"Er kann eine Waffe für uns sein"

Nach Dribbelshow: Andrade jetzt schon ein Löwen-Liebling

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Wehe, er nimmt Fahrt auf: Als Einwechselspieler gegen den Karlsruher SC deutete Victor Andrade seine Qualitäten an. Die auffälligste ist eine beeindruckende Schnelligkeit.

München – 1860-Trainer Runjaic ließ den Brasilianer Victor Andrade im DFB-Pokal gegen den KSC über 20 Minuten los – das Ergebnis war eine viel bejubelte Dribbelshow.

Zum zweiten Mal binnen acht Tagen zeigte Stefan Aigner, dass er nicht ohne Grund als „Herzenslöwe“ bezeichnet wird. Siegtorschütze gegen Bielefeld, Pokalheld gegen Karlsruhe (Tor zum 1:0, Vorarbeit zum 2:1), Geburtstag hatte er auch noch – jede Menge Gründe also, seine Heimkehr zu begießen. Aigner, 29, entschied sich für die bayerisch-bodenständige Art: Er lud die Teamkollegen zum Weißwurstfrühstück ein.

Auch die Trophäe für den „Man of the match“ hatte der Kapitän standesgemäß mit nach Hause genommen – obwohl es mit Offensivkollege Karim Matmour (Tor zum 2:1, Vorarbeit zum 1:0), und Jan Zimmermann (mehrere Klasseparaden) zwei weitere Anwärter gegeben hätte. Und noch einer hatte sich am Samstag auf ganz besondere Weise hervorgetan: Turbodribbler Victor Andrade, 20.

Der pfeilschnelle Brasilianer war ein Kandidat für den inoffiziellen Ehrentitel: „Entdeckung des Spiels“. Mitreißende Vorstöße, Beinahe-Tor nach einem Flankenlauf – das Publikum jauchzte jedes Mal vor Verzückung, wenn der Gute-Laune-Kicker bei seinem 20-Minuten-Einsatz auch nur annähernd in die Nähe des Balles kam.

Kosta Runjaic, der in der Liga bislang auf Andrade verzichtet hatte, sah sich prompt veranlasst, den Ball ein wenig flach zu halten. „Victor ist jemand, der da vorne auf jeden Fall Schwung mitbringt. Er hat unheimlich Speed und kann eine Waffe für uns sein“, lobte er einerseits. Andererseits vergaß der Trainer seinen pädagogischen Auftrag nicht – und erinnerte daran, dass die Sozialisierung des Südamerikaners noch lange nicht abgeschlossen ist: „Ich glaube, man hat auch gesehen, dass er im taktischen Bereich dazulernen muss.“ An den Laufwegen in der eigenen Spielhälfte hat Andrade erkennbar weniger Freude.

Eines aber hat er bereits verinnerlicht: Fußball in Deutschland kann auch mal wehtun; das muss man dann einfach aushalten. Als Andrade Sekunden nach seiner Einwechslung gleich mal rüde von den Beinen gegrätscht wurde, krümmte er sich vor Schmerzen, behielt seinen Frust aber für sich. Sollte Kalkül hinter dem harten Einsteigen von Diamantakos gegen Andrade gesteckt haben (die Liga ist schließlich gläsern), so ist die Provokation ins Leere gelaufen. So gesehen hat auch Rodnei bereits einen wertvollen Beitrag geleistet. Andrades Zimmerpartner, Spitzname „Papa“, hatte schon vor Wochen gelobt, seinem heißblütigen Landsmann den Hang zur Hitzköpfigkeit austreiben zu wollen.

Eine 1 und zwei 2er: Last-Minute-Löwen sind weiter

Wie hatte Kai Bülow vor Wochen geunkt, als er auf seinen zur Selbstjustiz neigenden Kollegen angesprochen wurde? „Andrade muss noch viel lernen, wenn er mehrere Spiele über 90 Minuten machen will.“ Der Anfang ist jetzt gemacht. 20 Minuten waren es gegen Karlsruhe, Andrade kam sogar ohne Gelbe Karte aus. Man wird ihn wohl bald wiedersehen. Nach dem Appetitanreger am Samstag wird das Publikum schon dafür sorgen, dass der Turbodribbler auf seine Einsatzzeiten kommt.

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