Ex-Löwen mit großen Zielen in Unterhaching

Stahl, Hain und die neue Freude

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Stephan Hain (l.) und Dominik Stahl sorgen bei der SpVgg Unterhaching für Furore.

SpVgg Unterhaching - Vor fünf Jahren hat Stephan Hain den FC Augsburg mit seinem Tor gegen den FSV Frankfurt in die Bundesliga geschossen, Dominik Stahl vor zwei Jahren viermal in Folge den Siegtreffer für den TSV 1860 in der 2. Liga erzielt. Hain und Stahl, beide 28, haben schon viel erlebt.

Aber neun Siege am Stück? „Nicht mal in der Jugend“, sagt Hain und auch Stahl kann sich nicht an eine derartige Serie erinnern. Es sei schon „der Wahnsinn“, was da derzeit abgeht mit der SpVgg Unterhaching, ihrem neuen Verein.

Natürlich ist ihr Weg von Skepsis begleitet gewesen, wer geht schon ohne Not aus der 2. Liga zwei Klassen zurück in die Regionalliga? Ist das schon der Abschied vom Profifußball? Der Abschied von großen Ambitionen? Dominik Stahl versteht die Frage nicht, will sie gar nicht verstehen: „Wir haben hier wieder Spaß am Fußball“, so gesehen sei das ein Schritt nach vorne. Auch hier in Unterhaching werde Fußball höchst professionell betrieben, „Videoanalysen sogar in der Halbzeitpause“ habe er bisher noch nicht gekannt. Ob er aber auch leben könne von dem, was er hier verdient? Klar, sagt er. Und lacht. Stahl wirkt zufrieden, höchst zufrieden.

Es läuft. Hinter ihm und Stephan Hain liegen keine einfachen Jahre. Mit 1860 haben sie beinharten Abstiegskampf hinter sich, zweimal in Folge, waren zudem geplagt von Verletzungen, „doppelt bitter“ sei das gewesen. Insgesamt nur 14 Punktespiele hat Stahl in den letzten zwei Jahren für die Löwen absolviert, 13 sind es bei Hain, nicht das, was man sich erträumt. Dazu kamen jeweils zwei Einsätze in der so knapp wie glücklich überstandenen Relegation gegen Holstein Kiel. Dass 1860 überhaupt noch diese Chance bekam, war auch Hain zu verdanken. Sein Last-Minute-Treffer gegen Bochum bewahrte die Mannschaft wohl vor dem direkten Abstieg. Es war sein einziges Tor in drei Löwen-Jahren, „das haben sich beide Seiten anders vorgestellt“, verwundert war er also nicht, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde: „Ich kam einfach nie richtig auf die Beine.“

Warum aber trifft er plötzlich wie am Fließband? Zehn Tore in sieben Punktspielen für Unterhaching, eine starke Quote, „dabei ist das Tor doch genauso groß wie in der 2. Liga“, witzelt Stahl. Hain relativiert, dass dort „die Gegner schon noch ein Stück besser waren“, nennt aber auch das tiefe Vertrauen, das ihm hier geschenkt werde. Deshalb auch hat er sich nach Wochen des Nachdenkens für die SpVgg entschieden: „Ich habe von Anfang an gemerkt, dass sie große Stücke auf mich setzen.“ Hain konnte sich vor Vertragsunterzeichnung vom Verein und dessen ambitioniertem „Projekt Aufstieg“ als Trainingsgast ein Bild machen, „ich dagegen kannte, als ich unterschrieb, die Mannschaft noch nicht so gut“, sagt Stahl. Sein Bauch aber signalisierte ein gutes Gefühl: „Ich wollte einfach wieder regelmäßig spielen“, aber auch in gewohnter Umgebung bleiben, der junge Familienvater schätzt die Lebensqualität von München. „Hätte Barcelona angefragt, wäre ich aber schon ins Grübeln gekommen“, scherzt er.

Nun aber sieht er Unterhaching nicht kurzfristig als Sprungbrett zurück in die obersten Ligen, „der Verein hat große Ziele, die will ich mit ihm erreichen“. Erst einmal die Meisterschaft einfahren, dann die schwierige Relegation bestehen, Erfahrung haben beide Ex-Löwen damit, nur soll es diesmal um den Aufstieg, nicht gegen den Abstieg gehen. Und nicht mit diesem immensen Druck, dem man bei einem Verein wie 1860 ausgesetzt ist: „Das ist medial der Wahnsinn, was dort abgeht“, sagt Stahl. Dagegen sei Unterhaching die reinste Wohlfühloase für ihn und den Kollegen Hain.

Auf recht unterschiedliche Weise sind sie in den Profifußball aufgestiegen, Stahl kam über den inzwischen üblichen Weg. Aus der Jugend der TSG Hoffenheim, „damals noch nicht in den höchsten Ligen“, ist der Junge aus dem Odenwald mit 15 ins Nachwuchsleistungszentrum des TSV 1860 gewechselt, „war natürlich nicht leicht in dem Alter, so weit weg von Zuhause“. Mit der U19 gewann er den deutschen Jugend-Vereinspokal, Trainer übrigens war Claus Schromm, heute sein Coach in Unterhaching. Stephan Hain dagegen, in Zwiesel aufgewachsen, spielte bis zum Ende der Jugendzeit bei der kleinen SpVgg Ruhmannsfelden. „Hat mir offensichtlich nicht geschadet“, grinst er. Immerhin spielte sein Verein in der Bayernliga der A-Junioren, dort fiel er Thomas Tuchel auf, damals in Augsburg. Und der lotste ihn zum FCA.

Vier Jahre später war er dort zum Helden geworden. „Ich stand halt da, wo ein Stürmer stehen muss“, gab er sich bescheiden, als er sich aus dem Menschenknäuel gelöst hatte, das ihn nach dem bis dahin wichtigsten Tor seiner Karriere unter sich begraben hatte. Stephan Hain hatte den FC Augsburg in die Bundesliga geschossen, „ein herrliches Gefühl“. Die Fußballwelt schien ihm offen zu stehen, 24-mal spielte er in der Folge erste Liga mit Augsburg, zwei Bundesliga-Tore schmücken seine Bilanz.

Einen Verein wie Unterhaching, eine Mannschaft wie die Truppe um den genialen Spielgestalter Sascha Bigalke, vielleicht haben Hain und Stahl genau das gebraucht nach den letzten bitteren Jahren bei den Löwen. „Es macht einfach riesig Spaß“, betonen beide, sind aber erfahren genug um zu wissen, dass sich der wahre Charakter erst zeigen wird, wenn mal nicht mehr ein Sieg nach dem anderen die Laune auf Höchsttemperatur hält. Gerade dann aber sind sie gefragt, den Jungen zu helfen, sie aufzurichten. Auch das ist ihre Aufgabe, schließlich sind sie nach Max Nicu, 33, die Ältesten im Team. Und das mit 28.

Das Projekt der SpVgg Unterhaching und ihres Präsidenten Manni Schwabl ist längerfristig angelegt, angepeilt wird nach der 3. möglichst die 2. Liga, „nur dort“, weiß Schwabl, „kann man wirtschaftlich auf Dauer überleben.“ Dafür braucht man Spieler und Charaktere wie Dominik Stahl und Stephan Hain, deshalb hat man ihnen längerfristige Verträge gegeben. Der Schritt zurück in die Regionalliga ist für sie nicht der Abschied vom Profifußball gewesen, sie wollen ein neues Kapitel aufschlagen. Und vor allem den Spaß am Fußball behalten.

FUSSBALL-AMATEURE Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

 

Quelle: fussball-vorort.de

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