Kulttrainer versteht Aufregung nicht

Lorant zur Causa Mölders: "Der ist verrückt, der kann das!"

+
Versteht die ganze Aufregung um Sascha Mölders' "Zweitjob" nicht: Löwen-Erfolgstrainer Werner Lorant war früher selbst Spieler und Coach in einem.

München - Bei den Löwen ist eine Diskussion um Sascha Mölders' Trainerjob in seinem Heimatort entbrannt. Ex-Coach Werner Lorant springt dem Profi zur Seite - aus gutem Grund.

Sascha Mölders.

Nein, Sascha Mölders wollte sich am Donnerstag nicht dazu äußern, dass seine Nebentätigkeit als Trainer des Landesligisten SV Mering von 1860-Sportchef Thomas Eichin kritisch gesehen wird, weil diesem lieber wäre, der Stürmer würde sich nur auf seinen Job als Fußballprofi bei den Löwen konzentrieren.

Die jetzige Situation findet Eichin "unglücklich" und er wolle demnächst mit Mölders das Thema besprechen. Dass Fußballprofis nebenbei noch einen unterklassigen Verein trainieren, ist so ungewöhnlich übrigens nicht. Auch Werner Lorant, der ehemalige Erfolgscoach der Löwen, hat das einst gemacht. Und einen Riesenspieler bei seinem Amateurverein entdeckt: Horst Hrubesch.

Herr Lorant, wie war das damals?

Werner Lorant: Ich habe bei Rot-Weiß Essen in der Bundesliga gespielt und nebenbei den unterklassigen SC Westtünnen in der Nähe meines Heimatortes trainiert. Dort spielte der Horst, der immerhin schon 24 war, Mittelstürmer und schoss Tor um Tor. Einmal waren es 50 in einer Saison. Ich habe meinen Essenern gesagt, dass sie den unbedingt holen sollen, und nach einer Woche Probetraining bekam Hrubesch einen Vertrag bei uns.

Das war 1975, Hrubesch schoss in seinem ersten Bundesligaspiel gleich zwei Tore und kam insgesamt auf sagenhafte 83 Treffer in 80 Spielen.

Lorant: Ja, und dann schoss er Deutschland 1980 zur Europameisterschaft, wurde mit dem HSV Europacupsieger und mehrmals Deutscher Meister bis hin zur Silbermedaille, die er als Trainer mit der deutschen Mannschaft kürzlich in Rio gewann. Ich war richtig stolz auf ihn.

Hat sich Hrubesch eigentlich bedankt bei Ihnen?

Horst Hrubesch.

Lorant: Na klar. Der Horst ist ein ganz feiner Kerl. Ich weiß noch, alser zum HSV wechselte, ist er auf mich zugekommen und hat sich bei mir dafür bedankt, dass ich ihm den Weg geebnet habe.

Sind Sie eigentlich auch mal als Trainer aufeinandergetroffen?

Lorant (lacht): Nein. Das war sein Glück. Gegen mich hätte er keine Chance gehabt.

War es eigentlich schwer, die Tätigkeiten als Profispieler und gleichzeitig Amateurtrainer miteinander zu vereinbaren?

Lorant: Ach was, später bei Eintracht Frankfurt habe ich das auch gemacht. Mit der Eintracht bin ich Uefa-Cup-Sieger und Deutscher Pokalsieger geworden und nebenher habe ich Heusenstamm und Groß-Gerau trainiert. Mit denen bin ich auch aufgestiegen.

Was raten Sie jetzt Mölders?

Lorant: Ich finde es zunächst gut, dass ein Profi nebenher auch Spieler quasi ausbildet. Allerdings kann das nicht jeder. Da musst du schon absolut fußballverrückt sein, und ich glaube, das ist der Mölders. Er ist ja auch ein Junge aus dem Pott, hat ebenfalls bei Rot-Weiß Essen gespielt und wenn er Spaß an der Sache hat, soll er es machen. Vielleicht entdeckt er ja ebenfalls ein Talent für 1860. In seiner Mannschaft oder bei den gegnerischen Teams. Es muss ja nicht gleich wieder ein Horst Hrubesch sein…

WhatsApp-News zum TSV 1860 gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für Löwen-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Löwen direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Claudius Mayer

auch interessant

Meistgelesen

Das neue 1860: Plötzlich fremd im eigenen Verein
Das neue 1860: Plötzlich fremd im eigenen Verein
Eichin offiziell weg - Boykott gestoppt - Bierofka bleibt
Eichin offiziell weg - Boykott gestoppt - Bierofka bleibt
Pereira ist Trainerkandidat bei 1860 - Interesse bestätigt
Pereira ist Trainerkandidat bei 1860 - Interesse bestätigt
1860-Ticker: Eichin weg, Gerges weg - wer kommt jetzt?
1860-Ticker: Eichin weg, Gerges weg - wer kommt jetzt?

Kommentare