Nicht wie bei Badstuber am Krankenbett

Stahl freut sich auf Haching und ist von 1860 enttäuscht

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Andere Farbe, anderer Verein: Dominik Stahl.

SpVgg Unterhaching - SpVgg Unterhaching - Natürlich hat es wehgetan, „da brauchen wir nicht drumrum zu reden“, sagt Dominik Stahl. Nach zwölf Jahren beim TSV 1860 erfuhr er mittels einer Mailboxnachricht, dass er nicht mehr gebraucht werde.

Schade sei so ein Vorgang, sagt er, erst mit ein paar Wochen Distanz ist eine nüchterne Nachlese drin. Im ersten Moment war er emotionaler. „Ich habe mich wahnsinnig geärgert.“

Dominik Stahl, 27, spricht überlegt und ruhig, er galt immer als ein Spieler, der sich Gedanken macht, die nicht an den Kreidelinien des Platzes enden. Er hat nun keine Abrechnung mit den Löwen im Sinn – aber man wird mal sagen dürfen, wenn man enttäuscht ist. Er ist vielleicht „etwas naiv“ gewesen, sagt er, „so etwas wie Loyalität und Dankbarkeit kann man in der Branche einfach nicht erwarten“. Das schließt aber die Wahrung gewisser Stilfragen nicht ganz aus. Er hatte lange auf einen Bescheid gewartet, wie es weitergeht. Dann hatte er plötzlich das Servus auf der Mailbox. Mit 15 war er ins Internat der Löwen gezogen, lief später 123 Mal in der Zweiten Liga auf. „Mit Wertschätzung“, sagt er, „hatte das Ende nichts mehr zu tun.“

Dabei ist Stahl klar, warum seine Geschichte diesen Abschluss fand. „Es herrscht eine so hohe Fluktuation in der Führungsetage, Leute haben das Sagen, die wenig Historie im Verein haben.“ Beim FC Bayern sei das anders. „Da bekommt ein Eigengewächs wie Holger Badstuber noch am Krankenbett einen neuen Vertrag vorgelegt.“ Einfach, weil Verbundenheit bei den „Roten“ anders gelebt wird.

Zwölf Jahre bei den Löwen – wie hat sich der Verein entwickelt? „1860 dreht sich oft im Kreis“, sagt er, „es kamen so viele verschiedene Trainer, so viele Sportdirektoren, so viele Präsidenten – und so viele verschiedene Konzepte und Routen.“ So könne sich nur schwer Erfolg einstellen, findet er und zieht einen plakativen Vergleich: „Es wird immer wieder neu gesät, doch gleich beim ersten Sturm oder dem ersten Unwetter wird sofort alles wieder rausgerissen und neu umgepflügt – aber so kann ja nichts wachsen.“ Er überlegt, horcht noch einmal seinen Sätzen nach und korrigiert sich: „Das ist eigentlich kein Kreis bei 1860. Sondern ein Strudel. Es ging ja auch immer abwärts. Aus Fehlern wird leider nicht gelernt.“

Für Stahl geht es nun bei der SpVgg Unterhaching weiter. Er hatte Angebote aus höheren Ligen, aber seine junge Familie – heute wird sein Töchterchen acht Wochen alt – fühlt sich wohl in der Region um München. „Wozu sollte man krampfhaft seine Zelte abbrechen? So war ich nie, so bin ich nicht. Die Entscheidung für Unterhaching ist vielleicht atypisch, aber sie ist auch authentisch.“ Er hat sich den Schritt zum Regionalligisten gut überlegt, sich in Gesprächen mit Präsident Manfred Schwabl sowie Trainer Claus Schromm, der ihn schon bei den A-Junioren von 1860 formte, überzeugen lassen und nach Probeeinheiten festgestellt, dass „da viel Tempo im Team ist. Unterhaching ist ein sehr cooles, interessantes Projekt, und man kennt ja inzwischen einige verrückte Geschichten wie von Würzburg oder Darmstadt – hier ist sicher auch noch viel drin.“

Den Löwen drückt er dennoch weiter die Daumen. „Ich fühle mich ihnen verbunden, darum hat es ja so wehgetan“, sagt er. Ob für ihn das Motto „einmal Löwe, immer Löwe“ weiterhin gilt? Er grinst. „Naja, ich bin Sternzeichen Löwe – ich werde also immer Löwe sein.“ Aus sportlicher Sicht sieht es allerdings so aus: „Ich bin jetzt kein Löwe mehr.“

Text: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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