Ex-Haching-Präsident schießt gegen DFB-Boss Grindel

Kupka: "Der DFB veruntreut die Rechte der Amateure"

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Engelbert Kupka sagt, dass die DFB-Struktur„nicht mehr stimmt“.

SpVgg Unterhaching - Engelbert Kupka spricht im großen Merkur-Interview über den ängstlichen Verbandschef Grindel, verschleuderte Optionen und notwendigen Unfrieden.

Engelbert Kupka (77) hat sich in den 40 Jahren als Präsident der SpVgg Unterhaching immer auch als „Anwalt der Kleinen“ verstanden. Obwohl er längst kein Amt mehr bekleidet, ist ihm die Zukunft des Fußballs wichtig. Er kämpft für eine gerechtere Verteilung der neuen TV-Einnahmen. Erst gestern versandte er Briefe an alle Landesverbände.

Herr Kupka, wie verfolgen Sie eigentlich Spiele der Champions League – mit Genuss oder Zornesader, weil dort die Diskrepanz zwischen Millionen-Stars und Amateuren in Finanznöten ungeniert zelebriert wird?

Mit Freude. Das ist Fußball vom Feinsten. Und die Bühne Champions League ist ja gerechtfertigt. Es ist das Ziel, alle zu fördern – von den Amateuren bis zu den Millionen-Stars. Und jeder Millionen-Star hat mal klein angefangen. Genau das sollte keiner verneinen. Ich vergleiche das gerne mit einem Baum: Die Amateure sind die Wurzeln, der Stamm – die Stars das bunte Laubdach. Nur muss die Verteilung der Finanzen stimmen. Sonst trocknen die Wurzeln aus. Und dann fällt das Laub. Ich war letzte Woche in einer Fernsehsendung mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, das war interessant: Während er lange ausschweifend die Wohltaten des Verbandes für die Amateure erläuterte, hatte ich nur Zeit, kurz darauf hinzuweisen, dass unten nichts ankommt. Wir haben unsere Rechte gegenüber der DFL zu einem Preis verschleudert, der nicht gerechtfertigt ist.

Was kann man tun?

Mein erster Wunsch wäre, dass sich alle Betroffenen Klarheit verschaffen über die Grundlagen, die der DFB mit der DFL geschlossen hat. Die Mehrheit kennt die Inhalte ja nicht mal. Die DFL zahlt einen Pachtzins für die Rechte, die der DFB abgegeben hat. Der wurde nie an die neuen TV-Verträge angepasst. Er liegt bei drei Prozent, das bedeutet bei 1,5 Milliarden Einnahmen 45 Millionen. Wer würde denn Rechte für 45 Millionen verpachten, die 1,5 Milliarden bringen? Wer so etwas in der Privatwirtschaft macht, würde sich der Untreue verdächtig machen. Der DFB verletzt hier seine Sorgfaltspflicht, die Interessen seiner Mitglieder angemessen durchzusetzen.

Untreue ist ein harter Vorwurf.

Ja, ich will das auch gar nicht strafrechtlich einordnen. Aber ich möchte behaupten, dass bei einer verbleibenden Pachtzinsregelung von drei Prozent die Rechte der Amateure durch den DFB veruntreut würden. Das würde in der Privatwirtschaft nicht gehen, im öffentlichen Bereich gleich drei Mal nicht. Da würde jeder Rechnungshof einschreiten. Es gibt keinen Grund, diesen Pachtzins nicht mindestens auf zehn Prozent zu erhöhen. Ich sehe ein, dass der Sachverhalt komplex ist. Aber wenn man sich unsicher ist, sollte man Wertgutachten einholen oder mal offen mit den DFB-Mitgliedern sprechen. Der DFB hat seine Rechte abgetreten – aber er hatte keineswegs den Auftrag, diese Rechte zu verschleudern.

Wäre ein juristischer Weg, gegen den Verdacht der Veruntreuung vorzugehen, denkbar?

Ich könnte mir vorstellen, dass Vereine, die über ihre Landesverbände ihre Rechte an den DFB vergeben haben, das rechtlich überprüfen können. Das meine ich gar nicht strafrechtlich. Veruntreuung bedeutet ja auch: Ihr geht nicht richtig mit den Rechten um, die wir euch zur Betreuung gegeben haben. Wenn es dann heißt: Ihr habt das ja freiwillig abgegeben, dann sage ich: Das macht ja nur jemand freiwillig, der nicht die volle Kenntnis hat. Da könnte man ja gleich sagen: Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. Nur: Das sind gar keine dummen Kälber. Sie wurden nur nicht richtig informiert. Dann ist rechtlich alles angreifbar.

Sie haben viele Briefe in dieser Sache an die DFB-Spitze geschrieben. Wie war denn die Reaktion?

Als ich Herrn Grindel den entsprechenden Grundlagenvertrag vorgehalten habe, hat er gesagt, er wolle keinen Ärger mit der DFL haben. Da blieb mir die Spucke weg. Ich mache der DFL keinen Vorwurf, die arbeiten clever. Aber beim DFB wurde nichts getan, den Vertrag anzugleichen. Ich bin überzeugt, die Mehrheit der Mitglieder weiß gar nicht um die Materie. Die werden auf die falsche Fährte gelockt, und das werfe ich dem DFB vor. Man muss, wenn man wen vertritt, denjenigen vollkommen aufklären. Das passiert nicht. Ich habe Herrn Grindel gesagt: „Genau den Ärger müssen Sie suchen!“ Es wird sich stattdessen immer gelobt, immer von Harmonie und Solidarität geredet. Lenin sagte mal: „Sage mir, wer dich lobt – und ich sage dir, was du falsch gemacht hast!“ Harmonie beim DFB heißt, die Dinge unter den Teppich zu kehren. Da wurden Plakate gedruckt: „Amateure – unsere wahren Profis!“ Das ist fast schon eine Verhöhnung.

Was würde ein Gutachten bringen?

In der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Bereich würde kein Mensch einen Pachtvertrag ohne ein Gutachten festsetzen. Und noch dazu sagen: Der bleibt auf ewig. Es ist absolut sinnvoll, dass sich die Profis selber vermarkten – der DFB hätte das nie so bewerkstelligt. Da sage ich auch Respekt! Und es ist ja klar, dass die DFL jetzt nicht von sich aus herkommt und sagt: Dürfen wir euch ein bisschen mehr Pachtzins zahlen? Das macht ja auch kein Mieter, dass er einem Vermieter so einen Vorschlag macht.

Wenn Grindel keinen Ärger mit der DFL sucht – fehlt es beim DFB an Mut?

Da braucht man ja nicht einmal Mut. Nur die Einstellung, dass man eine rechtliche Position für andere zu vertreten hat. Das kann bis dahin führen, dass man sein Amt in Gefahr bringt. Das gehört dazu. Redet man den Leuten nur nach dem Mund und sagt: „Oh, da könnte ich Ärger kriegen!“, ist man für eine Führungsposition nicht geeignet. Die Struktur beim DFB stimmt nicht mehr. Die, die gewählt wurden, kümmern sich zu wenig um die Anforderungen des Amtes. Wäre es anders, wäre die Diskussion, die ich anstoße, gar nicht nötig. Da muss doch zumindest ein Ungerechtigkeitsbewusstsein da sein.

Stattdessen wird gemurrt: Der Kupka, der Nestbeschmutzer, was soll das?

Manche sagen: Was will der denn werden? Ich will überhaupt nichts werden. Ich habe ein Ziel – und auch etwas zu verlieren. Nämlich vor meinem eigenen Gewissen. Ob ich mich selber fragen muss: Hast du in Kenntnis der Situation alles einfach so laufen lassen? Irgendeiner muss doch mal das Wort ergreifen! Wenn ich das nicht tun würde, könnten die Leute zurecht sagen: Du warst 40 Jahre Vereinspräsident, du warst immer dabei, hast zwischendurch protestiert – aber jetzt, wo die Dinge so eklatant auseinanderlaufen, hältst du den Mund und duckst dich? Das kann ich nicht. Wenn die Leute sagen: Der bringt nur Unfrieden, sage ich: Jawohl, ich will Unfrieden bringen! Der ist notwendig, weil wir sonst so einen Frieden bekommen, so groß wie auf einem Friedhof.

Dabei propagiert man in Deutschland ja immer gerne den gemeinsamen Weg von Profis und Amateuren. In England ist der komplette Bruch der zwei Lager längst vollzogen.

Ja, und jetzt schauen Sie sich mal deren Nationalteam an! Da kommt kein Nachwuchs von unten, seit Jahren nicht. In England ist dieses Götzenbild Profifußball am eklatantesten. Da wurden Investoren die Türen geöffnet, weil alles mit Unsummen finanziert sein muss. Ob das die Zukunft ist? Ich weiß es nicht. In England spielt Gott und die Welt, bezahlt von Oligarchen und Scheichs. Da ist auch die britische Jugend betroffen, die auf der Strecke bleibt: Fußball ist ein Integrationsfaktor erster Ordnung. Vereine leisten einen ungeheueren Beitrag zur Wertebildung, dass sich Jugendliche akzeptieren. Sie machen Sozialarbeit mit anderen Mitteln. Auf einem Fußballplatz spielt es keine Rolle, ob du schwarz, grün, gelb bist – du darfst bloß kein Depp sein. So erziehen sich die Jugendlichen untereinander. Sie sagen: Das ist mein Freund, gleich, wo er herkommt. Das zu fördern ist auch eine gesellschaftspolitlitische Frage.

Was erwarten Sie sich vom DFB-Bundestag am 3./4. November?

Man wird alles versuchen, alles mit Friede, Freude, Eierkuchen über die Bühne zu bekommen. Es wird nicht uninteressant: Wird die Problematik gar nicht thematisiert, haben sie ein schlechtes Gewissen. Aber was ich ihnen vorhalte, kann man nicht unwidersprochen lassen. Ich fordere jeden dieser Herren, jeden, zu einer offenen Diskussion heraus. Da habe ich keine Angst, da brauche ich nicht mal ein Blatt Papier dafür. Wenn sie sich verkriechen und sagen, wir machen einfach so weiter, das wäre feige.

Interview: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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