Wolfratshausen im Abstiegskampf

BCF: Die Mär vom neuen Besen

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Wieder kein Punkt: Der BCF Wolfratshausen unterlag in Kirchanschöring mit 1:3. Das Tor von Onur Misirlioglu (re.) war einfach zu wenig. Die Farcheter müssen weiterhin um den Klassenerhalt bangen.

Der Vorsprung wird kleiner, die Lage immer prekärer: Die 1:3-Niederlage beim SV Kirchanschöring lässt den BCF Wolfratshausen ungebremst auf die Relegationsplätze zuschlittern.

Im Fußball hat sich vor Jahrzehnten eine Metapher eingeschlichen, die immer dann zum Tragen kommt, wenn schwächelnde Mannschaften nach einem Trainerwechsel plötzlich auf Erfolgskurs einschwenken: „Neue Besen kehren gut.“ Dieser Reinigung blieb dem Ballclub verwehrt. Reiner Leitls Rücktritt verpuffte komplett und ohne erkennbare Wirkung. Farchet kassierte in Kirchanschöring die fünfte Niederlage in den vergangenen sechs Partien.

Besen kehren nur dann gut, wenn deren Borsten kratzig und unnachgiebig nach Schmutzpartikeln fahnden. Im Wolfratshauser Fall war das am Samstag nicht so –  zumindest wenn man die ersten 45 Spielminuten betrachtet. Einzelgespräche, Qualitätsanalyse des Gegners, mentale Aufbauhilfe – alles für die Katz’. Gleich beim ersten Angriff vergaßen die Gäste all ihre guten Vorsätze. „Kollektivschlaf“ nannte es Interimscoach Klaus Brand. Ein Diagonalball vom Anspiel weg überraschte zunächst Christian Duswald, dann Enim Kaya, der nur noch das Bein stehen lassen konnte. Beim folgenden Freistoß pennten die BCF-Kicker im Abwehrzentrum fleißig weiter – 0:1.

Mit diesem Angriff hatte Kirchanschöring just das umgesetzt, was Brand zuvor dezidiert angesprochen hat. Angst essen also nicht nur Seele auf, sondern blockiert auch den Gehörgang. Der 61-Jährige ärgerte sich über die massive Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. „Der SVK ist in der Anfangsphase brutal aggressiv gewesen.“ Und seine Elf habe sich einschüchtern lassen. Erst nach gut einer halben Stunde schien es so, als könnten sich die Flößerstädter aus der Umklammerung lösen. Hätte nicht Kaya im seinem Zuständigkeitsbereich den Ball unter Druck dem Mittelstürmer der Gastgeber auf dem Präsentierteller serviert und dadurch das 0:2 verursacht. Schlimmer noch: Es klingelte vor der Pause ein drittes Mal hinter Kevin Pradl. Thaddäus Jell, einst in Diensten der Farcheter, hatte nach einem Eckball mal wieder viel zu viel Platz.

Brand suchte die Ursachen für den sportlichen Knockout beim „wirklich sehr guten Gegner“. Doch das hilft im Abstiegskampf nachweislich wenig. Den Gästen entgegen kam das fortan gebremste Mitwirken des SVK. Plötzlich nahmen auch die Gäste am Spiel teil. „Deutlich aggressiver“ sah Brand nun die BCF-Equipe. Und sogar mit Erfolg: Onur Misirlioglu gelang nach einem weiten Flugball von Duswald per Kopf der Anschlusstreffer. Eventuell wäre mehr möglich gewesen, hätte Florian Schecks Schuss später nicht nur die Querlatte getroffen. „Wir haben noch einmal alles gegeben“, hielt Brand fest.

Doch die Situation wird ungemütlich. Am kommenden Samstag kommt der punktgleiche TSV Kottern an die Kräuterstraße, danach geht es nach Vilzing. Positiv: Platz 14 wird aufgrund der Lage in der Bayernliga Nord zum Klassenerhalt reichen. Aber bei nur drei Zählern Polster auf den 15. Rang sind Punktgewinne ab sofort unabdingbar: „Wir brauchen noch einen Dreier, um sicher zu sein“, stellt Brand nicht ganz uneigennützig klar: Denn die Relegationstermine würden sich massiv mit seiner persönlichen Urlaubsplanung überschneiden.SV Kirchanschöring – BCF Wolfratshausen     3:1 (3:0)BCF: Pradl – Duswald, Hoffmann, Misirlioglu, Kaya, Rödl, Scheck, Lehr, Ratte, Korkor (81. Marinkovic), Diep.Tore: 1:0 (1.) Eder, 2:0 (32.) Omelanowsky, 3:0 (39.) Jell, 3:1 (52.) Misirlioglu. – Gelbe Karten: Janietz, Eder (beide SV); Kaya (BCF). – Schiedsrichter: Tobias Baumann (TSV Seebach). – Zuschauer: 455.

Text: Oliver Rabuser

Quelle: fussball-vorort.de

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