Neuer Coach muss sich an die Regeln halten

Runjaic ist da: Ein Taktikfuchs für die Löwen

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Top: Kosta Runjaic freut sich auf seinen anspruchsvollen Job bei den Löwen.

München - Der Trainer, auf den sich der Fußball-Zweitligist und Investor Ismaik nach einem Monat einigen, genießt in der Branche einen guten Ruf. An seinem ersten Tag an der Grünwalder Straße bekommt er aber gleich mal eine klare Ansage von Hasan Ismaiks Bruder.

Sonnenbrille, Stoffschuhe, Bermudashorts – der beliebte Erfolgstrainer sah nach Urlaub aus, als er um die Mittagszeit auf dem Vereinsgelände des TSV 1860 auftauchte. Wie gewohnt blieb er auf ein Pläuschchen bei den Reportern stehen, skizzierte seine Pläne für die neue Saison („Zwölf A-Junioren kommen zu mir“), aber natürlich interessierte sich Daniel Bierofka auch für den Mann, der ihn als Trainer des Profiteams beerben wird. „Ist er schon da?“, fragte er.

Bierofka findet seinen Nachfolger gut

Kosta Runjaic, 45, der das Rennen um die Bierofka-Nachfolge gewonnen hat, war tatsächlich kurz zuvor eingetroffen – in Begleitung von Präsident Peter Cassalette, Sportchef Oliver Kreuzer und zwei Abgesandten aus Abu Dhabi, die den neuen Hoffnungsträger eine Stunde nach dessen offiziellem Ja-Wort über das Vereinsgelände führten. Bierofka verpasste die Herrenrunde um wenige Minuten, doch eine Meinung hatte er sich bereits gebildet. „Ich finde die Lösung gut“, sagte der „Retter“ über den Mann, dem er als alter und neuer U 21-Coach zuarbeiten wird. „Persönlich kenne ich ihn nicht, aber bei allen Vereinen, wo er war, hat er erfolgreiche Arbeit abgeliefert.“ Aufstieg mit Wehen-Wiesbaden in die Regionalliga. Aufstieg mit Darmstadt in die 3. Liga. Klassenerhalt mit dem MSV Duisburg. Zweimal Vierter und einmal Vorstoß ins Pokal-Halbfinale mit dem 1. FC Kaiserslautern. „Ich denke, 1860 kann sehr zufrieden sein“, sagte Bierofka.

Das strahlten die Bosse auch aus, als sie Runjaic mit den wichtigsten Institutionen auf dem Vereinsgelände vertraut machen: Fanshop, Jugendinternat, Kabinentrakt, Löwenstüberl. Bei Wirtin Christl, die sich in ein blaues Kleid geworfen hatte, blieb er artig stehen. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl hier“, sagte er lächelnd: „Und jetzt, wo ich hier bin, habe ich ein noch besseres.“ Da lächelte die Christl zufrieden. Aber auch für den Hausmeister, der schräg gegenüber mit dem Presslufthammer arbeitete, hatte Runjaic einen Spruch parat. „Sie sind anscheinend der einzige, der in diesem Verein arbeitet“, scherzte er und erntete einen Lacher. Bestimmt hätte er auch noch mit den anwesenden Pressevertretern geplaudert, doch da grätschte Abdelrahman Ismaik dazwischen, der Bruder von Investor Hasan Ismaik. „Friday“, zischte er. Aus unerfindlichen Gründen darf sich Runjaic erst am Freitag offiziell äußern. „Wir bitten um Geduld“, schrieb die Pressestelle und verwies auf die für Freitag vorgesehene Antritts-PK (11 Uhr). Auch zur Vertragslaufzeit machte der Verein keine Angaben.

"Langjährige Erfahrung, Persönlichkeit, positive Einstellung"

In der offiziellen Mitteilung für die Medien hatten beide Seiten mit branchenüblichen Floskeln aufgewartet. „Ich gehe mit hoher Motivation und viel Leidenschaft an die Aufgabe heran und möchte gemeinsam mit allen Verantwortlichen, Fans und Freunden die Löwen wieder in die Erfolgsspur bringen“, wird Runjaic zitiert. Sportchef Kreuzer erklärte: „Wir glauben daran, dass Kosta mit seinem Profil sehr gut zu 1860 passt. Seine langjährige Erfahrung, seine Persönlichkeit und seine positive Einstellung haben uns alle davon überzeugt, dass wir mit ihm zusammenarbeiten wollen – und erfolgreich sein können.“

Am Ende dürfte auch den Ausschlag gegeben haben, dass Runjaic die Konten des Ismaik-Klubs weniger belastet als Mirko Slomka, der Erstligagehälter gewohnt ist – oder als Franco Foda (Sturm Graz), der eine Ablöse gekostet hätte. Slomka und Foda waren die erklärten Favoriten von Sportchef Kreuzer. Auch die Partei Ismaik hatte einige Kandidaten vorgeschlagen. „Es hat natürlich gedauert, bis wir die lange, gemeinsame Liste abgearbeitet haben“, berichtete Cassalette: „Du musst ja erstmal von jedem den Lebenslauf durchlesen, Gespräche führen, dich mit allen abstimmen.“ Herausgekommen ist die Kompromisslösung Runjaic. Ein ehrgeiziger Trainer, der Ismaik womöglich mit einem seiner früheren Nebenjobs beeindrucken konnte: Runjaic erstellte taktische Analysen für ZDF-Experte Oliver Kahn. Kahn dürfte auch Ismaik ein Begriff sein. Und mit Kreuzer verbindet den früheren Welttorhüter eine langjährige Freundschaft.

Ein Mann mit Rückgrat

Mut hat er in jedem Fall, der Taktikexperte Runjaic, nicht nur weil er sich auf den Job bei den Löwen einlässt, die in den letzten beiden Spielzeiten jeweils drei Trainer verschlissen haben. Der Fußball, den er spielen lässt, ist stets offensiv – und bei all seinen Vereinen erreichte er Punkteschnitte, die bei 1860 – mit Ausnahme von 15-Tage-Helfer Bierofka – schon lange kein Coach mehr hatte: 1,85 (Wehen), 1,51 (Darmstadt), 1,39 (Duisburg), 1,65 (FCK).

Es dürfte Geldgeber Ismaik auch imponieren, dass Runjaic ein Mann mit Rückgrat ist: Nach schwachem Start in Kaiserslautern trat er vorige Saison auf eigenen Wunsch zurück. Schwach bedeutet bei den Ansprüchen, die Runjaic an sich selber hat: drei Niederlagen in acht Spielen.

Servus! Der neue Trainer ist da - Bilder

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