"Bin der Aiges, kein Messias und kein Messi"

Wohnung in Abu Dhabi? Aigner kann nur den Kopf schütteln

München - Es war für beide Seiten eine Herzensangelegenheit – und wurde eine Woche vor dem Ligastart Gewissheit: Außenbahn-Dribbler Stefan Aigner, Urbayer kehrt zu seinem Lieblingsverein zurück, wo er im Rahmen des Fanfests begeistert empfangen wurde.

Nach gut eineinhalb Stunden waren alle Zweifel beseitigt: Wendig und technisch beschlagen hatte sich da einer um die Hütchen bewegt, Biss in Eins-gegen-Eins-Duellen gezeigt und immer wieder hörte man ein paar Fetzen Baierisch auf dem Trainingsplatz. Er ist also tatsächlich wieder da: Stefan Aigner ist am Wochenende zurückgekehrt zum TSV 1860. Schon am Samstag hatte der Verein auf den digitalen Kanälen Bilder verbreitet, auf denen der sehnlichst erwartete Ur-Sechzger mit dem Löwen-Dress posierte. Am Sonntag dann beim Fanfest erschien er in leibhaftiger Schmächtigkeit. Und nachdem ein langes Show-Training belegt hatte, dass er es wirklich ist, ließen die Anhänger alle Scheu fallen. „Schee, dass’d wieder do bist“, rief ihm ein Fan zu und nahm ihn für ein Foto in den Schwitzkasten, als stünde zu befürchten, Aigner sei doch nur eine Fata Morgana.

Der so Geherzte begegnete der Euphorie mit der ihm eigenen kernigen Bodenständigkeit: „Ich bin immer noch der Aiges wie früher, kein Messias und kein Messi“, so der 28-Jährige, „ich werde alles dran setzen, dass wir erfolgreich sind – aber mit der Mannschaft und zusammen.“

Und doch zeigte die lange Schlange an Fans, die am Sonntag vor dem Fanshop für ein Aigner-Trikot mit der Nummer 29 anstanden, dass etwas Außergewöhnliches passiert ist. Es ist nicht die erste Rückholaktion eines Urgesteins seit dem Abstieg vor zwölf Jahren, auch Benjamin Lauth und Daniel Bierofka kehrten aus der Bundesliga zu 1860 zurück. Doch anders als Bierofka und Lauth kommt Aigner nicht, weil die Karriere ins Stocken geraten war. Der Außenbahndribbler steht im Zenit, das will er auch so verstanden wissen: „Es gab auch Anfragen aus der Ersten Liga und dem Ausland.“

Was also hat ihn zur Heimkehr bewogen? Jedenfalls, das will Aigner gleich mal klarstellen, nicht die kolportierte Wohnung in Abu Dhabi: „Ich weiß nicht, wer in die Welt gesetzt hat, dass ich eine Wohnung in Abu Dhabi krieg’“, meint er kopfschüttelnd. Entscheidend sei vielmehr die Erkenntnis gewesen, dass „eine klare Linie drin ist und man was erreichen will“. Als sich Aigner vor vier Jahren schweren Herzens zu Eintracht Frankfurt verabschiedete, fehlte ihm die Perspektive, sich seinen Traum von der Ersten Liga dahoam erfüllen zu können.

Vor gut zwei Wochen haben der neue Sportchef Thomas Eichin und Trainer Kosta Runjaic den ersten Kontakt mit Aigner aufgenommen. Die Gespräche mit dem neuen Führungsduo haben ihn überzeugt, „dass jetzt was vorwärts geht und nicht immer die jungen guten Spieler verkauft werden“.

Vertrag bis 2020

Diese Hoffnung auf Aufschwung schwebte beim Fanfest über Aigners Wechsel. Womöglich geht der Einstieg von Investor Hasan Ismaik mit Verzögerung von fünf Jahren und noch mehr verschlissenen Führungsköpfen doch mit neuen finanziellen Möglichkeiten einher. Präsident Peter Cassalette bestätigt, dass das Kaderbudget in den letzten Tagen dank Abu Dhabi mehrfach erweitert wurde. Auch Aigners Transfer hing am Geld: „Deswegen war ich auch nochmal drüben bei Hasan“, so Cassalette über seinen Besuch in der letzten Woche, „weil es am Schluss nochmal gehakt hat.“

Begonnen hatte Cassalette mit der Überzeugungsarbeit schon vor einigen Wochen. Um Ismaik den Stellenwert Aigners bei den Anhängern und seinen sportlichen Wert klarzumachen, schrieb er zunächst einen langen Brief: „Woher soll der Hasan den Aigner sonst kennen?“ Es folgten weitere Gespräche, das letzte bei Cassalettes Besuch in Abu Dhabi in der Nacht zum Freitag. „Da habe ich nochmal auf ihn eingeredet und dann hat er gesagt: So jetzt pack ma’s und holen den auch noch.“ Kurz darauf hörte sich das auf Ismaiks Facebook-Seite dann so an: „Wir wollten Euch mit der Rückholaktion von Stefan Aigner eine kleine Freude bereiten.“

Die Rekordablöse von Stürmer Ribamar, der am vergangenen Freitag verpflichtet wurde, musste dafür dem Vernehmen nach nicht überboten werden. Dass es dennoch aller Überzeugungskraft bedurfte, liegt daran, dass Aigner anders als der junge Brasilianer kein Spekulationsobjekt ist. Er unterschrieb bis 2020 und kommt mit dem Versprechen: „Ich will hier nicht mehr weg.“

Christoph Fuchs

1860-Fanfest ganz im Zeichen der Aigner-Rückkehr

Bilder: 1860-Fanfest ganz im Zeichen der Aigner-Rückkehr

Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke

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