FCP-Zampano adelt Ex-Profi

Höß: "Hürzeler wird als Trainer Karriere machen"

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Im Bayerndress auf dem Weg zu den Profis, mit 23 nun Spielertrainer in Pipinsried: Fabian Hürzeler.

FC Pipinsried - Ob es Lob gab? „Nicht wirklich.“ Dabei hätte er spätestens jetzt doch ein dickes Kompliment verdient, Fabian Hürzeler hat seinen FC Pipinsried gerade zum sechsten Sieg in Folge geführt. Hürzeler ist erst 23, als Trainer unerfahren, er hat aber schon viel gelernt.

Auch, dass Konrad Höß nicht mit Kritik, aber mit Lob geizt: „Ist sein gutes Recht“, sagt Hürzeler und sieht die Sache positiv: „Indem er kritisiert, zeigt er Interesse.“ Was im Fall Höß krass untertrieben ist: Fußball ist sein Leben, der Verein sein Lebenswerk. Hürzeler spürt das Feuer, das in dem 75-Jährigen brennt, diese Leidenschaft, mit der Höß alles für seinen Klub tut. Und das ist vorbildlich, auch für den jungen Coach.

Am Montag stand Höß schon wieder ab acht Uhr morgens bei strömendem Regen auf dem Rasen, die Löcher mussten beseitigt werden, die der hart umkämpfte 3:2-Sieg tags zuvor gegen Regensburg gerissen hatte. „Sein Platz ist ihm heilig“, weiß Hürzeler. Auch deshalb darf er mit seiner Mannschaft nur zweimal in der Woche trainieren, ziemlich ungewöhnlich für einen, der bis zum Sommer praktisch täglich übte: „Das ist schon eine große Umstellung für mich.“ Der Chef aber beharrt darauf, dass zweimal Training für die Bayernliga reichen muss. Und wird er nicht eben bestätigt?

Nach durchwachsenem Start ist der FC Pipinsried wieder da, wo Höß seinen Dorfverein so gerne sieht: Auf Augenhöhe mit den namhaften Klubs aus dem Münchner Speckgürtel. Und vor Dachau 65, das betont er ganz besonders. „Das Dachauer Land steht hinter uns“, das ist ihm wichtig. Die Mannschaft spiele einen „tollen Fußball“, das dürfe der Trainer gerne als Kompliment auffassen, auch wenn er „noch lernen“ müsse. „Disziplin und Ordnung im Team“ beispielsweise seien „verbesserungswürdig“. Am Sonntag hat Höß die erste Hälfte gar nicht gefallen, „ich hätte anders gespielt“. Das habe er Hürzeler auch gesagt, der aber habe das schon „selbst korrigiert. Er ist ein intelligenter Mensch, der wird als Trainer Karriere machen.“

Eine große Karriere wurde Fabian Hürzeler schon mal prophezeit. Allerdings eine als Profi. „Ich hatte alle Voraussetzungen, habe auch viel getan, viele Opfer gebracht, der Kopf aber hat nicht mitgemacht.“ Beim FC Bayern ist er Kapitän in praktisch allen Juniorenteams gewesen, war deutscher Vizemeister mit der U19, Jugendnationalspieler, die Amerikaner wollten sich mit ihm für Olympia in London qualifizieren. Hürzeler ist, eher zufällig, in Houston geboren, als Sohn einer Deutschen und eines Schweizers, er hätte es spannend gefunden, für die USA zu spielen, das Abitur in München aber war ihm dann doch wichtiger.

Zwei Jahre versuchte er, sich über die U23 der Bayern für die Profis zu empfehlen, ging nach Hoffenheim, wurde dort aber nicht glücklich: „Ich war zum ersten Mal allein“, in Wiesloch, seinem Wohnort, war „tote Hose“, als Großstadt-Mensch hat er sich „nicht wohl gefühlt“. Der Wechsel zu 1860 war eine Flucht zurück nach München, so schwer, wie manche vermuteten, sei es ihm aber nicht gefallen, das Löwen-Trikot überzustreifen: „Man sagte mir nach, ein Sechziger-Hasser zu sein, was aber nicht stimmte.“ Lange hat er im Frühjahr mit sich gekämpft, ob er dort in „einem intakten Team“ als Führungsspieler der U21 verlängern sollte. Oder aber neue Wege gehen.

Roman Plesche, ein guter Freund, jetzt sportlicher Leiter in Pipinsried, hatte ihn Konrad Höß empfohlen, als Spieler. Der aber suchte, einer langen Tradition folgend, mal wieder einen Spielertrainer. Pipinsried hat gute Erfahrungen damit, Michael Stiller, Marcel Richter, Marco Küntzel, zuletzt Tobias Strobl haben recht erfolgreich in der Doppelfunktion gearbeitet. „Damit spare ich mir ein Spielergehalt“, so hat der sparsame Höß seine Vorliebe für diese Spezies gerne begründet. Hürzeler aber ist erst 23, so jung war nicht einmal Strobl. In „zig Gesprächen mit Höß“ hat er sich durchgerungen, den Job anzunehmen: „Eine sehr schwierige Entscheidung“, schließlich war sie gleichbedeutend mit dem endgültigen Schlussstrich unter alle Profiträume.

Bereut hat er sie bisher nicht, auch wenn er erfahren musste, „dass Bayernliga-Trainer ein Full-Time-Job ist“. Training, Spielvorbereitung, Gegneranalyse, dazu Arzttermine für die Verletzten organisieren, anfangs wurde Hürzeler, der zudem Sportmanagement studiert und eine Vertriebsfirma aufbaut, fast überrollt von den Aufgaben. Durfte sich aber keine Blöße geben: „Gerade der erste Eindruck ist wichtig, wenn du als Trainer-Novize eine Mannschaft übernimmst, in der praktisch alle Spieler älter sind als du.“ Die erste Ansprache musste sitzen, „man muss selbstbewusst auftreten, Autorität zeigen“, als Spielertrainer auch auf dem Platz überzeugen: „Du darfst dir keine Schwäche erlauben, musst dich auf dein eigenes Spiel konzentrieren, aber stets auch das Ganze im Blick haben.“ Und möglichst wenig Fehler machen, die ihm die Mannschaft allerdings verzeiht: „Fehler gehören dazu.“

Hürzeler hat den C-Schein, profitiert aber vor allem von den Erfahrungen, die er als Spieler unter Top-Trainern gemacht hat. Bei den Bayern hat er viel vom Kim-Leong Lim gelernt, von Kurt Niedermayer, er hat unter Jupp Heynckes schon mal bei den Profis mittrainiert, dann unter Mehmet Scholl in der U23 gespielt. Bei den Löwen war es Daniel Bierofka, der ihn auch mit seinem „brutalen Ehrgeiz“ prägte. „Eine Mischung aus allen“, so beschreibt er seinen eigenen Stil: „Vor allem muss ich authentisch bleiben, so, wie ich bin.“

Viel Ballbesitz, sicheres Passspiel, Räume bespielen und kompakt stehen, das hat er der Mannschaft eingeimpft: „Es wird immer besser“, sogar der gestrenge Höß sieht das so. Was fehlt, ist ein „Killer“, Serge Yohoua und Atdhedon Lushi sind verletzt, Marco Bläser schon wieder weg. „Ein guter Typ, er hätte aber nicht ins System gepasst“, findet Höß, der immer mehr überzeugt ist, mit Fabian Hürzeler einen Glücksgriff getan zu haben. Zumal er, was den Boss vor allem freut, gleich einen Sponsor mitgebracht hat: Die Firma von Hürzelers „Schwiegermutter in spe, hoffentlich“ (Höß), ziert nun das gelbe Trikot.

Eine „Jobgarantie“ sei das aber nicht, warnt Höß. Sieht aber zumindest derzeit keinen Grund, an seiner Wahl zu zweifeln. Irgendwie hat er den jungen Coach ins Herz geschlossen. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Neulich hat Fabian Hürzeler einen Zeitungsausschnitt gesehen, in dem Höß einen Aufstieg in die Regionalliga, an dem Strobl zweimal knapp gescheitert war, als „Krönung seines Lebenswerks“ bezeichnete. „Diesen Traum würde ich ihm wahnsinnig gerne erfüllen“, so Hürzeler. Vielleicht nicht diese Saison, dann aber in einer der nächsten Spielzeiten.

FUSSBALL-AMATEURE Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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