Fans fiebern Aufeinandertreffen entgegen

Heimstetten gegen Ismaning: Derby der Erzrivalen

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Schenken sich nichts: Wenn der FC Ismaning und der SV Heimstetten aufeinandertreffen, hier Lukas Riglewski (rotes Trikot links) vom SVH im Zweikampf, geht es hoch her.

SV Heimstetten / FC Ismaning - Bis vor Kurzem haben der SV Heimstetten und der FC Ismaning gerungen: um die Vorherrschaft in der Region, um Derbysiege, um Spieler. Wenn es heute zur Neuauflage dieses Klassikers kommt, wird diese Rivalität wieder aufleben.

Als Schiedsrichter Matthias Zacher vor exakt 1276 Tagen das Regionalligaduell des SV Heimstetten beim FC Ismaning abpfeift, ahnen nur wenige der 500 Zuschauer, dass in diesem Moment eine Ära zu Ende geht. Schließlich ist der FCI unter Coach Roman Grill vor diesem 1:1 im April 2013 Tabellenzwölfter; danach folgt ein beispielloser Absturz mit zwei Abstiegen in Serie – bis in die Landesliga.

In den Jahren zuvor haben sich Ismaning und Heimstetten nach dem Aufstieg des SVH 2006 einen erbitterten Kampf geliefert um die Rolle als Nummer Eins in der Region. Wobei diese spezielle Rivalität noch weiter zurückreiche, sagt Helmut Horst, von 1982 bis 2007 Vorsitzender beim FCI: „Die gab’s schon früher, als beide noch in unteren Klassen gespielt haben.“ Doch dann arbeitete sich Ismaning nach oben und wurde zur unumstrittenen vierten Fußball-Kraft im Münchner Raum – bis Heimstetten unter Trainer Frank Schmöller und mit Thomas Langer im Hintergrund ebenfalls in die Bayernliga vorstieß. In den folgenden Jahren habe es hitzige Derbys mit bis zu 1000 Zuschauern gegeben, erinnert sich Helmut Horst. Und natürlich habe man sich auch um Spieler gezankt: „Das hat man gar nicht gerne gesehen, wenn da einer zum Nachbarn gewechselt ist.“ Wobei der einstige FCI-Chef betont: „Mit Thomas Langer haben wir uns immer ausgetauscht. Das war ein gutes Verhältnis.“

Der Mann, der Langer 2006 beim SVH beerbt hat, heißt Ewald Matejka – und er erinnert sich noch gut an sein erstes Derby in dem Jahr: „Wir haben damals 1:1 in Ismaning gespielt. Für uns war das eine Riesensache. Ismaning war ja immer die Benchmark und ein Stück weit Vorbild.“ In den Jahren danach, in denen sich die Rivalität hochschaukelte, trafen die Nachbarn in zehn Ligaspielen aufeinander. Die Bilanz: vier FCI-Siege und sechs Remis – doch nie war der SVH erfolgreich. „Solche Serien haben bekanntlich eine Halbwertszeit von zehn Jahren“, sagt Matejka und grinst. „Deshalb werden wir heute gewinnen. Mein Tipp ist 2:1.“

Den deutlichsten Sieg in all den Derbys trug Ismaning 2011 davon. Das 4:1 ist das erste, was Frank Schmöller zu diesem Thema einfällt. „Beide Clubs waren damals in einer schwierigen Situation, es gab auf beiden Seiten Unruhe im Verein“, erinnert sich der Ex-Profi, damals FCI-Trainer und von 2002 bis 2008 Coach in Heimstetten. „Zwischen diesen zwei Vereinen hat immer eine besondere Rivalität geherrscht, und wie mir erzählt wurde, trifft das auch auf die Gemeinden zu. Da gab es ständig kleinere Provokationen untereinander – auch abseits des Fußballs.“

Umso mehr fiebern Fans und Verantwortliche nun dem Wiedersehen der Erzrivalen entgegen. „Von außen bin ich oft auf das Spiel angesprochen worden“, bestätigt Heiko Baumgärtner, Coach des SV Heimstetten. Im Training hingegen habe er keine besondere Stimmung gespürt. Und auch sein Ismaninger Pendant Xhevat Muriqi sagt: „Wir bereiten uns auf dieses Spiel so vor wie auf jedes andere.“

Fragt man bei den Spielern beider Seiten nach, ist ebenfalls nichts von Kampfansagen oder den früher üblichen Sticheleien zu hören – und das, obwohl etliche einst beim jeweils anderen Club gekickt haben. So wie Hugo Lopes, von 2010 bis 2012 beim FCI und danach eine Saison sowie seit dieser Spielzeit wieder beim SVH. Er betont: „Für mich ist das ein Spiel wie jedes andere.“ Was einen zurück zu Helmut Horst bringt, der leicht wehmütig sagt: „Ich glaube nicht, dass die Rivalität heute noch die gleiche ist wie früher. Die Identifizierung mit dem Verein und dem Ort ist nicht mehr so da.“ Das gelte auch für die Funktionäre: „Die sind heute eine Zeitlang bei einem Verein, und wenn’s nicht läuft, dann machen sie ihren Job halt woanders.“

Ist’s also bald schon egal, ob Ismaning in Heimstetten oder Hankofen-Hailing antritt? Das werden zumindest die Fans vehement verneinen. Und auch Hugo Lopes, der zuletzt wegen einer Verletzung pausieren musste, räumt später doch ein: „Ich bin am Freitag dabei. Wenn es gegen einen anderen Verein gegangen wäre, hätte ich wahrscheinlich noch eine Woche Pause gemacht. Aber gegen Ismaning wollte ich nicht fehlen.“

Text: Patrik Stäbler

Quelle: fussball-vorort.de

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