Ein zweites starkes Standbein

Auch ohne ganz große Karriere: So profitiert Ex-Löwe Burkard vom Fußball

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Die Lücken auf den Werbebanden schließen: Auch das gehört zu den Aufgaben von Christoph Burkhard.

SV Wacker Burghausen - Wer viel in den Fußball investiert, die ganz große Karriere aber verpasst, kann trotzdem viel profitieren. Mehrere Amateurklubs bieten ihren Spielern auch interessante berufliche Perspektiven, so zum Beispiel Wacker Burghausen dem früheren Löwen Christoph Burkhard.

Fußball, immer nur Fußball. Von Anfang an, sagt Christoph Burkhard, „war ich darauf fixiert“. Der großen Karriere schien auch wenig im Weg zu stehen, Burkhard, in der Nähe von Aichach aufgewachsen, wurde mit 15 aus Augsburg zum TSV 1860 nach München geholt, er hat mit den heutigen Bundesliga-Profis Daniel Baier und Marcel Schäfer gespielt, mit der A-Jugend das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft erreicht, Burkhard war eine feste Größe. Mit den Amateuren dann der Aufstieg in die Regionalliga, mit 21 der Sprung zu den Profis, unter Walter Schachner 14 Einsätze in der 2. Liga, Auftritte vor mehr als 30 000 Fans in der Allianz Arena, „ein absoluter Traum“, die Tür stand für ihn weit offen.

Braucht man da noch einen Plan B? In der Jugend bei 1860 wird Wert darauf gelegt, dass die Jungs einen Schulabschluss machen und/oder eine Ausbildung. Burkhard hat eine Schreiner-Lehre absolviert, ist morgens um sieben aus dem Haus, nach der Arbeit ins Training. „Mein Arbeitgeber war kulant, ich musste mich da aber schon durchbeißen“, sagt er heute. Auch wenn er natürlich nie ernsthaft damit gerechnet hat, später sein Geld als Schreiner verdienen zu müssen. Bundesliga-Profi, das war der Traum, das war das Ziel.

Schachner-Nachfolger Kurz schickt Burkhard zur Reserve

Dafür aber braucht man auch Glück, viel Glück. Als Schachner bei 1860 gefeuert wurde, kam Marco Kurz. Und der hielt nicht mehr ganz so viel vom quirligen Mittelfeldspieler Christoph Burkhard. „In diesem Job hängt auch viel an den Trainern“, der eine steht auf dich, der andere nicht. Für Burkhard ging es zurück zu den Amateuren, „vom Kopf her war das schwierig, wenn du schon mal oben warst“, selbstkritisch sagt er, er sei dann auch einfach nicht mehr so gut gewesen. 2009 wurde sein Vertrag nicht verlängert. Und Burkhard stand am Scheideweg seiner Karriere.

Wacker Burghausen, damals noch Zweitligist, wollte ihn schon 2006 haben, „nun blieb es schließlich die einzige Option“ für ihn. Burkhard sah den Wechsel nicht als Ende aller Profi-Träume, sondern als neuen Versuch, über die 3. Liga doch noch ganz nach oben zu kommen. Nach kurzem Anlauf entwickelte er sich zwar zu einem Führungsspieler, nach fünf Jahren aber dann der Abstieg in die Regionalliga. Und die Frage: Was nun? „Es gab Angebote, mit 29 aber wird es schon schwierig.“ Burkhard war inzwischen verheiratet mit einer Münchnerin, zu weit weg wollte er nicht mehr. Und war „eigentlich ganz zufrieden mit dem Verein“.

Wacker eröffnet Perspektive

Der hat ihm dann einen interessanten Deal angeboten: Burkhard, inzwischen Kapitän der Mannschaft, sollte bleiben und neben seinem Engagement als Fußballer zweigleisig fahren. Als Mitarbeiter in der Marketing-Abteilung. Möglich gewesen wäre auch eine Ausbildung beim Namensgeber des Vereins, der Firma Wacker Chemie, die aber wäre nur schwer mit den fußballerischen Ambitionen vereinbar gewesen. Thomas Leberfinger, ein damaliger Mannschaftskollege, hat aus diesem Grund Burghausen verlassen und ist nach Buchbach gewechselt. Dort wird, im Gegensatz zum SV Wacker, nicht schon tagsüber trainiert. Und Leberfinger, damals 24, war die solide Ausbildung in der Firma wichtiger.

Es gibt mehrere höherklassige Amateurklubs, die ihren Spielern neben dem Fußball berufliche Perspektiven eröffnen. Auch der TSV Buchbach tut das, bei der SpVgg Unterhaching zum Beispiel macht das Nachwuchstalent Orestis Kiomourtzoglou eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann bei Frank Thömmes, dem Leiter des Hachinger Nachwuchsleistungszentrums. Oft werden spezielle Vereinbarungen getroffen, um den Fußballern die nötigen Freiräume für regelmäßiges Training zu schaffen.

Mehr als nur ein Nebenjob

Bei Christoph Burkhard funktioniert das nun perfekt. Sein Büro in der Geschäftsstelle ist direkt auf dem Sport- und Trainingsgelände, den ganzen Tag verbringt er nun hier, entweder beim Fußball oder mit Sponsorenakquise, Vorbereitung von Sponsoren-events und Kontaktpflege zu bestehenden und potenziellen Geldgebern. „Ich bin dem Verein dankbar, dass er mir diese Möglichkeit geboten hat.“ Für ihn ist es mehr als ein Nebenjob, es zeigt ihm eine interessante Perspektive für die Zeit nach der sportlichen Karriere, an die er im Moment aber noch nicht denken will: „Noch bin ich zu sehr Fußballer, noch habe ich Ziele.“ Zu gerne würde er mit dem SV Wacker nochmal in die 3. Liga aufsteigen, „der Verein, das Stadion, das Umfeld sind eigentlich prädestiniert für Profifußball.“

Burkhard fehlt derzeit seinem Verein, der recht holprig in die Saison gestartet ist. Ein Innenbandriss hat ihn schon nach vier Spieltagen außer Gefecht gesetzt, nun quält er sich in der Reha, um möglichst bald wieder als Kapitän und Spezialist für die Standards der Mannschaft helfen zu können. Seine Freistöße und Ecken sind gefürchtet in der Liga, „natürlich übt man das. Aber richtig erfolgreich bin ich damit erst in den letzten Jahren“.

Fußball bleibt sein Leben

Inzwischen ist er 31, die große Karriere, das ist ihm klar, wird er als Spieler nicht mehr machen können. Der Fußball aber ist sein Leben, soll es auch bleiben, wenn er mal nicht mehr auf dem Platz steht. Zu viel hat er schon investiert, zu sehr hat ihn dieses Spiel gepackt, als dass er sich irgendwann einmal würde abwenden können. Er hat viele Trainer erlebt, in der A-Jugend bei Sechzig den heutigen BFV-Coach Hartmut Herold, bei den Amateuren Reiner Maurer und Alfons Higl, dann Walter Schachner und Marco Kurz, in Burghausen Jürgen Press, Mario Basler, Rudi Bommer und nun Uwe Wolf, den er schon von den Löwen kannte. Trainer, ja, das wäre vielleicht auch eine Option. Oder bleibt er im Marketing? Zumindest ist das eine Option.

Fußball, immer nur Fußball. Er bereut es nicht, sich darauf fixiert zu haben. Auch wenn es mit der großen Bundesliga-Karriere, die seine früheren Mitspieler Schäfer und Baier hingelegt haben, nichts geworden ist, er ist dem Fußball dankbar: „Er hat mir so viele Perspektiven eröffnet, ich habe so viele Menschen kennengelernt.“ Es sind Kontakte, die ihm helfen werden, auch nach der aktiven Laufbahn eine spannende Aufgabe in diesem Metier zu finden.

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch im Münchner Merkur. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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