürgen Klopp als Teammanager.

Allerdings verlief seine Zeit bei Englands 18-maligem Meister nicht immer reibungslos. So wurde Ayre im Jahr 2012 wegen der unglücklichen Transferpolitik von Medien und Fans heftig kritisiert. Auch in diesem Jahr knirschte es zwischen dem Klub-Boss und den Supportern. Eine bereits beschlossene Erhöhung der Ticketpreise nahm Ayre wegen Protesten von zehntausenden Fans wieder zurück und entschuldigte sich sogar öffentlich. Derzeit sitzt er zudem im Tourismus- und Wirtschafts-Komitee seiner Heimatstadt.

Warum verlässt Ayre den FC Liverpool?

Sein Vertrag bei den "Reds" läuft im kommenden Mai aus. Bereits im März kündigte Ayre an, dass für ihn dann "der richtige Zeitpunkt gekommen sein wird, den Stab an einen neuen Vorstand zu übergeben, der mit frischem Enthusiasmus an die Aufgabe herangeht". In England wird jedoch spekuliert, dass vor allem das Hickhack um die Ticketpreise Ayre zum Abschied bewogen haben soll. Der Stachel der öffentlichen Demütigung soll dann doch tiefer sitzen, als es der eloquente Big Boss zugeben will.

Wann könnte Ayre bei Sechzig anfangen?

Völlig offen. Ismaik hatte im kicker-Interview bereits anklingen lassen, dass der neue starke Mann "Ende dieses Jahres oder im ersten Quartal beginnen" solle. Da scheint der Jordanier die Rechnung jedoch ohne die Besitzer des FC Liverpool gemacht zu haben. Denn die wollen Ayre offenbar unter keinen Umständen früher aus dem Vertrag lassen - um nach der laufenden Saison eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten.

Was sagen die Blauen zur Personalie Ayre?

Thomas Eichin.

Wenig bis gar nichts. Präsident Peter Cassalette möchte die Berichte "weder bestätigen noch dementieren" - was an sich dann doch aufhorchen lässt. Sportchef Thomas Eichin sagte beim Wiesn-Besuch: "Dazu äußere ich mich nicht. Ich lebe und arbeite in der Gegenwart." Der Ex-Profi ließ zugleich wissen, dass er "über die Dinge, die in der Zukunft passieren, (…) komplett informiert" sei. Auch die Pressestelle hält sich bedeckt, teilte lediglich mit, das Handy von Cassalette "klingelt heiß", und der Klub werde "diese Thematik zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren".

Welche Rolle soll Ayre bei Sechzig übernehmen?

Gesucht wird ein Hauptgeschäftsführer, der dem Marketing-Verantwortlichen Raed Gerges und Eichin vorsitzen soll. Ayre soll den neuen Sportchef im Sommer sogar mit ausgesucht haben.

Ist der Vertrag schon unterschrieben?

Das Verhalten der Blauen lässt darauf schließen, dass noch einige Details zu klären sind - wie offenbar auch der Startzeitpunkt des Kontraktes.

Wie umschreibt Ismaik den neuen starken Mann?

Im kicker-Interview nannte der Investor den Löwen-Zugang "einen so großen Namen", der "von einem Weltverein zu 1860" komme. Er sei "die richtige Person für unsere Zukunft". Zugleich ließ Ismaik durchblicken, dass er viel Überzeugungsarbeit leisten musste - "das war nicht einfach". Als der Kandidat jedoch "von der Tradition des Klubs erfahren hat, war er sehr begeistert".

Wie denkt England-Experte Didi Hamann über Ayre?

Didi Hamann.

Der 43-jährige Ex-Bayernspieler ist im Gespräch mit der tz voll des Lobes über den Wohl-Bald-Löwen: "Er ist ein richtig Guter. Beim FC Liverpool hinterlässt er ein bestelltes Feld. Das ist schon fabelhaft." Ayre greife zu Zuckerbrot und Peitsche: "Ian kann beides sein: ein harter Hund, aber auch ein Kumpel, der keine Probleme hat, mal mit den Fans im Pub ein Bier zu trinken. Er liebt diese Volksnähe, die man sowohl in Liverpool als auch bei den Sechzigern braucht."

Und Hamann macht sogar noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen den "Reds" und den Blauen aus: "In Liverpool war es oft nicht weniger turbulent als an der Grünwalder Straße. Der Verein stand ebenfalls mal drei Tage lang vor dem Bankrott und hat 15 Jahre lang mit der Stadt wegen der Stadionproblematik gefochten."

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mg

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