Rauch und Duswald kündigen Rücktritt an

Leistungsträger verlassen den Verein: "Nicht der BCF, für den ich spielen möchte"

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Der nächste Führungsspieler, der den BCF verlässt: Michael Rauch (re.) hat ebenso seinen Rücktritt erklärt wie Teamkollege Christian Duswald.

BCF Wolfratshausen - Das Drama nimmt seinen Lauf: Mit Michael Rauch und Christian Duswald verlassen zwei weitere verdiente Spieler den BCF Wolfratshausen. Beide Routiniers üben harsche Kritik an der Spartenleitung.

Beide Spieler erklärten Spartenchef Dr. Manfred Fleischer nach der Partie am Samstag ihren Rücktritt. Am Montag verabschiedeten sie sich von der Mannschaft.“ Für die täte es ihnen „wahnsinnig leid“, sagt Rauch. Sie bräuchte in dieser schwierigen Situation zweifellos einige Stützpfeiler. Doch er und Teamkollege Duswald „können die Vorkommnisse der letzten Woche nicht mittragen“.

Seine Entscheidung hat sich Michael Rauch reiflich überlegt. Verständlich: Eine Dekade kickte er für den BCF, eine lange Zeit. „Es ist gewiss nicht einfach, nach zehn Jahren vom Verein wegzugehen“, versichert der 30-Jährige. Rauch war neben dem ebenfalls zurückgetretenen Lech Kasperek über Jahre die Zuverlässigkeit in Person. Keine Urlaube während der Saison, keine Allüren, immer voller Einsatz. Selbst an einem formschwächeren Tag Rauchs war der Spaß für seine Gegenspieler überschaubar.

Der 30-Jährige hätte in Wolfratshausen mutmaßlich bis zum Karriereende weitergemacht. Doch die Argumente für einen sofortigen Abschied wogen zu schwer. „Das ist nicht mehr der BCF, für den ich spielen möchte“, stellt der Kicker aus dem Werdenfelser Land klar. Er spielt damit auf die „Friss-oder-stirb-Aktion“ der Abteilungsleitung in der Causa Onur Misirlioglu an. Dass Spartenboss Dr. Manfred Fleischer den Einsatz des Innenverteidigers durchgedrückt habe, sei ein „No-go“ für sämtliche erfahreneren Spieler.

Kasperek, Oskar Kretzinger, Basti Pummer sind bereits gegangen, Rauch und Duswald ziehen nach, weitere Akteure könnten folgen, sie überlegen noch. Es gehe auch um Wertschätzung, sagt Rauch, und deshalb sei es „Wahnsinn, dass der Stellenwert vom Onur höher sein soll, als der vom Lech oder anderen verdienten Leuten“. Aufgrund der vielen Jahre, die er im Verein ist, nahm der 30-Jährige für sich in Anspruch, eine ähnlich wichtige Rolle zu spielen wie Kapitän Kasperek. Nun sei ihm bewusst, welchen Stellenwert er bei der Vereinsführung genieße – „nämlich keinen“.

Was Rauch besonders sauer aufstieß, war die Pressekonferenz nach dem Regensburg-Match. Er hätte sich von Manfred Fleischer eine „ausführliche Stellungnahme“ gewünscht. „Stattdessen ist alles heruntergespielt worden, um uns den Schwarzen Peter zuzuschieben.“ So nicht, sagt Rauch. Er lasse sich nicht vom Opfer zum Täter machen. „Die ganze Aktion ging von Herrn Fleischer aus, er allein muss die Konsequenzen tragen.“ Teamkollege Duswald bemängelt, dass der Spartenleiter nichts gegen die Rücktritte der Spieler unternommen habe. „Er bedauerte es nicht, hat es einfach so hingenommen. Typisch Politiker.“

Fußballboss Fleischer gab sich auf Nachfrage des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur einsilbig. „Wenn wir etwas zu erklären haben, werden wir es vermelden.“ Momentan sei dies nicht der Fall. „Das ist auch künftig unsere Linie.“ Worte, die Rauch und Duswald wütend machen. Fleischer glaube nach wie vor, dass seine Entscheidung „richtig für den Verein“ gewesen sei, mutmaßt Duswald. Dem Funktionär sei nicht bewusst, dass es dadurch „zum Schlimmsten“ kommen könne. „Was hier abgeht, hat mit Vereinsführung nichts zu tun.“

Rauch sieht das Kapitel Farchet für sich als beendet an. Es habe in der Vergangenheit stets ein familiärer Umgang im Verein geherrscht. „Dies war der Grund, warum viele Spieler so lange geblieben sind.“ Davon könne nun keine Rede mehr sein. „So wie der Verein das handhabt, wird es nicht funktionieren“, sagt Rauch. „Wenn ich merke, dass ich einen Fehler gemacht habe, muss ich irgendwann einlenken.“

Text:Oliver Rabuser

Kommentar

Was ist nur passiert mit diesem über Jahre so beschaulichen, skandalfreien Klub? Binnen einer Woche ist so viel kaputt gemacht worden, dass die Zukunft der BCF-Fußballer auf dem Spiel steht. Sogar Außenstehende sehen: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Fünf verdiente Spieler sind zurückgetreten; wichtige Helfer, die teilweise die Vereins-DNA in sich trugen, haben ihren Hut genommen; der Trainer, dessen Bindung an die Mannschaft nach nur wenigen Wochen der Zusammenarbeit sehr eng war, wurde entlassen. Weitere Kicker stehen vor dem Absprung.

Die Vereinführung, die das größtenteils zu verantworten hat, ist weiterhin geschlossen im Amt und tut so, als hätte sie alles im Griff. Hat sie aber nicht. Schon längst nicht mehr. Selbstreflektion? Fehlanzeige. Einsicht? Nicht vorhanden. Außendarstellung? Stark verbesserungswürdig.

Die Vorkommnisse der vergangenen Tage lassen sich nicht aussitzen, sie fordern Konsequenzen – auch in der Führung der Sparte. Was macht es so schwierig, für eine kolossale Fehlentscheidung die Verantwortung zu übernehmen? In der vergangenen Jahresversammlung hatte Spartenchef Dr. Fleischer nachdrücklich betont, dass dies seine letzte Amtszeit sei. Sie abzukürzen – darüber sollte er zum Wohle der Fußballabteilung nun ernsthaft nachdenken. Vielleicht lässt sich so noch etwas retten.

Oliver Rabuser

Quelle: fussball-vorort.de

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