Tohuwabohu-Trio

Samba-Interview: Zu Besuch bei den drei brasilianischen Löwen

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Da ist Musik drin: Ribamar, Andrade und Rodnei (v. li.)

München - Treffen sich drei Brasilianer in einer Bar - so ähnlich beginnt ein äußerst unterhaltsamer Abend mit den drei brasilianischen Löwen Rodnei, Andrade und Ribamar in der Lisboa Bar in Haidhausen.

Treffpunkt Lisboa Bar. Hier, in Haidhausen, befindet sich das Lieblingsrestaurant der drei Löwen-Brasilianer Rodnei (30), Victor Andrade (20) und Lucas Ribamar (19). Die tz setzte sich dort mit ihnen zum Dreier-Interview zusammen – es war ein Erlebnis. 

1860-Brasilianer musikalisch unterwegs

1860-Brasilianer musikalisch unterwegs

Pausenlos wurde gelacht, Blödsinn gemacht und erzählt und am Ende auch noch zu den Instrumenten gegriffen. Samba war angesagt bei den drei blauen Brasilianern vom Zuckerhut. Lesen Sie, was in dem allgemeinen Tohuwabohu dem Trio doch noch zu entlocken war.

Ihr drei geht oft hierher zum Essen. Wie sieht es denn eigentlich mit der bayerischen Küche aus? Mögt ihr die auch?

Andrade: Ja, im Trainingslager beim Grillabend habe ich Currywurst gegessen.

Das ist jetzt nicht unbedingt bayerisch…

Andrade: Aber gut.

Rodnei: Also ich mag schon ganz gern mal einen Leberkäs. Aber am liebsten sind wir hier in der Lisboa Bar. So drei mal in der Woche. Auch einige Bayern-Spieler kommen regelmäßig.

Wer?

Rodnei: Natürlich Rafinha und Costa, die beiden Brasilianer. Aber auch Alaba und Ribéry schauen öfters vorbei.

Und, muss man da als Blauer viel Spott ertragen?

Rodnei: Nein, überhaupt nicht. Wir sind gute Freunde. Hin und wieder schaut sich einer von den Bayern-Jungs ein Spiel von uns an und dann wird drüber geredet. Was gut war und was nicht.

Victor, Sie sind ja jetzt schon etliche Wochen in München. Wie haben Sie sich eingewöhnt?

Andrade: Na ja, München ist schon eine schöne Stadt. Mir gefällt es hier, bisher ist es perfekt. Aber jeder sagt mir, dass es bald Schnee gibt. Und es sehr kalt wird…

Wie sieht es mit der Sprache aus?

Andrade: Ich höre gern die deutsche Sprache, obwohl ich so gut wie nichts verstehe. Ein paar Worte kenne ich mittlerweile aber. „Danke schön“ oder „Wie geht es Ihnen?“ Es ist schwer.

Wie sieht’s aus mit Sprachunterricht?

Andrade: Erst mal will ich aus dem Hotel raus. Ich suche bereits ein Haus. Dann hole ich meine Frau Caroline und meinen einjährigen Sohn Victor Arthur nach München. Und dann nehme ich Unterricht.

Wie sehr vermissen Sie den Kleinen?

Andrade: Sehr natürlich. Als wir nach dem Trainingslager zwei freie Tage hatten, bin ich sofort nach Lissabon geflogen, um endlich wieder mal bei meiner Familie zu sein. Ansonsten haben wir regen Kontakt per Facetime. Das Schöne ist, dass mich mein Sohn inzwischen auf dem Bildschirm erkennt. Bis vor ein paar Wochen war das noch nicht der Fall.

Wie sind Ihre Kontakte heim nach Rio, Lucas?

Ribamar: Im Moment sehr wenig. Manchmal skype ich am Abend mit meiner Mama, meinem Bruder und Freunden.

Ihr kommt ja aus Klubs, aus denen die beiden vielleicht besten brasilianischen Spieler stammen. Pele aus Santos, wie Sie, Victor. Und Garrincha von Botafogo Rio, wie Sie, Lucas. Was bedeuten für euch diese Namen?

Ribamar: Im Museum von Botafogo gibt es eine große Extra-Abteilung über Garrincha, die kenne ich.

Andrade: Natürlich war Pele ein ganz Großer, aber ich habe andere Vorbilder.

Nämlich?

Andrade: Robinho und Balotelli.

Und Sie, Lucas?

Ribamar: Mich hat Ronaldo inspiriert. Der brasilianische Ronaldo, wohlgemerkt.

Welcher deutsche Spieler ist für euch der Beste?

Ribamar: Marco Reus.

Andrade: Schweinsteiger.

Rodnei: Boateng.

Ribamar (macht eine wegwerfende Handbewegung in Richtung Rodnei): Aah, Boateng…

Mit wem außer Rodnei habt ihr bisher den engsten Kontakt bei den 1860-Kollegen?

Ribamar: Dafür bin ich noch zu kurz da.

Andrade: Mit Adi (Daniel Adlung, d. Red.). A good guy.

Kennt ihr die Namen der gegnerischen Vereine in der 2. Liga?

Ribamar (grinst): Ja, ja, einige. Aber im Moment fallen sie mir nicht ein…

Andrade: No.

„Mit mir hätte Brasilien bei der WM nicht 1:7 verloren…“

Lucas, Trainer Kosta Runjaic hat Sie als „Vollblutstürmer“ bezeichnet. Wie viele Tore haben Sie sich vorgenommen?

Ribamar: Wenn ich so gut wie alle Spiele mache, dann werden es etwa 15 Treffer.

Und Sie, Victor?

Andrade: Mir reicht es, wenn ich Lucas die Pässe zu allen Toren gebe.

Ein weniger schönes Thema: Bei der WM 2014 hat Brasilien 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland verloren. Wie habt ihr das erlebt?

Ribamar: Ich habe es zu Hause bei der Familie angeschaut. Und ich konnte es nicht glauben.

Rodnei: Ich war in Salzburg und saß mit meiner Freundin und Bekannten aus Deutschland vor dem Fernseher. Was haben die anfangs gejubelt. Aber ab dem 4:0 dann nicht mehr so. Da hatten sie nur noch Mitleid mit mir…

Andrade: Ich sage nur eins: Wenn ich mitgespielt hätte, dann hätte Brasilien nicht 1:7 verloren.

Victor, Sie gelten als sehr heißblütig und sind in einigen Testspielen mit Ihren Gegenspielern aneinandergeraten. Wie zügeln Sie Ihr Temperament in der 2. Liga?

Andrade: Na ja, das gehört eigentlich zum meiner Art, Fußball zu spielen. Aber Papa (so wird Rodnei in der Mannschaft genannt, d. Red.) hat mir schon gesagt, dass ich nicht so aggressiv sein darf. Papa ist seit zehn Jahren in Deutschland und weiß, was Sache ist. Also höre ich auch auf das, was er sagt. 

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