Der ehemalige Hachinger im großen Interview

Sieghart: "Es ist ein großes Abenteuer"

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Alex Sieghart im Thailand-Shirt.

SpVgg Unterhaching - Alexander Sieghart über seinen Wechsel von Haching nach Thailand, Training bei 32 Grad und die WM-Qualifikation

Letzte Woche ist Alexander Sieghart, 21, von der SpVgg Unterhaching zum thailändischen Erstligisten Buriram United gewechselt. Im Interview spricht er über erste Erfahrungen in einer völlig neuen Fußball-Welt.

 

Andere fliegen nach Thailand in den Urlaub, Sie gingen dort zum Arbeiten hin, zum Fußballspielen – wie kam das zustande?

Das war eine ganz witzige Geschichte. Vor einem Jahr gab es die erste Anfrage bei meinen Beratern in der Schweiz – aber ganz ehrlich: Auf den ersten Blick nimmt man so einen Anruf aus Thailand nicht so richtig wahr. Danach versuchte es ein Kontaktmann über Hachings Torwart Stefan Marinovic, der ist Neuseeländer und hatte von daher eine Verbindung. Erst da wurde klar: Das ist ernsthaft.

Wie ging es dann weiter – man ist ja nicht so ad hoc im Bilde, was thailändischen Fußball betrifft . . .

Dieser Weg ist ungewöhnlich. Ich habe mit dem Berater gesprochen, und dann setzt du dich mal an dein Laptop und googelst. Es gibt ja zum Glück Online-Videos, und Erfolge hat der Klub auch aufzuweisen. Sie haben die Liga in den letzten Jahren ziemlich dominiert und auch bis auf die asiatische Champions League alle Cups gewonnen. Aber ich habe mich trotzdem gefragt: Sind sie auch wirklich professionell? Man ist ja in Europa andere Standards gewöhnt. Ich bin dann für eine Woche hingeflogen und kann sagen: Ich kann diesen Verein nur in den höchsten Tönen loben. Meine Mutter ist ja Thailänderin, sie hatte mir schon gesagt, dass es in ihrer Heimat mitunter etwas weniger geordnet zugeht. Aber Buriram United ist top organisiert. Der Präsident will den Fußball verändern, er investiert sehr viel, das merkt man dem ganzen Klub an. Sie suchen immer mehr Spieler aus Europa.

Wie hat der Präsident Sie überzeugen können?

Mit der Professionalität, die hier gelebt wird. Das ist mir wichtig. Ich habe große Ziele, will mich schnell für die thailändische Nationalelf empfehlen. Ich bin in Bangkok geboren, habe eine doppelte Staatsbürgerschaft und jetzt wieder einen thailändischen Pass beantragt. Ich sehe es als Ehre an, hier zu spielen – zumal es ja jeden reizt, international spielen zu können. Der asiatische Fußball ist immer mehr im Kommen, die Lebenserhaltungskosten sind in Thailand dazu auch nicht so hoch, und du bekommst eine große Wohnung und ein Auto. Das Paket passt also.

Gibt es weitere Ausländer im Team – ist man als Deutscher der Exot?

Es gibt Ausländer-Beschränkungen, aber wir haben zum Beispiel noch zwei Koreaner und zwei Portugiesen. Generell haben die Thailänder bisher eher in Südamerika gescoutet, nun aber suchen sie mit extra Datenbanken in Europa gezielt nach Spielern mit thailändischen Wurzeln.

Wie ging es bei Ihnen nach der Geburt in Bangkok nach München?

Mein Papa hat damals dort gearbeitet und meine Mutter kennengelernt. Als ich genau ein Jahr alt war, sind wir nach München gezogen. Seitdem war ich bisher leider nur mehr zwei Mal in Thailand, das letzte Mal mit sechs Jahren, also schon eine Weile her. Es ging nicht mehr, weil der Fußball zu viel Zeit eingenommen hat und meine Eltern der Meinung sind, nur für eine Woche so weit zu fliegen macht keinen großen Sinn.

Wie steht es um Thai-Sprachkenntnisse?

Meine Mutter hat es mir früher beigebracht, ich spreche es ein bisschen, habe es zwar ab dem Gymnasium vernachlässigt, verstehe aber doch recht viel. Es kommt wieder.

Andere träumen von der Bundesliga, von England, Spanien – war Thailand immer eine Option, wegen der Wurzeln?

Ich habe mich jetzt nicht intensiv mit der thailändischen Liga beschäftigt. Aber die Option Nationalelf ist sehr reizvoll. Vor Jahren gab es da erste Kontakte, doch ich habe zunächst alle Juniorenauswahlen beim DFB durchlaufen. Da hat es nicht geklappt, aber jetzt mit Thailand zum Beispiel eine WM-Qualifikation zu spielen, ist ein Traum.

Wie lange soll das Projekt Thailand laufen?

Ich habe für dreieinhalb Jahre unterschrieben. Ich schaue Schritt für Schritt. Zunächst muss ich mich erst mal eingewöhnen: Jetlag, die Hitze – wir trainieren, wenn die Sonne weg ist, und trotzdem hat es noch 32 Grad. Ich fühle mich aber von der ersten Sekunde an wohl. Allein schon der Geruch, als ich aus dem Flieger gestiegen bin, dieses besondere Flair – das hat sofort so Gefühle geweckt, die wohl tief in mir seit Babytagen geschlummert haben.

Was hat denn das Umfeld gesagt – gibt es jetzt Unmengen an Besuchanfragen? Thailand lädt ein.

Ich war zunächst skeptisch. Ich dachte: Da muss noch ein Haken kommen. Nach der einen Woche hier hatte ich aber ein super Gefühl, und als ich das zuhause erzählt habe, haben alle gesagt, ich soll es machen. Der Abschied von Haching ist mir trotzdem schwer gefallen, und natürlich werden viele Besuche anstehen. Die erste Zeit ist meine Mutter mit mir hier, sie ist eine große Hilfe. Sie wird aber wieder nach Hause gehen. Mein kleinerer Bruder Marcel, der beim TSV 1860 spielt, braucht sie mehr als ich.

Wann ist das erste Spiel mit Alex Sieghart?

Am Sonntag startet die Rückrunde, und der Trainer sagt, er plant da mit mir. Wir haben ein Heimspiel in unserem Stadion „Thunder Castle“.

Übersetzt: Burg des Donners. Da muss man es krachen lassen.

 

Auf jeden Fall. Ich sehe es so: Es ist ein großes Abenteuer.

 

Text: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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