1860 kassiert Niederlage beim VfB

Löwen kämpfen tapfer - Eichin schimpft über Fehlentscheidung

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Schwäbisches Teamwork – zu Lasten der Löwen: Timo Baumgartl und Simon Terodde stauben gemeinsam zum Stuttgarter 2:0 ab.

Stuttgart - Mit sechs Neuen im Team schlagen sich die Löwen in Stuttgart wacker. Kosta Runjaic atmet auf - auch wenn wieder nichts Zählbares raus springt.

Am Ende gab es zwar wieder keine Punkte für die Delegation des TSV 1860, doch die Szenerie in der einen Ecke des VfB-Stadions hatte etwas von Aufbruchstimmung. Fans applaudierten, Spieler applaudierten zurück. Einen so couragierten Auftritt hatten nicht viele den Löwen zugetraut, und dass am Ende mehr über das nicht gegebene 2:2 in der Nachspielzeit debattiert wurde als über den in die Kritik geratenen Trainer, sagte doch einiges aus. „Es tut mir unheimlich leid, dass wir für unseren Aufwand nicht belohnt wurden“, sagte Kosta Runjaic, der wohl im Amt bleiben darf. Angesprochen auf das späte Tor von Nico Karger, das (90.+1) zu Unrecht keine Anerkennung fand, fügte der Coach hinzu: „Wir sind vom Glück nicht gerade verfolgt zurzeit – und dann kommt auch noch Pech dazu.“

Sechs Neue hatte Runjaic in sein vermeintliches Endspiel geschickt, darunter erstmals auch Florian Neuhaus (19), letzte Saison noch bei den A-Junioren, aber immerhin schon mit einer Tor-des-Monats-Medaille dekoriert (Mai). Mutig, mutig, doch Mehrheitseigner Hasan Ismaik hatte ja frisches Blut gefordert („Nur noch Spieler, die sich 100 Prozent mit 1860 identifizieren“) – und es stand ja auch einiges auf dem Spiel für den Löwen-Trainer.

VfB ging früh mit 2:0 in Führung

Das neu zusammengestellte Team ging mit der üblichen Motivationsgestik ins Spiel: Teamkreis, zu den Fans laufen, hochhüpfen. Doch kaum waren 20 Minuten gespielt, da schien die Partei bereits vorzeitig entschieden zu sein. Der VfB hatte leichtes Spiel gegen die unsortiert und teilweise überfordert wirkende 1860-Defensive. Die Folge waren zwei frühe Treffer, die erneut aus „saudummen Fehlern“ resultierten, wie Sportchef Thomas Eichin kritisierte. Vor dem 0:1 ließ sich Daylon Claasen wie ein Schulbub ausspielen, der 18-jährige Özcan narrte dann den wegrutschenden Rodnei, ehe er gekonnt einschoss. Beim 0:2 zeigte sich, dass der VfB auch gedanklich flinker unterwegs war: Ecke Özcan, Kopfball Gentner, Jan Zimmermann pariert noch gut, ist aber machtlos, als Timo Baumgartl und Simon Terodde gemeinsam zum 2:0 abstauben.

Löwen verlieren auch gegen den VfB: Ein Fünfer, sieben Vierer

Die neuen Löwen? Sie ließen sich nur kurz hängen. „Rückstände sind wir ja inzwischen gewohnt“, sagte Kapitän Jan Mauersberger mit gequältem Blick. Überraschende Folge: Eine leichte Feldüberlegenheit der Löwen bis zur Pause. Bedingt auch dadurch, dass Levent Aycicek einen von vielen Freistößen direkt versenkte (35.). Ausgerechnet Aycicek: Einer, der diesmal Runjaic’ Hoffnungen trug, ist fünf Tage zuvor noch ein Tribünenhocker gewesen. Aber: „Wir haben vor dem Spiel gesagt: Wir wollen alles aus uns rausholen. Ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen“, sagte der Bremer.

Der junge Neuhaus zeigte ein paar technische Finessen, Romuald Lacazette gierte nach jedem Zweikampf. Die größte Show aus 1860-Sicht war aber der blitzschnelle Andrade. Teilweise nahm er es mit drei, vier Stuttgartern gleichzeitig auf. Wie fast immer musste der Brasilianer auch einiges einstecken. Aber: Er hatte sein heißblütiges Temperament im Griff. Wie schon gegen Düsseldorf ging er ohne Gelbe Karte aus der Partie. „Er ist ’ne richtige Waffe“, schwärmte Eichin: „Aber das wussten wir ja.“

Aycicek: „Du reißt dir den A**** auf – und dann sowas.“

Andrade war auch der einzige, der in der zweiten Halbzeit noch die ein oder andere Offensivaktion initiierte, ansonsten wurde es eine einseitige Partie, die vor allem von der Spannung lebte. Allerdings: Das auf dem Papier achtbare 1:2 geriet noch einige Male ins Wanken. Carlos Mané vergab klarste Chancen (74., 78.), eine sorgte für Gelächter auf der Tribüne. In der 72. Minute verzog erst Terodde aus spitzem Winkel, Mané von der gegenüber liegenden Seite traf das leere Tor aber genauso wenig. Zum Schluss hatten dann die Löwen richtig Pech. Der eingewechselte Karger traf ins Tor, doch die Fahne des Linienrichters war bereits bei Mölders’ Kopfball nach oben geschnellt. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. „Es war kein Foul, kein Abseits, nicht mal knapp“, schimpfte Eichin: „Normal wäre das so ein Spiel gewesen, wo du am Ende sogar noch einen Punkt mitnimmst.“ Aycicek haderte: „Du reißt dir 90 Minuten den Arsch auf – und dann sowas.“

Es blieb beim knappen Ergebnis, die Löwen hatten sich wacker geschlagen, doch Entspannung ist weiterhin nicht angesagt: „Mit acht Punkten, die wir haben, sind wir nicht zufrieden“, sagte Eichin: „Deshalb stehen wir zurecht da, wo wir stehen – und werden auch zurecht kritisiert.“ Die Stimmen zum Spiel finden Sie hier.

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