Der zweite Anlauf des VfR Garching

Von Monstern und Herzblut

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Verwurzelt in Garching: Mike Niebauer ist einer der vielen Spieler aus den eigenen Reihen.

VfR Garching - Zum zweiten Mal nach 2014 ist der VfR Garching in die Regionalliga aufgestiegen. Aus der Erfahrung des ersten Jahres, als man trotz guter Runde wieder zurück in die Bayernliga musste, will man nun die Lehren ziehen, möglichst längerfristig oben bleiben. Aber sich selbst treu bleiben.

Jetzt schon von einer gewissen Gewohnheit zu sprechen, wäre dann doch zu vermessen. Der VfR Garching ist zwar nun zum zweiten Mal in die Regionalliga aufgestiegen, die Stimmung ist dennoch nicht mehr ganz so überschwänglich wie noch vor zwei Jahren. Von einer „eher stillen Euphorie“ spricht Franz Hölzl, im Umfeld zumindest. Die Mannschaft habe aber schon „die ganze letzte Woche kräftig gefeiert“, korrigiert der Trainer Daniel Weber seinen Abteilungsleiter. „Und das soll sie auch.“ Keiner weiß besser als Weber, welche Leistung seine Jungs vollbracht haben, auch wenn anfangs der Saison 15 der 18 Bayernligisten Garching als den Topfavoriten und damit natürlichen Aufsteiger erwartet hatten.

Gerade das aber entpuppte sich als Bürde. Schon bald hatte man in Garching gemerkt, dass die sofortige Rückkehr in die Regionalliga „alles andere als ein Selbstläufer“ werden würde, wie Weber im Rückblick auf eine nicht ganz so einfache Saison feststellt: „Wir haben sicher nicht den schönsten Fußball gespielt“, seine Truppe sei zum „Ergebnismonster“ geworden. Gründe dafür gibt es viele, mit der Favoritenrolle „können vielleicht die Bayern souverän umgehen, nicht aber wir“, die Vorbereitung nach einer enttäuschenden Relegation war kurz, die schnelle Integration der neun Neuen damit schwieriger. Die Mannschaft aber habe „menschlich einen sehr guten Charakter“, hat Rückschläge weggesteckt und schließlich ihr Ziel erreicht.

Eine Entwicklung mit "viel Herzblut"

Regionalliga, das ist ein ziemlich großes Ziel für einen kleinen Verein wie Garching. Es nun zum zweiten Mal geschafft zu haben, macht stolz. Es ist das Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung, „viel Herzblut“ stecke da drin, so Hölzl. Der Verein ist ja auch nach dem Aufstieg vor zwei Jahren ein reiner Amateurklub geblieben, der Weg von der Bezirksliga bis in die Regionalliga wurde mit einem Trainer gegangen, der nun sein zehntes Jahr als VfR-Coach antritt, mit einer Mannschaft, in der noch immer mehrere Garchinger spielen, viele sind aus der Region dazu gestoßen. Die Rahmenbedingungen schaffen ehrenamtliche Idealisten, der Verein ist ein Familienbetrieb. „Wir wollen semiprofessionelle Strukturen entwickeln, hinterher aber trotzdem gemütlich zusammensitzen“, beschreibt Hölzl den Spagat, den man bewältigen muss.

Diesmal nämlich soll es nicht bei einem Jahr Regionalliga bleiben, „wir wollen keine Fahrstuhlmannschaft werden“, fordert der Abteilungsleiter. Wobei man auch in der neuen Saison trotzdem kleine Brötchen backen wird: „Das Erreichen der Relegation war vor einem Jahr ein Erfolg für uns, das streben wir wieder an“, stellt der Trainer klar. Diesmal aber möglichst mit Happy End. Man habe ja gelernt aus dem ersten Jahr, Weber, der nicht nur Trainer, sondern schon eine Garchinger Institution ist, der sich auch um Spielerverpflichtungen kümmert, seinen Amateurspielern möglichst professionelle Strukturen mit Athletiktrainer und Physio schafft, schaut längst auch über den Garchinger Tellerrand hinaus: „Nur mit eigenen Leuten, das geht nicht mehr“, Spieler, die einen normalen Beruf ausüben, eine Ausbildung machen oder studieren, setzen die Prioritäten anders als Vollprofis, die es ja auch in der Regionalliga nicht gerade wenige gibt.

Eisgruber werden weitere Neuzugänge folgen

Garching aber muss sich damit arrangieren, dass Leute zum Master-Studium an eine andere Uni wechseln oder einfach mal ein Auslandssemester einschieben. Weber ist froh, „noch immer relativ viele aus den eigenen Reihen“ zu haben, Leute wie die Niebauers, wie Keeper Maus. Der Kader aber wird, muss sich auch ändern, neben Manuel Eisgruber, der aus Pipinsried kommt, wird es weitere Neuzugänge geben. „Wir haben während der Saison mit Daniel Steinacher und Max Knauer wichtige Stützen verloren, da müssen wir nachlegen.“ Diesmal, das ist der Vorteil, weiß man, was einen in der Regionalliga erwartet: „Es sind ja noch einige dabei, die das erste Jahr miterlebt haben“, nun wolle man Fehler, die schließlich zum Abstieg führten, tunlichst nicht wiederholen: „Mit unserer Erfahrung sehe ich gute Chancen auf den Klassenerhalt“, sagt Weber.

Natürlich werde man wieder zu den Underdogs zählen, der VfR hat keinen Großsponsor im Rücken, keine zweitligataugliche Arena wie der mögliche Ligakonkurrent Regensburg, statt 6500 Zuschauer im Schnitt wie der Jahn vielleicht wieder 400. „Wir denken nicht in Tausendern, sondern in Hundertern, müssen jeden Cent umdrehen“, die Finanzierung der Liga ist für Franz Hölzl eine „große Herausforderung“: „Wir haben wenig Spielraum.“ Dafür aber große Leidenschaft.

Weber: "Kontinuität gibt auch Sicherheit"

Trotzdem sei es auf dem Weg in die Zukunft unumgänglich, den Verein weiter zu professionalisieren, neue Strukturen und jüngere Leute aufzubauen, „auf die wir unser Know How, unsere Philosophie übertragen“, die den Verein dann Stück für Stück weiterentwickeln. Für die neue Saison hat man einen PR- und Marketing-Experten dazugewonnen, das Organisationsteam, das schon das erste Jahre Regionalliga gestemmt hat, wird auch das nächste stemmen. „Auf Dauer aber“, fürchtet Hölzl, „wird es ohne größere finanzielle Unterstützung nicht gehen“. Er berichtet von Leuten, die als Co-Trainer oder Scout mitarbeiten wollen, „wenn wir dann sagen, gerne, aber ehrenamtlich, streichen sie schnell die Segel.“

Garching will Garching bleiben, auch beim zweiten Versuch, sich in der Regionalliga längerfristig zu etablieren. „Unsere Kontinuität ist ja auch eine große Stärke“, sagt Daniel Weber, ein Fakt, der auch viele Spieler beeindruckt: „Das wird ja zu Fußballern von anderen Vereinen transportiert, die dann hier spielen wollen. Kontinuität gibt auch Sicherheit.“

Webers große Aufgabe besteht nun darin, auch eine Kontinuität bei der Zugehörigkeit zur höchsten bayerischen Spielklasse zu schaffen. Leicht wird es nicht, „die Liga ist noch ausgeglichener, noch stärker geworden. Sexy“, findet sie der Trainer, „attraktiv für Zuschauer.“ Auch für Werbepartner? Darauf hofft man in Garching, in der Flughafenregion gibt es genügend potenzielle Sponsoren, meist aber sind sie neu in der Region, ohne emotionalen Bezug zu Vereinen wie dem VfR. Der hat zwar keine große Tradition zu bieten, aber über die Jahre bewiesen, dass auch ein kleiner Verein mit guter Arbeit und viel Herzblut Großes erreichen kann.

Dieser Artikel erschien auf der Amateursportseite des Münchner Merkurs. Sie erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner. Erreichbar unter komsport@t-online.de.

Quelle: fussball-vorort.de

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