Olic ist nicht der Einzige mit einem Ausfall

Experte erklärt: Vielen Sport-Stars fehlt Unrechtsbewusstsein

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Maria Scharapowa und Marco Reus kamen auch schon mit dem (Sport-)Gesetz in Konflikt.

München - War sich Ivica Olic eines Unrechts bewusst, als er auf Spiele wettete? Es gibt viele Beispiele bei Sportlern, die ähnliche Fehler begingen.

War (oder ist) Ivica Olic dumm? Gar dreist? Oder ist der der Löwen-Stürmer trotz seiner immerhin schon 37 Lebensjahre immer noch so blauäugig, seine Kreditkarte aus der Hand zu geben, ohne genau zu wissen, was damit angestellt wird? Klar ist: Die aufgeflogene Wetterei auf Zweitliga­spiele wird den ehemaligen kroatischen Nationalspieler und Bayern-Star nicht nur eine Stange Geld kosten, sie stellt auch sein Image als Musterprofi infrage.

„Ich habe mich mit Freunden an Kombi-Wetten beteiligt, indem ich ihnen meine Kreditkarte zur Verfügung gestellt habe“, musste Olic am Mittwoch öffentlich einräumen. „Es ging dabei auch nicht um größere Geldbeträge, sondern lediglich um Spaß. Es tut mir sehr leid, was passiert ist. Es war mir in diesem Moment einfach nicht bewusst.“

Eine unbewusste Grenzverletzung also. Und ein Novum. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein Spieler vom DFB für einen Verstoß gegen das 2005 nach dem Hoyzer-Skandal beschlossene Wettverbot bestraft wird. „Wir müssen die Integrität des Wettbewerbs wahren“, sagte DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch gestern zur tz. „Dieser Fall ist ein guter Anlass, um einmal wieder darauf hinzuweisen.“

Was in Olic’ Hirn vorgegangen sein mag?

„Ich würde hier nicht von Dummheit sprechen oder unterstellen, dass hier jemand seinen Vertrag nicht gelesen hat“, sagt Prof. Dr. Jens Kleinert. Der Leiter des Psychologischen Instituts der Deutschen Sporthochschule in Köln erläutert gegenüber der tz: „Es geht vielmehr darum, in welchem sozialen Umfeld man sich aufhält. Wenn diese Dinge dort akzeptiert sind, also im Fall Olic das Wetten auf Fußballspiele, dann entwickelt sich schnell ein eigenes Rechtsbewusstsein, das nicht mehr unbedingt damit konform geht, was gesellschaftlich oder beruflich akzeptiert ist.“

Beispiel Marco Reus. Der Nationalspieler hatte 2014 wegen Fahrens ohne Schein in sechs Fällen einen Strafbefehl über 540 000 Euro erhalten. Dazu gab’s eine Geldstrafe seines Arbeitgebers Borussia Dortmund. Die Gründe, warum er jahrelang ohne Fahrerlaubnis durch die Landschaft gedüst sei, könne er „heute selbst nicht mehr nachvollziehen“, sagte Reus im Dezember 2014, als die Geschichte aufgeflogen war. Inzwischen hat er den Führerschein gemacht.

„Doping“, sagt Kleinert, „ist ein weiteres Bespiel, wo die Erwischten bedingt durch ihr Umfeld oft gar kein schlechtes Gewissen mehr haben. Die Wahrnehmungswelten entkoppeln sich.“ Beispiele gibt es genug. Von Maria Scharapowa über Jan Ullrich bis hin zu Marion Jones, die zwischen dem 7. März und dem 5. September 2008 sogar eine Haftstrafe absitzen musste.

Für Olic sind’s zum Glück nur zwei Spiele Sperre, die er wegen seines überlasteten Knies ohnehin verpasst hätte.

lk

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