Bei der Konkurrenz ist man beeindruckt

tz-Interview mit Fürth-Präsi: "Löwen haben Zeichen gesetzt"

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Helmut Hack, Präsident Greuther Fürth.

München - Am Freitag startet die zweite Liga - zum Saisonauftakt treffen die Löwen auf Greuther Fürth. Wir haben mit dem Fürther Präsident Helmut Hack gesprochen.

Greuther Fürth und der TSV 1860 - zwei Klubs treffen da zum Saisonauftakt am Sonntag aufeinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Während in Fürth seit Jahrzehnten Professionalität und Kontinuität gelebt werden, sind die Löwen nach Jahren des beispiellosen Irrsinns noch am Anfang ihres Weges zu mehr Stabilität und Seriosität. Die tz sprach vor dem fränkisch-bayerischen Derby mit dem Vater des Fürther Erfolgs, Präsident Helmut Hack (66).

Herr Hack, Ihr Manager Ramazan Yildirim hat als Saisonziel für die Spielvereinigung Platz eins in der ewigen Zweitligatabelle ausgegeben. Wären Sie zufrieden, wenn die Mannschaft die dazu nötigen 49 Punkte holt, um Spitzenreiter Alemannia Aachen zu überflügeln?

Hack: 49 Punkte, das wären drei mehr als in der vergangenen Saison, die muss man sich in der Zweiten Liga in diesem Jahr erst mal erarbeiten! Es heißt zwar jedes Jahr, dass die Liga so stark besetzt ist wie noch nie, aber heuer ist es schon was Besonderes. Mit Stuttgart und Hannover sind zwei gestandene Erstligisten mit enormen finanziellen Möglichkeiten abgestiegen, dazu gibt es mit Dresden einen hoch interessanten Aufsteiger. Und dann sind da eine ganze Reihe von Traditionsklubs , die angreifen wollen. Dazu gehört auch unser erster Gegner am Sonntag.

1860 hat die Mannschaft ordentlich umgekrempelt und mit Karim Matmour, Ivica Olic und zuletzt Stefan Aigner drei bundesligaerfahrene Spieler verpflichtet. Wie beurteilen Sie diese Transferwut im Süden?

Hack: Die Löwen haben Zeichen gesetzt, dass sie was vorhaben. Zwei Jahre in akuter Abstiegsnot, das hat nicht zu diesem Klub mit diesen Möglichkeiten gepasst. Also hat der Investor tief in die Brieftasche gegriffen und Qualität holen lassen. Das wird spannend.

Der 1860-Kader wird bei transfermarkt.de aktuell auf 19,73 Millionen Euro taxiert, Platz drei hinter Stuttgart und Hannover. Greuther Fürth liegt mit 13,95 Millionen Euro auf Rang 11. Entspricht das auch der Leistungsstärke?

Hack: Ich halte von diesen Auflistungen nicht viel. Vom Potenzial her kann das eine richtig erfolgreiche Saison für Sechzig werden. Aber eine Mannschaft muss sich erst finden. Wer gut aus den Startlöchern kommt, das lässt sich so präzise vorhersagen wie ein Lotteriespiel. Ich finde es sehr klug, dass sich die Verantwortlichen in München zurückhalten, was die Saisonziele angeht. Warum sollte man sich zusätzlich unter Druck setzen, wenn die Investitionen ohnehin schon gewisse Erwartungen auslösen.

In Fürth wurde die Mannschaft im Kern zusammengehalten. Ein Vorteil für Sonntag?

Hack: (lacht) Kann sein, ich weiß es nicht! Es stimmt, dass wir bis auf Marco Stiepermann (zum VfL Bochum) keinen Stammspieler abgegeben haben und mit Sercan Sararer einen Mann zurückgeholt haben, bei dem ich große Hoffnungen habe, dass er uns weiterbringen wird – wenn er an seine alte Form anknüpfen kann. Aber derzeit plagt sich Sercan mit Achillessehnen-Problemen herum. Ich gehe aktuell nicht davon aus, dass er am Sonntag spielen wird.

Worin liegt für Sie nach all den Jahren Zweite Liga mit dem Bundesliga-Aus-reißer nach oben 2012/13 noch der Reiz bei Greuther Fürth?

Hack: Ganz einfach: Ich halte unseren Klub nach wie vor für die schwierigste Aufgabe im deutschen Profifußball überhaupt! Wir gehören zu den Vereinen mit den niedrigsten Zuschauereinnahmen, Fürth ist mit gut 120 000 Einwohnern einer der kleinsten Liga-Standorte. Unter diesen Voraussetzungen sportliche Kontinuität und wirtschaftliche Solidität zu wahren, dazu braucht es viel Arbeit. Klar, wer einmal in der Bundesliga war, der will da wieder hin, das ist doch ganz normal. Aber unser Ziel kann nur sein, dass wir aus den bestehenden Möglichkeiten das Beste machen. Vielleicht kommt wieder eine Situation, in der wir den Sprung schaffen können. Aber die Wahrscheinlichkeit war schon höher als in dieser Saison. An Stuttgart und Hannover führt in meinen Augen kaum ein Weg vorbei.

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