Er wurde gefeuert

Die Wahrheit über das Kreuzer-Aus bei 1860

München - Rückkehr zum Löwen-Chaos: Der 1860-Sportchef Oliver Kreuzer muss überraschend dem neuen starken Mann aus Bremen weichen.

Die ganze Vereinsführung des TSV 1860 schien am Mittwoch untergetaucht zu sein. Niemand war erreichbar: Weder Präsident noch Sportchef oder Geschäftsführer. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass heikle Dinge im Gange waren. Die Bestätigung für diesen Verdacht kam um 17.22 Uhr in Form einer kurzen Email. Kernaussage: „1860 und Oliver Kreuzer gehen getrennte Wege.“ Am Vortag wäre das noch eine spektakuläre Überraschung gewesen, im Lauf des Mittwochs aber hatte sich diese Entwicklung irgendwie abgezeichnet. Schon am Vormittag kursierte die – vom Verein bislang unbestätigte – Meldung, wonach Thomas Eichin als neuer starker Mann beim Fußball-Zweitligisten vorgesehen ist. Der 49-Jährige soll als neuer Geschäftsführer für Sport und Marketing installiert werden - und so kam es. Am Donnerstagvormittag teilten die Löwen die Verpflichtung Eichins offiziell mit

Kreuzer wurde entlassen

Kreuzer musste somit dem neuen Mann weichen, er wurde am Mittwoch entlassen. Kreuzer: „Ich wurde freigestellt, mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Es geht also wieder einmal – man kann es nicht anders sagen – drunter und drüber bei den Löwen. Obwohl sich Kreuzer in den acht Monaten seines Wirkens als anerkannte Führungskraft etabliert hatte, wurde er nun zugunsten von Eichin aus dem Weg geräumt. Wer soll das verstehen? Peter Cassalette, Präsident des TSV 1860, ließ in der Email nur wissen: „Wir danken Oliver Kreuzer ganz herzlich für seinen Einsatz und wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute.“ Die üblichen Floskeln.

Zudem stand in dem überaus knapp gehaltenen 1860-Schreiben: „Der Nachfolger für die Position des Sportdirektors steht bereits fest und wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben.“ Das wirkte fast schon wie eine Farce. Denn zu diesem Zeitpunkt pfiffen es die Spatzen längst von allen Münchner Dächern, dass Eichin in der 1860-Geschäftsstelle das Ruder übernehmen wird.

Endgültig fest steht damit auch, dass die Geschäftsführer Markus Rejek und Noor Basha abdanken müssen. Deren Schicksal hatte ja schon im Februar der Hauptanteilseigner Hasan Ismaik besiegelt, indem er bei einem Fantreffen die Entlassung des Duos gefordert hatte. Der Rückzug von Rejek und Basha ist somit keine Überraschung. Der von Kreuzer umso mehr.

Ganz offenbar ist es der dringende Wunsch des notorisch unberechenbaren Ismaik gewesen, den Geschäftsführer mit zusätzlichen Machtbefugnissen auszustatten. Eichin, der erst am Mittwoch seinen noch bis 2018 laufenden Geschäftsführer-Vertrag mit Werder Bremen auflöste, scheint das Ismaiksche Anforderungsprofil am besten zu erfüllen.

Das ist Thomas Eichin der neue 1860-Sportdirektor

Oliver Kreuzer (l.) zeigt dem neuen Trainer Kosta Runjaic das 1860-Gelände, an dem er fortan nicht mehr arbeiten wird.

Der Manager mit Marketingerfahrung hatte sich in den vergangenen drei Jahren bei Werder jedenfalls als harter, unsentimentaler Entscheider profiliert. Als einer, der keine Skrupel hat, sich im Zweifelsfall auch unpopulär zu verhalten. So war es der frühere Mönchengladbacher Fußballprofi, der sich 2013 von der Bremer Trainer-Legende Thomas Schaaf verabschiedete. Dieser war 14 Jahre Coach der Hanseaten gewesen. Obwohl die Abnützungserscheinungen längst sichtbar waren, hatte es vor Eichin niemand gewagt, sich von der Kultfigur Schaaf zu trennen. Der neue Manager, der zuvor 14 Jahre in den Diensten des Eishockeyklubs Kölner Haie stand, startete den Neuanfang mit Robin Dutt.

Als Werder im Jahr darauf früh in Abstiegsgefahr geriet, entschloss sich Eichin zum neuerlichen Trainerwechsel, ersetzte nach nur neun Spieltagen der Saison 2014/15 Dutt durch den U-23-Coach Viktor Skripnik.

Zuletzt zweifelte der Manager auch an Skripniks Fähigkeiten, drängte auf dessen Demission. Doch nun stieß er auf den Widerstand des Werder-Aufsichtsrates. Wobei Insider glauben, dass Eichin, gebürtiger Freiburger, in diesem Machtkampf schließlich daran scheiterte, dass ihm der Bremer Stallgeruch fehlt. Letztlich einigte man sich auf eine vorzeitige Vertragsauflösung. Eichins Posten übernahm am Mittwoch Frank Baumann, ein Ex-Werder-Profi.

Trotz der finalen Differenzen ist auch bei seinen Widersachern unstrittig, dass Eichin als Transferexperte wertvolle Arbeit leistete. So hatte er aus Hoffenheim Jannik Vestergaard für 2 Millionen Euro geholt, der Däne wechselt nun für 14 Millionen nach Mönchengladbach. Ein schönes Sümmchen brachte auch Franco Di Santo ein. Der Argentinier kam ablösefrei, für 6,5 Millionen Euro wurde er an Schalke verkauft. Für Davie Selke zahlten die Bremer gerade Mal 50 000 Euro an Hoffenheim; letzte Saison musste RB Leipzig für den Stürmer 8 Millionen Euro überweisen.

Eichin ist es mit seinen profitablen Deals gelungen, die finanziell angeschlagenen Bremer zu sanieren. Eine Referenz, die für Ismaik und seine Berater die Hauptrolle gespielt haben dürfte.

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