Hausverbot aufgehoben, jedoch weiterhin keine Interviews

Wie reagieren die 1860-Sponsoren auf den Medienboykott?

München - Auch Partner und Sponsoren des TSV 1860 sind vom Medienboykott des Vereins betroffen. Welche Auswirkungen könnte die aktuelle Haltung auf deren Engagement bei Sechzig haben?

Der Medienboykott und das anschließende Hausverbot für Journalisten seitens des TSV 1860 hat nicht nur in München für Schlagzeilen gesorgt, sondern bundesweit Aufsehen erregt. Während der TV-Sender Sport1 bereits Konsequenzen zog und beim 1:2 in Braunschweig auf Interviews mit Löwen-Protagonisten verzichtete (für diese muss jeder Verein zur Verfügung stehen), sind Merkur.de und tz.de gegen einen Gegen-Boykott.

Klassische Interview-Situation auf dem 1860-Trainingsgelände vor der Sponsorenwand. Durch den aktuellen Medienboykott sind diese derzeit nicht möglich.

Die Folgen dieser kontroversen Maßnahmen der Löwen sind weitreichend. Neben gravierender Auswirkungen auf das Image des Vereins selbst, sind aber noch weitere Parteien davon betroffen. Nicht nur die Fans, die derzeit nur noch gefilterte Informationen des Vereins erhalten (jedes Unternehmen berichtet ausschließlich in positiven Tönen von sich), sondern auch und vor allem die Sponsoren des TSV 1860. Mittlerweile hat der Verein das Hausverbot für die Presse zwar wieder aufgehoben, doch diese zwischenzeitliche Maßnahme dürfte wohl den wenigsten Sponsoren und Partner gefallen haben. Dadurch, dass weder Journalisten, noch Fotografen oder Kamerateams das Gelände an der Grünwalder Straße betreten durften, ging den Partnern der Löwen ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung verloren, die ihnen durch ihr Engagement eigentlich vertraglich zugesichert worden sind. Interviews vor den Sponsorenwänden sind schließlich weiterhin nicht möglich.

Medienboykott: Das sagen die Partner des TSV 1860

Wie reagieren diese auf den Medienboykott? Wir haben uns bei einigen der 1860-Partnern umgehört:

Die Bayerische ist seit dieser Spielzeit Hauptsponsor von Sechzig, ihr markantes Löwen-Logo prangt auf Trikot, Werbebanden und Sponsorentafeln. Einen Tag vor dem Beginn des Medienboykotts postete das Unternehmen noch folgende Stellungnahme auf Facebook: „Wir stehen zu dem Verein, den Gesellschaftern der KGaA und den handelnden Personen (…). Dabei geht es nicht nur um wichtigen sportlichen Erfolg. Es geht auch darum, die Werte der Löwen aktiv zu leben: trotzig für die eigene Sache zu kämpfen, sich niemals geschlagen zu geben.“ Allerdings fanden nach dem Aussperren der Presse und der Aufhebung der Maßnahme, noch keine Gespräche von Vertretern der Bayerischen mit dem Verein statt. Entsprechend gibt es noch keine Reaktion des Unternehmens.

Die Brauerei Hacker-Pschorr ist seit dem Abstieg 2004 Partner der Löwen, will sich aber zur aktuellen Lage ebenfalls nicht äußern: „Als Sponsor kommentieren wir Entscheidungen und Vorgänge im Verein grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit.“ Auch die Stadtsparkasse München hält sich zurück: „Dies ist eine Angelegenheit des Vereins, die wir als Sponsor nicht kommentieren.“

Bei der Firma Linster Edelstahlhandel sieht man die aktuellen Geschehnisse bei Sechzig entspannt. Geschäftsführer Alexander Linster sagte zu unserer Onlineredaktion: „Wir maßen uns da kein Urteil an. Wir gehen davon aus, dass die Vereinsführung die richtigen Schritte und Maßnahmen ergreift. Wir vertrauen ihnen.“

Logoenergie, das hinter der angebotenen „SechzgerEnergie“ steckt, will sich zwar nicht dezidiert zur aktuellen Lage äußern, gibt aber zu: „Wir sind im Gespräch mit dem Verein.“ Ebenso wie der Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN: „Als Partnerunternehmen verfolgen wir die aktuellen Entwicklungen beim TSV 1860 München selbstverständlich genau und stehen dazu auch regelmäßig in engem Kontakt mit dem Verein.“

Medienboykott: Kritik eines ehemaligen 1860-Sponsors

Ein ehemaliges Mitglied des 1860-Sponsorenkreises sagte auf tz-Nachfrage: „Den Sponsoren geht durch den Medienboykott ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung verloren, für die sie letztendlich zahlen. Wenn ich noch Sponsor wäre, würde ich vorsorglich eine Änderungskündigung aussprechen. Oder: Ich würde 1860 öffentlich auffordern, den vertraglichen Pflichten nachzukommen.“

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Rubriklistenbild: © MIS

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