Der Pullacher schildert am Montag seine Erlebnisse

Fußball-Entwicklungshelfer Pape gibt seine Anekdoten zum Besten

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Begnadeter Geschichtenerzähler und weit gereister Fußball-Entwicklungshelfer: Burkhard Pape vom SV Pullach. Am Montag (19.30 Uhr) schildert er im Vereinsheim an der Gistlstraße unter dem Motto "Rund um den Erdball" seine aufregendsten Erlebnisse.

SV Pullach - Unendlicher Fundus von Anekdoten: Fußball-Entwicklungshelfer Burkhard Pape schildert am Montag seine aufregendsten Erlebnisse.

Pullach – Ein Abend reicht nicht für alle Geschichten, die Burkhard Pape zu erzählen hat. Der 83-jährige Pullacher, der für seine Verdienste als Fußball-Entwicklungshelfer erst kürzlich im Auswärtigen Amt geehrt wurde, wird am Montag (19.30 Uhr) bei einem Vortrag unter dem Motto „Rund um den Erdball“ aber zumindest seine aufregendsten Erlebnisse im Vereinsheim an der Gistlstraße zum besten geben.

Wenn ein abenteuerliches Leben und die Begabung, pointiert davon zu erzählen, zusammenkommen, ist Unterhaltung garantiert. Bei Burkhard Pape macht es schon Spaß, die kleine Anekdote zu hören, wie er erfuhr, dass ihm in der neuesten Ausgabe des DFB-Journal ein großer Artikel gewidmet war. „Ich saß beim Länderspiel gegen Italien auf der Tribüne, da schaut mich einer so an und fragt: ,Sie sind doch der Herr Pape? Ich habe gerade das hier über sie gelesen.‘ Und zeigt mir die Zeitschrift. Der war aus Essen und hatte das DFB-Journal über den Verein gekriegt“, erzählt Pape also und feixt: „Ich wusste davon nichts. 23 000 Vereine in Deutschland bekommen das Ding zugeschickt, von denen haben sie alle die Adressen. Aber meine hatten sie anscheinend nicht.“

Dabei war der gebürtige Magdeburger, der sich 1953 in den Westen absetzte, über lange Zeit der vielleicht wichtigste Mann im Dienste der deutschen Fußballentwicklungshilfe für Länder der dritten Welt. 36 Jahre lang vermittelte er sein Wissen in Afrika, Asien und dem Pazifikraum. Dabei arbeitete er nicht, wie etwa der bekannte Weltenbummler Rudi Gutendorf, auf eigene Rechnung, sondern meist im Auftrag des Auswärtigen Amts.

Mit seiner vertraglichen Bindung an die Bundesbehörde erklärt Pape auch, warum er während der Schreckensherrschaft von Diktator Idi Amin in Uganda die Stellung hielt, was ihm früher oft vorgehalten wurde: „Keiner hat mich aufgefordert, das Projekt einzustellen. Und offene Opposition hätten weder meiner Familie noch dem Auswärtigen Amt etwas gebracht, wenn ich standrechtlich erschossen worden wäre.“

Mit Uganda, wo er von 1968 bis 1974 tätig war, feierte Pape als Trainer indes wohl seine größten sportlichen Erfolge: Viermal wurde das Team Ostafrikameister, es verpasste die Olympia-Qualifikation für München 1972 erst im Elfmeterschießen und trotzte Brasilien vor der WM 1974 ein 1:1 ab. Zudem gastierte Uganda damals als erstes afrikanisches Land zu Fußballspielen in Deutschland. Auch diese Reise ist ein unendlicher Fundus von Geschichten. „Ich habe meine Spieler zwei, drei Wochen lang auf alles vorbereitet. Zum Beispiel Ampeln, das kannten sie ja nicht. Ich habe gesagt, wenn einer wegen euch bremsen muss und es geht was kaputt, nur ein Licht, das kostet hundert Mark“, erinnert sich der Fußball-Lehrer. Und doch hatte er nicht an alles gedacht: „Die Rolltreppen hatte ich vergessen. Da waren wir im Kaufhaus: Und – schwupp – lagen schon zwei da.“

Ein Prinzip half dem früheren Zehnkampf-Juniorenmeister der DDR bei seiner Arbeit nicht nur in Uganda weiter: „Ich habe immer gesagt: Politik interessiert mich nicht, nicht bei Euch, nicht bei mir. Da haben mir die natürlich mehr erzählt, als ich sonst zu hören bekommen hätte.“ So erfuhr Pape bei seiner ersten Station in Sierra Leone auf kuriose Weise von einem bevorstehenden Umsturz: Am nächsten Tag werde das Training ausfallen, erklärte ihm ein Offizier bei einem Drink. „Ich denke, wegen der Regenzeit und gebe ihm zu verstehen, dass das nun wirklich kein Grund sei. Doch er grinst und antwortet: Morgen gibt es kein Training, morgen gibt es eine Revolution.“ So konnte Pape, dessen Haus unter dem Schutz der Militärs stand, den noch unwissenden deutschen Botschafter informieren.

Für dieses Leben im Dienste der Entwicklungshilfe mit dem runden Leder wurde Pape jüngst von einer – unter anderem mit Uwe Seeler besetzten – Jury zu einem von drei Kandidaten für den Fußballbotschafter Deutschlands 2016 auserkoren; neben Erich Rutemöller und Gernot Rohr. Die Wahl fiel auf Rohr, der zuletzt das Nationalteam von Burkina Faso betreute. Pape, der 1995 schon das Bundesverdienstkreuz erhielt, bekam immerhin, wie er grinsend erzählt, „eine Riesenurkunde. Was anderes fällt denen wahrscheinlich auch nicht ein.“ Daneben gab es für den junggebliebenen Trainer, der beim SV Pullach die B-Junioren betreut, gutes Essen und Trinken, ein interessantes Gespräch mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und jede Menge Pressefragen. „Ich musste acht Interviews geben. Da hat wahrscheinlich der eine vom anderen mitbekommen, was es da für Geschichten zu hören gibt.“ Geschichten, auf die sich am kommenden Montag die Pullacher freuen dürfen.

Text: Umberto Savignano

Quelle: fussball-vorort.de

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