Der neue alte Zeugwart

Löwen-Talisman Fendt: "Klar, dass ich helfe"

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Lass dich knuddeln: Wolfgang Fendt ist zurück bei den Löwen!

München - Er ist zurück bei den Blauen! Wolfgang Fendt hat seinen Job als Zeugwart an der Grünwalder wieder aufgenommen. Die gute Seele des Klubs avanciert zum Glücksbringer.

Daniel Bierofka gilt schon jetzt als Glücksbringer für den TSV 1860. Der 37-Jährige hat als Trainer bisher ganz saubere Arbeit geleistet mit den zwei Siegen in seinen ersten beiden Spielen. Aber er ist beileibe nicht der einzige Talisman, den sich die Löwen im Abstiegskampf gekrallt haben. Fast gleichzeitig mit ­Bierofka kehrte nämlich auch Wolfgang Fendt als Zeugwart an die Grünwalder Straße zurück. Und seitdem er wieder die Dressen akkurat gefaltet in der Kabine zurechtlegt, sind daraus auch wieder Siegertrikots geworden.

Fendts Comeback kam deshalb zustande, weil sich der TSV 1860 im April von dessen Vorgänger und Nachfolger Sigi Gschwendtner getrennt hatte. "Als ich den Anruf von Geschäftsführer Rejek bekommen habe, ob ich kurzfristig noch mal einspringe, gab es nichts zu überlegen", sagt er. "Klar, dass ich das mache." Seit 1999 stand der 63-Jährige in Diensten von 1860, zunächst als Busfahrer, danach viele Jahre als Zeugwart. Im Juni 2015 verabschiedete sich Fendt in den Ruhestand.

Fendt hilft Flüchtlingen

Aber was heißt Ruhestand? Nachdem auch sein Heimatort Altenmünster, das liegt im Schwäbischen, mit der Flüchtlingsproblematik im vergangenen Sommer konfrontiert wurde, stand Fendt sofort bereit, um diesen Leuten zu helfen. Er fuhr sie im Bus nach München und Augsburg zu Behörden, einmal ging's sogar bis nach Berlin. Alles ehrenamtlich, ohne Bezahlung.

Und es gab ergreifende Erlebnisse. Fendt: "Bei uns sind nur Syrer, und die sind sehr gastfreundlich. Einmal war ich bei einem zum Essen eingeladen, und im Lauf des Abends erhielt er den Anruf, dass sein Bruder in Syrien erschossen wurde. Andersrum habe ich es aber auch erlebt. Nämlich als jemand beim Essen die Nachricht erhielt, dass seine zwei Jahre vermisst gewesene Frau jetzt in Sicherheit ist. Bizarr, war diese Szene, als sich ein schon älterer Mann aus Syrien, der mich in meinem Garten besuchte, voller Angst auf den Boden warf, als ein Flugzeug über unser Haus düste."

Erlebnisse, die den Fußball in den Hintergrund treten lassen. Der aber für Fendt jetzt auch wieder eine angenehme Abwechslung ist: "Als ich kam, dachte ich, mehr als die Relegation ist nicht mehr drin. Aber jetzt bin ich ganz sicher, dass wir den Klassenerhalt schon am Sonntag schaffen."

Claudius Mayer

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