Von guten Seiten der schlechten Zeiten

Bigalke: Ein schillernder Typ in der Regionalliga

+
Wohlfühloase Unterhaching: Sascha Bigalke spielt nun schon zum dritten Mal für die SpVgg

SpVgg Unterhaching - Wie kommt es, dass Sascha Bigalke nun schon zum dritten Mal Unterhachinger wurde? Zunächst war es Heiko Herrlich, der dem von Verletzungen geplagten Top-Talent hier eine Chance gab.

Inzwischen fühlt sich Bigalke so wohl, dass das dritte Gastspiel zur längerfristigen Sache werden könnte. Ob er an diesem Abend mal bereut hat, ihn damals von Berlin nach Unterhaching gelotst zu haben? Heiko Herrlich, in Regensburg angetreten, den Jahn in die Liga zu führen, für die die schmucke Continental-Arena gebaut wurde, zieht das Positive aus der 1:5-Pokalschmach gegen Haching und ist Bigalke schließlich fast schon dankbar: „Er hat unsere Schwächen aufgedeckt.“ Daran lässt sich nun arbeiten.

Sascha Bigalke, 26, ist aber auch ein Fußballer, auf den die Regensburger zumindest in der Regionalliga nicht so oft treffen. Bigalke ist ein ganz besonderer Spieler, einer, der nicht nur auf dem Platz durch seine Wendigkeit, Technik und Spielintelligenz heraussticht, er ist einer, der auch abseits des Fußballs immer wieder mal auffällt. In Günther Jauchs Quizshow war er ein Kandidat, der mit dem Satz „Wurde mit Köln Fußballmeister“ angekündigt war, mit Stefan Raab hat er ein lustiges Showtraining absolviert und dank seiner Liebe zu GZSZ-Star Nadine Menz schafft er es auch mal in die bunten Blätter.

Wie aber kommt so ein schillernder Typ nach Unterhaching? 

Das hat ursächlich mit Heiko Herrlich zu tun. Als Herrlich 2011 Trainer bei der SpVgg war, hat er sich an einen jungen Fußballer erinnert, mit dem er als DFB-Coach vier Jahre zuvor Platz drei bei der U17-WM in Südkorea belegt hatte. Bigalke zählte damals neben Toni Kroos zu den deutschen Top-Talenten, daheim in Berlin aber kam er nach dem dritten Mittelfußbruch bei der Hertha einfach nicht zum Zuge. „Und was ich brauchte, waren Spiele, Spiele, Spiele“, sagt Bigalke heute. Also folgte er dem Ruf seines Mentors.

Zwei Kreuzbandrisse später hat Sascha Bigalke nun schon zum dritten Mal in Haching angeheuert. Seit seinem Comeback im Winter hat er in acht Punktspielen sechsmal getroffen, vor allem aber hat er das Spiel weiter belebt. Wie wertvoll er ist, hat er nicht erst beim Pokal in Regensburg bewiesen, praktisch an jedem der fünf Hachinger Treffer war er dort beteiligt. „Es macht Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen“, er fühle sich pudelwohl, sagt er, der Teamspirit sei noch besser als während seiner letzten Gastspiele.

Aber es ist eben „nur“ noch Regionalliga. Wer einst als deutsches Supertalent gefeiert worden war, hat eigentlich höhere Ziele. Bigalke hat für die Hertha UEFA-Pokal gespielt, einmal in der Bundesliga, „in der Startelf gegen Stuttgart, das war mir wichtig“. Nachdem er unter Herrlich eine starke Drittligasaison für Unterhaching gespielt hatte, holte ihn der 1. FC Köln in die zweite Liga. Bigalke absolvierte ein gutes Jahr unter Trainer Holger Stanislawski, im Sommer aber riss das Kreuzband. Er kämpfte sich zurück, als die Kölner dann 2014 den Bundesliga-Aufstieg gegen St. Pauli perfekt machten, wechselte Trainer Peter Stöger Bigalke ein, der bedankte sich mit dem Tor zum 4:0 und genoss die Atmosphäre vor 50 000 Zuschauern, die im RheinEnergie-Stadion Karneval im Sommer feierten. „Das waren große Emotionen“, für Bigalke aber auch der Abschied: Für die Bundesliga plane man nicht mehr mit ihm, wurde ihm gesagt. „Leider viel zu spät, sonst hätte ich mich früher um einen neuen Verein kümmern können.“ Am Ende wurde es wieder Unterhaching, 3. Liga.

Toni Kroos, "Wer wird Millionär" und Stefan Raab

Jetzt könnte er lamentieren, auf Toni Kroos deuten, den einstigen Weggefährten, heute Superstar bei Real Madrid. Hätte er es, hätte nur der Körper mitgespielt, nicht ähnlich weit bringen können? „Der Toni“, sagt Bigalke nüchtern, „ist schon noch eine andere Kategorie, es wäre vermessen, mich mit ihm zu vergleichen.“ Ein bisschen traurig aber mache es ihn schon, wenn er darüber nachdenkt, was hätte werden können. Trotz seiner relativ geringen Körpergröße. Bigalke hat darin nie einen Nachteil gesehen, er hat früh gelernt, sich gegen Größere, gegen Ältere durchsetzen zu müssen. „Da gewinnst du mentale Stärke, Selbstbewusstsein. Das musst du haben, wenn du körperlich unterlegen bist.“ Bigalke war immer rotzfrech, so, wie man sich hier den Berliner vorstellt. Und er ist intelligent, was bei manchen Trainern „nicht immer ein Vorteil für mich war“.

Auf die Idee, sich für „Wer wird Millionär“ zu bewerben, ist er während einer langwierigen Reha gekommen. „Da hatte ich viel Zeit.“ Über zwei, drei Runden hat er es bis in die Auswahl geschafft, die schließlich ins Studio eingeladen wurde. „Schade, dass ich es nicht auf den Stuhl geschafft habe“, dabei hatte er das Gefühl, RTL hätte ihn ganz gern dort gesehen, einen Fußballprofi, der auch was auf dem Kasten hat. „Aber es geht halt schließlich doch mit rechten Dingen zu. Vielleicht versuche ich es nochmal.“ Richtig Spaß hat das Training mit Stefan Raab gemacht, „wir wunderten uns schon, warum wir ins Stadion gingen. Dann kam Raab, er ist ja ein eingefleischter FC-Fan, und wir hatten eineinhalb unterhaltsame und unvergessliche Stunden.“

Ziel: DFB-Pokal

Es sind viele schöne Momente, die der Fußball ihm beschert hat. Dass es noch viel mehr hätten werden können, bei seinem Talent eigentlich müssen, ist für ihn kein großes Thema. Auch wenn der Aufstieg mit Unterhaching in dieser Saison kein Thema mehr ist, Ziele gibt es trotzdem: „Wir werden sicher keine Spiele abschenken, wir wollen uns für nächstes Jahr einspielen, der Großteil der Mannschaft bleibt ja zusammen. Und unser größtes Ziel ist, wieder in den DFB-Pokal zu kommen.“

Ein vielleicht schon entscheidender Schritt wurde in Regensburg getan, nun kommt zum Finale der Drittligist Würzburger Kickers nach Unterhaching. Die Chance ist groß, auch in der kommenden Saison wieder ähnliche Highlights in den Sportpark zaubern zu können wie im Herbst mit den Siegen gegen Ingolstadt und RB Leipzig. Damals noch ohne Bigalke. Ob er nun dabei sein wird? Noch hat er nicht endgültig entschieden, ob er es noch mal weiter oben versucht oder in Haching bleibt, „die Verhandlungen aber sind weit fortgeschritten“, sagt Präsident Manni Schwabl. Bigalke liebt München, braucht als Berliner das Flair der Großstadt, denn Fußball wird zwar auch wegen seines Berufsziels Trainer sein Leben weiter bestimmen, ist aber eben nicht alles.

Auch deshalb ist Unterhaching sicher nicht die schlechteste Option.

FUSSBALL-AMATEURE: Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Text: Reinhard Hübner

Quelle: fussball-vorort.de

auch interessant

Meistgelesen

Schwabl liebäugelt mit zwei Verstärkungen
Schwabl liebäugelt mit zwei Verstärkungen
Schromm gibt Spielern Hausaufgaben für die Winterpause
Schromm gibt Spielern Hausaufgaben für die Winterpause
Karriereende mit 27! Wenningers Körper will nicht mehr
Karriereende mit 27! Wenningers Körper will nicht mehr
Pipinsried holt Manchings Top-Torjäger
Pipinsried holt Manchings Top-Torjäger

Kommentare