Kosta Runjaic unter Druck

Wer ist gerade Löwen-Trainer? Ein zeitloser Gag

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Kosta Runjaic steht unter Druck.

München - In einem Tatort von 1985 wird ein Witz über die Löwen gemacht - wie sich über die Jahre herausgestellt hat, ein ziemlich zeitloser. Trainer Kosta Runjaic steht jedenfalls unter Druck - und erhält Tipps von Ex-Coach Reiner Maurer.

In dieser Woche wurde im Fernsehen ein Münchner Tatort aus dem Jahr 1985 mit Helmut Fischer als Hauptkommissar wiederholt. Das Ganze spielt im Zeitungsmilieu und eine Szene zeigt eine Redaktionskonferenz, in der es in erster Linie um einen aktuellen Mordfall geht. Nebenbei fragt der Chefredakteur auch den Kollegen vom Sport: „Sie, sagen Sie mal, wer ist eigentlich in dieser Woche Trainer beim TSV 1860?“ 31 Jahre ist das her. Trotzdem ein zeitloser Gag. Derzeit allerdings müsste man die Frage etwas differenzieren, nämlich: Wer ist eigentlich nächste Woche Trainer bei 1860?

Kosta Runjaic voraussichtlich nicht mehr, wenn das Heimspiel am Montagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern auch wieder in die Hose geht. Ein Druck, mit dem er schon seit einigen Spieltagen lebt. Der 6:2-Sieg vor drei Wochen gegen Aue hat Runjaic erst mal den Kopf gerettet, die demoralisierende 2:3-Pleite zuletzt in Sandhausen ihn wieder in die Schusslinie befördert. Keine Überraschung nach nur elf Punkten aus zwölf Spielen.

Einer, der das schwierige Dasein als Löwentrainer aus dem Effeff kennt, ist Reiner Maurer (56). Immer noch der punktbeste Coach an der Grünwalder Straße seit dem Abstieg 2004. Zweimal stand Maurer unter Vertrag, 2006 wurde er als Fünfter mit 29 Punkten nach 18 Spieltagen entlassen, 2012 als Achter mit 20 Punkten nach zwölf Spieltagen. Also fast doppelt so viele Zähler wie Runjaic zum gleichen Zeitpunkt.

Trotzdem stand auch Maurer fast immer unter Druck. „Das ist so, wenn du bei Sechzig Trainer bist“, sagt er, „aber du darfst dich davon nicht zermürben lassen. Wenn du bei diesem Verein unterschreibst, musst du wissen, dass du der Allererste in der Schusslinie bist.“

Wie sieht der ideale Löwen-Trainer aus?

Wichtig sei auch, dass man sich mit den Umständen arrangiere, so Maurer: „Es gibt fünf Zeitungen in München, davon drei Boulevardblätter, damit musst du als Trainer zurechtkommen. Ich habe jeden Tag den gesamten Pressespiegel gelesen, aber nicht wegen mir, sondern wegen der Spieler. Ich wollte wissen, ob der eine oder der andere in der Zeitung als König oder als Depp hingestellt wurde, um mit ihm im Training richtig umzugehen und seine Befindlichkeit einschätzen zu können.“

Sein eigenes Schicksal habe ihn allerdings nie ins Grübeln kommen lassen, sagt Maurer: „Das darfst du gar nicht an dich rankommen lassen, weil es dir persönlich nicht guttut. Wenn ich mir vor einem Spiel die Frage stelle, ob ich jetzt unbedingt gewinnen muss, fände ich das total blöd.“

Er habe ohnehin immer einiges zu schlucken gehabt. „Da war der Einfluss, den die Berater unzufriedener Spieler genommen haben“, verrät er, „Aber auch über dumme Sprüche aus der Geschäftsstelle habe ich mich aufgeregt. Wenn es zum Beispiel vor einem Spiel gegen einen vermeintlich schwachen Gegner hieß: Die musst du jetzt aber schon 5:0 schlagen. Wir sind schließlich Sechzig. So etwas würden sie nicht mal beim FC Bayern oder Borussia Dortmund fordern.“

Gerüchte um Okotie

Wie also sieht der ideale Löwentrainer aus? Maurer: „Er muss viel Autorität haben und eine Respektsperson sein sowie den Gegebenheiten bei 1860 klarkommen. Und du musst sofort Erfolg haben. Deshalb würde es auch ein Nagelsmann schwer haben und ein Weinzierl nicht funktionieren.“

Runjaic würde Maurer noch mindestens bis zur Winterpause arbeiten lassen.

Apropos Winterpause: Der TSV 1860 soll an einer Rückkehr von Rubin Okotie (derzeit in Peking) und Innenverteidiger Thomas Meiss­ner (Den Haag) interessiert sein. Innenverteidiger Meissner stammt aus dem Nachwuchs der Löwen. 

Wittek offenbar im Visier eines Löwen-Kontrahenten

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