Nur der Name klingt ur-brasilianisch

Luan da Costa Barros spielte in Kindertagen mit Neu-Löwe Andrade zusammen

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Ein wuchtiger Offensivspieler: Luan da Costa Barros kam mit zwölf Jahren aus Brasilien nach Deutschland.

FC Ismaning - Der typische Brasilianer ist er nicht. Das weiß Luan da Costa Barros, so ur-brasilianisch sein Name auch klingen mag, selbst. Nach reiflicher Überlegung beantwortet er die Frage nach seiner eigenen Einschätzung mit „70 Prozent deutsch, 30 Prozent brasilianisch“ in akzentfreiem Deutsch.

Dabei war der 23-jährige Angreifer des FC Ismaning schon zwölf Jahre alt, als er aus seinem Heimatort Sergipe in der Nähe von Salvador de Bahia im tropischen Nordosten des flächenmäßig fünftgrößten Landes der Erde, wo das olympische Fußballturnier gerade begonnen hat, nach München kam. Mit seiner Mutter zog er vor elf Jahren gemeinsam mit seiner Schwester nach Bogenhausen, wo er heute noch wohnt.

Im Alter von neun Jahren hatte er sich in Brasilien erstmals einem Verein angeschlossen. Stürmer sei er von Anfang an gewesen, erzählt da Costa Barros, kurz vor seiner Abreise nach Europa sei ein Scout des berühmten FC Santos, Pelés Stammverein, auf ihn aufmerksam geworden. Der Entschluss, nach Deutschland überzusiedeln, aber stand längst fest, so dass daraus nichts wurde. Bei seinem ersten Klub Cotingiba spielte er in Kindertagen mit Neu-Löwe Victor Andrade zusammen. Er werde versuchen, wieder Kontakt zu ihm aufzunehmen, auch, um dem Neu-Münchner die Integration in da Costa Barros’ zweiter Heimat zu erleichtern.

Dieser hatte sich hier zunächst dem SV Helios Daglfing angeschlossen, erst nach einer dreijährigen Metamorphose vom Brasilianer zum Deutschen habe er festgestellt, dass etwas passieren müsse: „Wenn ich jetzt noch ein Jahr hier weiterspiele, dann kann ich alles vergessen, was ich in Brasilien gelernt habe“. So wechselte er mit 15 zur SpVgg Unterhaching, lernte dort aber ein Jahr später erstmals die Härte des Geschäfts kennen. „Sie haben mich nicht übernommen“, berichtet er, „das war ein Tiefschlag, der mich schon getroffen hat“.

Seine nächste Entscheidung jedoch sollte sich, auch nachhaltig, als die richtige erweisen. Mit 16 Jahren wechselte der Nachwuchsstürmer zum FC Ismaning, wo er von Beginn an bei den A-Junioren prächtig funktionierte. Er habe sich in Ismaning „von Anfang an wohl gefühlt und konnte dort befreit aufspielen“, berichtet er. Der Übergang in den Herrenbereich aber war schwierig, die erste Mannschaft spielte seinerzeit in der viertklassigen Regionalliga. Da Costa Barros bekam dennoch den Fuß in die Tür und war ein festes Kadermitglied in Frank Schmöllers Regionalligakader, ein Trainerwechsel im Winter aber erschwerte ihm das Leben.

Also wechselte er im Sommer 2013 zum TSV 1860 Rosenheim, damals ebenfalls Regionalligist. Glücklich allerdings wurde er dort nicht. Nach einem erneuten Trainerwechsel im Winter war da Costa Barros’ Spielzeit in der Rückrunde immer weniger geworden. Am Ende stieg die Mannschaft ab. Der junge Brasilianer hatte sich kurz vor Saisonende das Syndesmoseband gerissen, fiel lange aus und war vereinslos. Es folgte eine längere Probephase bei der SpVgg Greuther Fürth, ein Engagement aber sollte nicht zustande kommen.

Seit März 2015 spielt er nun erneut in Ismaning. Vor drei Monaten stieg er mit dem bis in die Landesliga abgestürzten FCI wieder in die Bayernliga auf. Bei Vereinssponsor MSG absolviert er eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Stammspieler in Ismaning kann er sich zwar auch heute noch nicht nennen, angekommen scheint der junge Offensivspieler trotzdem zu sein. „Die beste Entscheidung meines Lebens“ nennt er die Rückkehr in den Münchner Norden. Mit seinen fast 1,90 Metern ist er ein typischer Wandstürmer, den Brasilianer in ihm erkennt man erst auf den zweiten Blick. Wohin ihn sein Weg auch noch führen mag, „mit Fußball aufhören“, betont da Costa Barros, „will ich erst mit 40 oder 45 Jahren, dafür liebe ich das Spiel zu sehr“. Typisch brasilianisch.

Text: Matthias Horner

Quelle: fussball-vorort.de

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