Auch wenn's für Heimstetten um nichts mehr geht

Eine Frage des Charakters

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Du zwei, ich zwei: Doppeltorschütze Lukas Riglewski (links) gratuliert Orhan Akkurt zu dessen zweitem Streich.

Der SV Heimstetten verabschiedet sich mit einem feinem Auftritt für diese Saison aus dem heimischen Sportpark – aber nur 80 Zuschauer sehen das 4:1 gegen den TSV Bogen

Heiko Baumgärtner hält es nicht mehr in seiner Coaching Zone. Drei Minuten vor Schluss steht der Trainer näher an der Mittellinie als an der Trainerbank – und unter Hochspannung. Die Kiefer malträtieren einen bemitleidenswerten Kaugummi, die Finger kneten aufeinander, als habe er Anti-Stress-Bälle in den Händen, und der Hals ist nach vorne gereckt wie bei einem Tiger vor dem Sprung. „Defense jetzt Männer!“, bellt Baumgärtner über den Rasen. „Es ist noch nicht vorbei!“ Dieser letzte Satz ist freilich eine Lüge – in doppelter Hinsicht. Denn erstens führt der SVH im Bayernligaspiel gegen den TSV Bogen mit 4:0; nach einem späten Ehrentor der Gäste wird die Partie wenig später mit 4:1 enden. Und zweitens weiß der Coach nur zu genau: Vorbei ist auch das letzte theoretische Fünkchen Aufstiegshoffnung. Schließlich hat Rosenheim schon zur Pause gegen Pullach mit 3:0 geführt – „ja, das habe ich in der Kabine mitbekommen“, räumt Baumgärtner später ein.Wobei der Trainer die Chancen auf den Relegationsplatz bei vier Punkten Rückstand und zwei Spiele vor Schluss schon im Vorfeld als „nur noch äußerst gering“ bezeichnet hatte. Das habe er auch seiner Elf klar gesagt – und dennoch vollen Einsatz verlangt. „Das ist auch eine Charakterfrage“, findet Baumgärtner. „Außerdem wollten wir uns gebührend von den Fans verabschieden.“ Letzteres gelingt nur bedingt – was aber nicht an den SVH-Kickern liegt, sondern daran, dass nur 80 Zuschauer zum letzten Heimspiel erscheinen. „Dabei hätte dieses Spiel mehr Besucher verdient gehabt“, sagt der Coach. „Aus meiner Sicht war das einer unserer besten Auftritte in dieser Saison.“Tatsächlich übernehmen die Platzherren von Beginn an die Kontrolle und dominieren den Gegner über 90 Minuten. Dabei sind es die Gäste, die dringend noch Punkte im Abstiegskampf benötigen – doch das merkt man zu keinem Zeitpunkt. Vielmehr hat der SVH schon im ersten Durchgang vier dicke Möglichkeiten, von denen Lukas Riglewski die erste zum 1:0 nutzt. In der Folge mimt Orhan Akkurt dreimal hintereinander so überzeugend den Chancentod, dass man sich fast Sorgen um den Goalgetter machen muss.Erst ein weiteres Riglewski-Tor später platzt bei Akkurt der Knoten – und er schnürt ebenfalls einen Doppelpack. Nur am Rande sei erwähnt, dass seine zwei Tore in jener letzten halben Stunde fallen, in der Heimstetten in Unterzahl spielt. „Der Schiedsrichter wollte es offenbar noch mal spannend machen“, kommentiert Baumgärtner die Ampelkarte für Innenverteidiger René Schäffer – ein etwas zu hartes Urteil für eine etwas zu harte Entscheidung.Doch auch mit einem Mann mehr auf dem Feld bleibt Bogen so harmlos wie ein Eichhörnchen im Winterschlaf – mit Ausnahme von jener 89. Minute. Da eilen acht Heimstettner nach vorne, um noch ein fünftes Tor zu markieren, was der TSV prompt mit einem Konter zum 4:1 bestraft. Für einen Moment lang blickt Heiko Baumgärtner am Seitenrand so grimmig drein, als wolle er gleich auf den Rasen stürmen und seine Spieler am Schlafittchen in die Defensive ziehen. Doch dann dreht sich der Trainer um, und fast meint man, den Anflug eines Lächeln bei ihm zu erkennen, ehe er davontrottet – zurück in seine Coaching Zone. SV Heimstetten – TSV Bogen 4:1 (1:0)SVH: Krasnic, Paul, Schäffer, Hintermaier, Huber (74. Giglberger), Steppan, Steimel, Nappo (82. De La Motte), D. Schmitt, Riglewski, Akkurt.Tore: 1:0 Riglewski (11.), 2:0 Riglewski (54.), 3:0 Akkurt (63.), 4:0 Akkurt (86.), 4:1 Meyer (89.) – Gelb-Rot: Schäffer (62.). – Schiedsrichter: Philipp Vecera (Tuspo Roßtal) – Zuschauer: 80.

Patrik Stäbler

Quelle: fussball-vorort.de

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