Haching trauert um Liesl Leiminger

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Ein Stück Vereinsgeschichte der SpVgg Unterhaching war Liesl Leiminger, hier 2012 bei der Verabschiedung durch den damaligen Präsidenten Engelbert Kupka. Jetzt ist die langjährige Waschfrau im Alter von 87 Jahren gestorben.

SpVgg Unterhaching - Mit Liesl Leiminger ist am Montag ein Stück Vereingeschichte der SpVgg Unterhaching gestorben. Die frühere Waschfrau des Vereins wurde im Zuge des Bundesliga-Aufstiegs wider Willen einst selbst zur Berühmtheit. Dabei war sie weit mehr als nur die Frau für saubere Klamotten.

Sie war „eine Institution“. Diesen Ausdruck benutzt Engelbert Kupka, wenn er über „die Liesl“, wie sie von allen im Sportpark nur genannt wurde, erzählt. „Eine Institution im Verein, einer dieser stillen Helden, ohne die es nicht funktionieren würde“, sagt der Ehrenpräsident der SpVgg, der die gesamten 31 Jahre ihrer Zeit als Waschfrau miterlebt hat. „Sie war viel mehr als nur die Mitarbeiterin, die bei uns für die Wäsche zuständig war.“

Seit 1981, der Verein spielte damals noch in der Grünau und war ein durchschnittlicher Bayernligist, arbeitete Leiminger für die SpVgg, nahm Trikots und Trainingskleidung oft sogar zum Waschen mit nach Hause. Mit dem Umzug in den neu gebauten Sportpark 1992 bekam sie eine eigene Waschküche im Stadion, die in den folgenden Jahren zu viel mehr wurde: Zu einem Raum mit offenen Türen vor allem für die Spieler der ersten Mannschaft. Die lieferten nicht nur ihre Klamotten bei Leiminger ab, sondern oft auch ihre Sorgen. „Viele Spieler saßen bei ihr und haben einfach eine Cola getrunken und mit ihr geratscht“, erinnert sich Kupka, „sie war für viele wie eine Mutter oder eine Oma. Sie war immer da, jeder konnte sie ansprechen.“ Oft war sie für die Neuzugänge ein Auslöser, die SpVgg nicht nur als neuen Arbeitgeber, sondern als neue Familie zu sehen. „Die gute Seele des Vereins“, sagt Kupka, „und eine Persönlichkeit, wie es sie nicht oft gibt.“

Der größte Erfolg der SpVgg war zweifellos der Aufstieg in die Bundesliga 1999. Da war Leiminger bereits 70 und eigentlich in Pension. Doch plötzlich stürzte sich die Öffentlichkeit auf jede Person und jeden Winkel des Vereins, auch auf sie und ihre Waschküche. „Man muss ja was tun, ich könnte nicht so einfach zu Hause sitzen“, erzählte sie in einem Film, den SAT1-Reporter Daniel Günther damals über das sensationelle erste Jahr in der Bundesliga drehte und in dem „die Liesl“ einen Extra-Beitrag bekam. „Da wird man nicht so schnell alt und ist immer unter jungen Leuten.“ Die Spieler nannte sie nur „meine Buam“, was die bedrückte, blieb aber in der Waschküche. Auch Journalisten durften mal vorbeikommen. Aber geheime Informationen gab es von ihr nicht, höchstens eine Cola.

Insgesamt 31 Jahre lang sorgte Liesl Leiminger für saubere Wäsche bei der SpVgg, ehe sie 2012 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Damals war sie 82. „Eine Persönlichkeit, die im Hintergrund stand, ohne die ein Verein aber nie funktionieren würde“, sagte der damalige Präsident Engelbert Kupka bei ihrer Verabschiedung im Stadion.

Nach langer schwerer Krankheit starb Liesl Leiminger am Montag mit 87 Jahren und hinterlässt eine traurige SpVgg-Gemeinde. Ein weiteres Stück Vereinsgeschichte ist mit ihr gegangen. In der Erinnerung an ihre Zeit bei der SpVgg wird sie in den Herzen sehr vieler ehemaliger Spieler und Mitarbeiter aber nie sterben.

Text: Christian Amberg

Quelle: fussball-vorort.de

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