Ex-Haching-Präsident kämpft für Amateure

Kupka prangert Geldgier im Profi-Fußball an

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Wohin führt der Weg des deutschen Fußballs? Engelbert Kupka, von 1973 bis 2012 Präsident der SpVgg Unterhaching, ist in großer Sorge.

SpVgg Unterhaching - Engelbert Kupka ist in großer Sorge um den deutschen Fußball. Hachings Ex-Präsident prangert an, dass die Profi-Klubs immer mehr Geld zur Verfügung haben und den Amateurklubs, die jeden Tag ums nackte überleben kämpfen, nichts übrig lassen.

Von Solidarität keine Spur. „So geht’s nicht weiter“, machte der 77-Jährige in der Sendung „Blickpunkt Sport“ des Bayerischen Fernsehens seinem Ärger Luft.

Engelbert Kupka war von 1973 bis 2012 Präsident der SpVgg Unterhaching und blickt damit auf die längste Amtszeit eines Vereinspräsidenten im deutschen Profi-Fußball zurück. Unter seiner Führung stieg die SpVgg Unterhaching bis in die Erste Bundesliga auf. Der Mann kennt sich also aus im deutschen Fußball. Jetzt prangert er die Zustände an. Tenor: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stehe jetzt in der Pflicht.

Es könne nicht sein, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) 1,5 Milliarden Jahr kassiert (1,2 Milliarden Euro an den Fernsehrechten und 300 Millionen Euro für die Auslandsvermarkung) und die Vereine der Dritten Liga nur je 700 000 Euro davon erhalten und die Regionalligisten wie die SpVgg Unterhaching gar nichts. Kupka fordert eine Aufstockung für die Drittligsten auf 1,4 Millionen Euro.

Engelbert Kupka über

. . . mangelnde Solidarität im deutschen Fußball: „Bei dieser Anhäufung von Geld kann es nicht sein, dass bei den Amateuren alles bleibt wie bisher. Denn die Amateure tragen eine erheblich Last. Wir machen die ganze Jugendarbeit, da kommen die ganzen Spieler her. Wir generieren auch in der Fläche das Interesse am Fußball. Was würde denn die Bundesliga machen ohne die Fans im Stadion, ohne die, die Abos fürs Bezahlfernsehen kaufen? Ohne die, die Trikots kaufen? Wir bilden die Spieler aus, die die Profiklubs dann bei uns abholen. Zwei Spieler, die in Unterhaching ausgebildet wurden, spielen jetzt beim SC Freiburg in der Bundesliga. Deshalb ist jetzt Solidarität gefragt. Es gilt, was die Araber sagen: Mit einer Hand kann man nicht klatschen. Da gehören zwei dazu.“

. . . über die Entwicklung in den zurückliegenden 20 Jahren: Berühmt ist Kupkas Satz von 1999, dem Jahr des Bundesliga-Aufstiegs der SpVgg Unterhaching: „Geld schießt keine Tore“, sagte Kupka damals. Dies gelte nun nicht mehr: Kupka: „Heute schießt Geld schon Tore, keine Frage. Man darf die Amateure nicht auf dem Status belassen, wie er 2000 war. Wenn sich die Dinge so auseinanderentwickeln wie zurzeit, muss ein Solidaritätsbeitrag der Liga erfolgen, der wirklich spürbar ist. Deshalb habe ich gefordert, dass die Dritte Liga eine Verdoppelung ihrer Einnahmen von 700 000 auf 1,4 Millionen Euro erhält. Die 700 000 werden nämlich fast zur Gänze durch Auflagen des DFB aufgebracht. Das Geld soll nicht verwendet werden, dass die Spieler bezahlt werden, sondern dass Jugendarbeit betrieben wird.

. . . über soziale Verantwortung: „Wir haben große Schwierigkeiten ehrenamtliche Mitarbeiter zu bekommen. In der Jugendarbeit, Betreuung und so weiter. Was ein Verein mit 300 Jugendlichen macht, ist ja im Grunde genommen mehr, als was die Schulen leisten. Wir betreuen unsere Nachwuchsspieler jeden Tag, auch am Wochenende und in den Ferien. Da sind wir immer da. Wir machen Sozialarbeit mit anderen Mitteln. Und das muss endlich honoriert werden. Wer kümmert sich denn heute um die Flüchtlinge? Die spielen bei uns, in unseren Spielgemeinschaften. Das ist ein Integrationsfaktor erster Ordnung.

. . . über die Verantwortung des DFB: „Der Fußball lebt von der Basis her. Wenn man das nicht begreift und immer nur aufs Geld für die Profis schaut, wird der Fußball keine Zukunft haben. Der DFB hat die Dritte Liga im Jahr 2008 gegründet. Sie ist also ein Kind des DFB. Und wer Kinder in die Welt setzt, muss auch die Unterhaltskosten zahlen.“

. . . über mögliche Lösungsansätze: „Der DFB hätte auch die Möglichkeit, das über die DFB-Pokal-Einnahmen zu steuern. Wir haben hier etwa 60 Millionen Euro einnahmen. Von diesen 60 Millionen kassieren die Bundesligisten etwa 80 Prozent, weil nach der dritten Runde fast kein Amateurverein mehr dabei ist. Da muss es doch möglich sein, die 14 oder 15 Millionen Euro abzuzweigen, was die Aufstockung für die Drittligisten kosten würde, bei 1,5 Milliarden, die zur Verfügung stehen. Wenn wir das nicht schaffen, sind wir sozial nicht mehr kompetent. Der DFB steht jetzt in der Verantwortung, zur DFL zu gehen und zu sagen: So geht’s nicht weiter!“

Text: Robert Gasser

Quelle: fussball-vorort.de

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