Abteilungsleitung im Interview

BCF-Boss Fleischer: "Als Vorstand bist du immer der Depp"

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In der Kritik: Wolfratshausens Abteilungsleiter Manfred Fleischer (l.) und sein Stellvertreter Helmut Forster.

BCF Wolfratshausen - Es war ein Beben, das letzte Woche den BCF erschütterte: Der Tabellenletzte der Bayernliga verlor seine gesamte sportliche Leitung, nun soll Marco Stier retten, was zu retten ist. In der Kritik steht die Abteilungsleitung mit Manfred Fleischer und Helmut Forster. Zu Recht?

Manfred Fleischer, Helmut Forster, seit letzter Woche ist der BCF Wolfratshausen nicht mehr was er war. Waren Sie selbst  überrascht von den weitreichenden Folgen Ihres Eingreifens?

Fleischer: Vor allem der Rücktritt von Hilde und Manuel Kluge, die sich so lange im Verein engagiert haben, tut schon weh, das war nicht unser Ziel. Bei einem derart desaströsen Saisonstart aber mussten wir eingreifen, sonst hauen wir den Bock nicht mehr um. Es ging nicht mehr darum, ein Zeichen zu setzen, nach null Punkten aus sieben Spielen mussten wir uns mit aller Macht aufbäumen.

Indem Sie Trainer Patrik Peltram Onur Misirlioglu aufs Auge drückten, der sich nach dem ersten Spieltag aus Ärger über seine Nichtberücksichtigung zurückgezogen hatte.

Fleischer: Es hat uns schon sehr beschäftigt, dass ein Spieler, der über Jahre immer eine hundertprozentige Stütze gewesen ist und uns noch im Sommer vor dem Abstieg gerettet hat, plötzlich hinschmeißt. Da er aber weiter treu zum Verein stand, ist der Kontakt nicht abgerissen. Und wir waren der Meinung, er könne uns in dieser prekären Situation helfen.

Forster: Zumal wir nur drei Innenverteidiger haben, die Bayernliga spielen können. Da kann man einen Misirlioglu nicht einfach links liegen lassen.

Haben Sie nur die Rückkehr in den Kader gefordert oder eine Einsatzgarantie?

Fleischer: Normal greift der Vorstand nicht ins operative Geschäft ein, wir waren aber einstimmig der Meinung, Onur sollte spielen. Das haben wir dem Trainerteam mitgeteilt. Wir glauben, der Vorstand hat das Recht, sogar die Pflicht, einzugreifen, wenn er sieht, dass die Tischplatte schief hängt.

Kein Trainer aber lässt sich gerne in die Aufstellung hineinreden. . .

Fleischer: Das verstehe ich, aber wenn er sagt, das mache ich nicht, muss ich ihn nach Alternativen fragen.

Die hieß dann Trennung. Was dann auch Klaus Brand als sportlichen Leiter zum Rücktritt bewog?

Fleischer: Brand forderte mich auf, ihm zu sagen, wenn ich der Meinung bin, dass er zurücktreten solle. Ziel des Gesprächs war für uns, dass sich der Verein, dass sich die Mannschaft aufbäumt, das Resultat schmerzt, ist aber jetzt so.

Das aktuelle Dilemma begann ja schon Ende der letzten Saison, als das Trainerteam Reiner Leitl und Günther Wernthaler drei Spieltage vor Schluss hinwarf. Trotzdem rettete sich die Mannschaft vor dem Abstieg, Sie aber mussten auf die Schnelle einen neuen Coach finden. War Peltram die falsche Wahl?

Fleischer: Nein, wir können Patrik nichts vorwerfen, es war auch sein gutes Recht zu sagen, das mit Onur mache ich nicht.

Co-Trainer Sebastian Pummer hat nun die Mannschaft noch zum ersten Sieg geführt, hört aber jetzt auch auf. Erstmal übernimmt der letztjährige Co-Trainer Günther Wernthaler, ehe Marco Stier aus Aying kommt. Wie konnten Sie dem früheren Profi die Aufgabe schmackhaft machen?

Fleischer: Der BCF ist noch immer eine gute Adresse, wir sind familiär, haben viel vorzuweisen und eine schöne Sportanlage. Aber wir sind auch Realisten, wissen, dass es schwierig wird. Das weiß auch Marco Stier. Super wäre, wir würden den Klassenerhalt direkt schaffen, aber auch wenn es über die Relegation klappt, wäre das ein toller Erfolg. Und wenn nicht: Es gibt ein Leben nach der Bayernliga.

Also Abstieg und Neuaufbau in der Landesliga?

Fleischer: Den Neuaufbau haben wir schon jetzt. Neues Trainerteam, neue sportliche Leitung, natürlich müssen wir im Hinblick auf die nächste Saison zweigleisig planen.

Zumal auch noch einige Spieler wie Kasparek und Kretzinger ihren Abschied angekündigt haben.

Forster: Es ist nicht auszuschließen, dass noch jemand geht. Aber bei unserem Handeln ging es nicht um persönliche Belange, sondern allein um den BCF.

Es bleibt nun aber kaum Zeit, noch Ersatz zu holen. Ende August ist erst mal Schluss.

Fleischer: Die Zeit ist sicher knapp, wir haben auch ein Standortproblem, nicht jeder will eine Stunde Anreise zum Training in Kauf nehmen. Zudem können wir uns auch nur im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten bewegen, da haben andere Vereine einen größeren Spielraum. Wir aber sind schuldenfrei und das muss so bleiben.

Nachbar TuS Geretsried spielt vorwiegend mit eigenen Leuten in der Landesliga, warum soll das in Wolfratshausen nicht gehen?

Fleischer: Geretsried hatte schon länger eine super Jugend, profitiert von der Arbeit von Hannes Salberg. Bei uns liefert die JFG nun nach acht Jahren die ersten Erfolge. Natürlich hätten auch wir gerne mehr Spieler aus der Region, es wäre aber ein Wunder, könnten wir mit Leuten aus einem Umkreis von zehn, 15 Kilometern Bayernliga spielen. Dann hätten die anderen etwas falsch gemacht.

Ist die Bayernliga aus finanzieller Sicht die richtige Liga für Wolfratshausen?

Fleischer: Zwischen Bayernliga und Landesliga ist kein großer Unterschied. Richtig sparen kann man erst in der Bezirksliga, das aber kann nicht unser Ziel sein.

Nach dem Beben in der letzten Woche stehen Sie nun massiv in der Kritik. Sind Sie noch gerne Vorstand?

Fleischer: Es war klar, dass die Sache hohe Wogen schlägt. Aber wir sind abgehärtet, gemeinsam mit Michi Krentscher bilden wir ein super Team. Es macht Spaß, jungen Burschen die Möglichkeit zu geben, in Wolfratshausen Fußball zu spielen, das ist ja auch eine Werbung für den Ort. Als Vorstand aber bist du immer der Depp. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, endlich habt ihr gehandelt.

Forster: Wir hätten vielleicht schon eher handeln müssen, es geht schließlich um den Verein. Ich habe früher selbst für den BCF gespielt, ihm gehört mein Herz.

Reinhard Hübner

Quelle: fussball-vorort.de

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