Sieg gegen Bielefeld

Trotz lädiertem Hintern: Aigner schenkt den Löwen Ruhe

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Der Kapitän als Erlöser: Rückkehrer Aigner nutzte einen genialen Moment zum 1:0 für seine Löwen.

München - Stefan Aigner gelang gegen Arminia Bielefeld ein Jubiläumstor beim 1:0-Sieg - und das trotz angeschlagenem Hinterteil.

Vor seinem inneren Auge lief noch einmal der Gruselfilm ab, der an eine demütigende Phase seines Lebens als Fußballmanager erinnert. „Ich war ja schon oft hier in der Arena“, bekannte Thomas Eichin: „Und immer bin ich mit einer knalligen Packung nach Hause gefahren.“ 1:6, 2:5, 0:6, 0:5 – so lauteten die Ergebnisse, die er ertragen musste, als er zwischen 2013 und der ersten Jahreshälfte 2016 mit Werder Bremen in Fröttmaning zu Gast war.

Wer diese Stätte regelmäßig als geprügelter Hund verlassen hat, der genießt natürlich auch einen Sieg, wie ihn die Löwen am Sonntag errungen haben: 1:0 gegen Vorjahres-Aufsteiger Bielefeld – mit viel Leerlauf und einer gegen 100 Prozent gehenden Chancenverwertung. Eichin staunte über die „ganz andere Atmosphäre hier (bei 1860)“. Aber: Lieber ein glücklicher Gewinner sein als ein Sparringpartner, wie seine Bremen es stets für den FC Bayern waren. Mit Blick auf die Tabelle fügte Eichin hinzu: „Es war ein sehr, sehr, sehr wichtiger Sieg.“

Selbst der zu Nüchternheit neigende Trainer Kosta Runjaic gab zu: „Es fühlt sich gut an. Ich freue mich riesig für die Stadt, für alle Löwen-Freunde – und natürlich war es ein schönes Geschenk an Hasan Ismaik.“ Der weilte am Sonntag in Abu Dhabi, wo er seinen 39. Geburtstag feierte. Aber in gewisser Weise war der Investor natürlich präsent, denn ohne seine Darlehen in diesem Sommer wären die Löwen kaum in der Lage gewesen, ihrem treuen Publikum so viele neue und teils teure Spieler zu präsentieren.

Der teuerste von ihnen (neben Ribamar aus der erneut vernachlässigten Brasilianer-Fraktion) sorgte in einem zähen Spiel für den einzigen Gänsehaut-Moment. Als sich viele der 24 800 Zuschauer bereits auf ein leistungsgerechtes 0:0 eingestellt hatten, zeigte Stefan Aigner, warum er die letzten vier Jahre in der Bundesliga spielen durfte: Er ging einem weiten Ball nach, scherte sich nicht die Bohne darum, dass Florian Hartherz den Zweikampf innerlich als gewonnen verbucht hatte – und schob die eroberte Kugel dann lässig durch die Beine von Torhüter Wolfgang Hesl. Erstes Tor im zweiten Spiel für den Rückkehrer – und nebenbei das 1000. für die Löwen in ihrer doch schon recht langen Zweitligageschichte. „Aiges kommt her und trifft – überragend!“, kommentierte Jan Mauersberger beglückt. Der von seinen Leiden erlöste Eichin drückte es etwas geschäftsmäßiger aus: „Irgendwann muss halt einer das Tor machen. Dafür haben wir den Aiges schließlich geholt.“

Seiner Rolle als Fanliebling ist Aigner gleich mal gerecht geworden. Und angesichts dieser fast schon kitschigen Geschichte ging beinahe unter, dass das Spiel eigentlich ein anderer geprägt hatte. Michael Liendl, unter Ex-Sportchef Oliver Kreuzer bereits ausgemustert, gab zur Überraschung aller – inklusive sich selber – einen astreinen Sechser. Einen Spielmacher aus der eigenen Hälfte, wie Runjaic seinen taktischen Kniff erläuterte: „Wir wussten, dass Bielefeld sehr kompakt stehen wird. Daher sollte Liendl aus der Tiefe heraus das Spiel machen.“ Auch von Aigner gab es ein Sonderlob für den heimlichen Held des Tages. „Super“, schwärmte er: „Liendl ist ein überragender Kicker, der auch mal Bälle spielt, die nicht jeder sieht. Ein ganz wichtiger Spieler, gerade für uns da draußen.“

Bilder und Noten: Sechs Vierer und nur eine Zwei

Aigner selbst verließ zwölf Minuten nach seinem Tor das Spielfeld. Unter großem Jubel, aber nicht ganz freiwillig, wie er mit derber Wortwahl verriet. „Der Arsch tut weh“, sagte er: „Es ist die gleiche Stelle wie vor dem Spiel. Nichts dramatisches. Den Muskel muss man jetzt halt wieder weichkneten.“

Die Löwen wussten am Ende nicht so recht, worüber sie sich mehr freuen sollen: Über den tapferen Rückkehrer Aigner, das Ergebnis – oder über den leichten, spielerischen Fortschritt. „Es ist ein Mittelding“, antwortete Eichin: „Siege geben eine gewisse Ruhe, und es nützt uns nichts, wenn das wie in der ersten Halbzeit okay aussieht – und die machen am Ende das 1:0.“

Vizekapitän Mauersberger blickte bereits voraus – weniger auf die anstehenden Partien in DFB-Pokal (Karlsruhe daheim) und Liga (Karlsruhe und Nürnberg auswärts), sondern auf eine ferne Zeit der Dominanz, die er schon nach der Auftaktpleite in Fürth ankündigte. „Wenn wir erst ins Rollen kommen“, sagte er, „dann können wir vielleicht auch mal etwas schöner gewinnen.“ Zumindest einem war die B-Note am Sonntag herzlich egal: Sportchef Eichin, der sein Arena-Trauma endlich überwunden hat.

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