Mega-Vorsprung auf die Konkurrenz

Eine Frage des Charakters: Haching muss Spannung halten

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Damit der Torjubel nicht zur Routine wird: Haching muss die Spannung für die Aufstiegsspiele hoch halten.

SpVgg Unterhaching - Herbstmeister ist die Haching schon. Und marschiert so souverän durch die Regionalliga, dass die Konkurrenz bereits zum Titel gratuliert. Der ist ihr auch kaum noch zu nehmen. Die Beine lässig hochlegen, geht nicht. Vor dem Aufstieg nämlich steht eine knallharte Relegation.

Für Manni Schwabl ist alles auch eine Frage des Charakters. Tadellos sei der gewesen im bisherigen Verlauf, den Präsidenten freut „die Entwicklung der Mannschaft“, schon drei Spieltage vor Saison-Halbzeit ist der SpVgg Unterhaching der Titel des sogenannten „Herbstmeisters“ in der Regionalliga Bayern nicht mehr zu nehmen. Der Vorsprung ist mit 14 Punkten sogar schon so groß, dass Uwe Wolf bereits zur Meisterschaft gratuliert hat. Wolf trainiert mit Wacker Burghausen eine jener Mannschaften, die vor Saisonstart als schärfste Konkurrenten genannt wurden, aber weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Wacker fehlen schon 21 Punkte auf Haching. Und da auch die Bayern-Amateure ihrer angedachten Rolle nicht gerecht werden, deutet nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass Wolf vielleicht voreilig gewesen sein könnte.

Von der Meisterschaft spricht bei den Bayern längst niemand mehr, Trainer Heiko Vogel benutzte nach dem jüngsten 0:0 gegen den FC Augsburg die Vokabeln „kläglich“ und „einfach schlecht“, als er auf seine Offensive zu sprechen kam. Und für die Münchner Junglöwen, die, da ein Spiel weniger, noch relativ am besten dastehen unter den „Verfolgern“, sei Platz eins ohnehin „nie ein Thema“ gewesen, so Trainer Daniel Bierofka. Die weißen Fahnen also sind gehisst.

Und genau das ist nun das Problem für Unterhaching. Die restlichen 20 Saisonspiele nur mehr ein reines Schaulaufen? Das könnte fatal sein, denn nach dem letzten Spieltag warten auf den Meister zwei knüppelharte Aufstiegsspiele, spätestens dann muss der Schalter umgelegt werden, wie es so schön heißt im Fußballjargon. Und dass das nicht so einfach ist, weiß Schwabl, schließlich war er selbst lange genug Profi. Nun also gibt er sich als Warner: Herbstmeisterschaft? „Interessiert mich wenig“, davon könne man sich nichts kaufen. Die Kunst ist, die Truppe nun bis in den nächsten Sommer auf dem hohen Level zu halten, das sie in den bisherigen 14 Spielen mit den zwölf zum großen Teil klaren Siegen erreicht hat. Man müsse, so Schwabl, „den Ball flach halten“, weiter auf der Hut sein, auch mit 38 Punkten ist „noch keiner Meister geworden“, warnt Trainer Schromm. Wohl aber auch kaum einer nicht Meister, der nach 14 Spielen diese Punktzahl erreicht hatte.

„Der wahre Charakter der Mannschaft wird sich zeigen, wenn es mal nicht mehr so gut läuft“, weiß Dominik Stahl, einer der erfahrenen Leistungsträger im Team. Es gelte also, weiter jedes Spiel anzugehen, als sei es das wichtigste, sich von Rückschlägen, die auch für Haching mal kommen könnten, nicht vom Kurs abbringen zu lassen, klar fokussiert zu bleiben auf das große Saisonziel, das am Ende nur Aufstieg in die 3. Liga heißen kann. Dafür reicht der Meistertitel nicht.

Wer steigt aus der Bayernliga auf?

Auch für den SV Pullach, gerade vorzeitig Herbstmeister der Bayernliga geworden, wird der Meistertitel allein am Ende nicht den Aufstieg bringen. Dort aber sind es die Probleme mit der Infrastruktur, die in den beiden letzten Jahren nicht gelöst werden konnten und auch im kommenden Frühjahr möglicherweise zum Verzicht führen. Schon dadurch ist die Konstellation in der Liga deutlich interessanter als eine Spielklasse höher, der Tabellenzweite, derzeit mit satten acht Punkten Rückstand auf Pullach, könnte zum Direktaufsteiger in die Regionalliga werden, nicht ausgeschlossen, dass sogar ein dritter, vierter oder fünfter Rang reicht. Denn von den Spitzenklubs kann nach derzeitigem Stand allein der SV Heimstetten die Auflagen locker erfüllen, Unterföhring, Pipinsried und auch Dachau stehen dagegen noch vor einer logistischen Mammutaufgabe. Das eröffnet selbst einer Mannschaft wie dem FC Ismaning, derzeit auf Platz neun, noch reelle Chancen auf eine Rückkehr in die Regionalliga.

Dass Meisterschaft nicht gleich Aufstieg bedeutet, ist nicht nur für Fußball-Traditionalisten ziemlich harter Tobak. Auch im fünften Jahr des Bestehens gilt das als der größte Schwachpunkt der fünfgleisigen Regionalliga. Wie schnell sich eine grandiose in eine missglückte Spielzeit verkehrt, mussten vor gut zwei Jahren die Bayern-Amateure erfahren, als ein fataler Fehlgriff des unglücklichen Torhüters Lukas Raeder in der Nachspielzeit den schon sicher geglaubten Aufstieg kostete.

So nah war Bayern der 3. Liga seitdem nie mehr, danach beherrschten erst der heutige Zweitligist Würzburger Kickers, dann der mächtig aufgerüstete Jahn aus Regenburg den Kampf um die Teilnahme an den Aufstiegsspielen. Und nun also die SpVgg Unterhaching, der Fachleute schon jetzt bescheinigen, mit Spitzenkräften wie Sascha Bigalke, Stephan Hain, Dominik Stahl oder Maximilian Nicu einen absolut drittliga-tauglichen Kader zu stellen.

Meister steigt nicht automatisch auf

Dass die Mannschaft auf dem Weg zum Titel noch zu stoppen ist, glaubt niemand mehr. Wohl nicht einmal Manni Schwabl, auch wenn er stets warnend den Zeigefinger hebt. Oder heben muss, um keinen Schlendrian einkehren zu lassen. Deshalb stellt er vor jedem Spiel die Charakterfrage, schaut genau, wer weiter alles gibt oder ob sich einer hängen lässt. Die Aufgabe, sich gegen einen der anderen Regionalliga-Meister (oder den Südwest-Zweiten) durchzusetzen, fordert in den letzten beiden Saisonspielen eine absolute Top-Leistung. Gegner könnte etwa der FC Carl Zeiss Jena werden, der die Regionalliga Nordost ähnlich beherrscht wie Haching die Regionalliga Bayern.

Dass am Ende Glück oder Pech über Erfolg oder Misserfolg einer ganzen Saison entscheiden, hält auch BFV-Präsident Rainer Koch als „Erfinder“ der Regionalliga Bayern nicht gerade für die ideale Lösung. Koch hat eine Aufstiegsrunde ins Gespräch gebracht, ähnlich wurden vor rund 50 Jahren die Aufsteiger in die Bundesliga ermittelt. Interessant auch der Vorschlag, die letzten Fünf der 3. Liga gegen die fünf Regionalliga-Meister antreten zu lassen, was aber das Problem, dass ein Meister nicht automatisch aufsteigen kann, auch nicht lösen würde.

Vielleicht wäre es für die SpVgg Unterhaching gar nicht so schlecht, würde sie zumindest gegen Ende der Regionalliga noch mal richtig gefordert. Jahn Regensburg, zu Beginn der letzten Saison ähnlich dominant wie jetzt Unterhaching, sicherte sich erst am vorletzten Spieltag den Meistertitel. Und setzte sich dann in den Aufstiegsspielen gegen Wolfsburg II durch. Diesmal aber scheint weit und breit keiner in Sicht, der den Hachingern die Meisterschaft noch mal streitig machen kann. Die schließlich aber zu einem Titel ohne Wert werden könnte.

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch im Münchner Merkur. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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