VfR-Torjäger ist in der Regionalliga angekommen

Stefan de Prato: Von der Diva zum Teamplayer

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Trifft auch im Garchinger Dress: Stefan de Prato hat den Sprung geschafft.

VfR Garching - Torjäger sind gesucht. In allen Spielklassen. Trotzdem kickte Stefan de Prato bis zum Sommer für den kleinen TSV Moosach bei Grafing. Erst mit 25 wagte er den Schritt zum VfR Garching in die Regionalliga. Weil für den Familienmenschen alles passen muss. Nicht nur fußballerisch.

Wer wissen will, warum er so lange allen Anfragen höherklassiger Vereine widerstanden hat, der sollte mal nach Grasbrunn kommen. Im ersten Stock des Funktionsgebäudes am Sportgelände lebt die Familie de Prato und wer nicht gerade Eremit ist oder Kontakte scheut, fühlt sich hier wohl, muss sich wohlfühlen. Hier begegnen sich mehrere Generationen und es sind nicht nur die vielen de Pratos, auch deren Freunde gehen hier ein und aus. Hier trifft man sich, hier findet man Kontakt, hier feiert man, hier quatscht man. Am liebsten über Fußball. Die de Pratos sind eine große Fußballfamilie. Alle fünf Söhne kicken. Und alle fünf richtig gut.

Stefan, der Drittälteste, hat im letzten Jahr 38 Tore erzielt, in der Bezirksliga, für den kleinen TSV Moosach. So eine Qualität ist gefragt, auch in höheren Ligen. 25 musste er werden, ehe er nun den Schritt gewagt hat. Und eigentlich kam auch nur ein Verein in Frage, der von Grasbrunn aus erreichbar ist. Stefan braucht die Familie, seit der Trennung von der Mutter seiner kleinen Tochter lebt der Kfz-Mechatroniker wieder bei den Eltern, vier Tage in der Woche ist Mia bei ihm, „meine kleine Prinzessin“, wie er sie liebevoll nennt. Der Fußball ist nicht mehr alles für ihn. Aber noch immer ein zentraler Punkt in seinem Leben.

Probetraining unter Daniel Weber im Frühjahr

Vielleicht war es Francisco Copado, „ein guter Freund der Familie“, der den Anstoß gegeben hat, vielleicht auch sein Bruder Markus. Gemeinsam mit dem Ex-Profi Copado hat er im letzten Jahr den Aufsteiger Moosach trainiert, Stefan hat ihnen und sich selbst bewiesen, dass er nicht nur in Kreisliga und Kreisklasse treffen kann. Und im Frühjahr einfach mal angefragt bei Daniel Weber, ob er mal probeweise mittrainieren dürfe beim VfR Garching. Als er nach zwei Wochen den Trainer um ein ehrliches Feedback bat, sagte Weber: „Ich hätte ein schlechtes Gefühl, wenn ich dich nicht nehmen würde.“

Stefan gefiel der Verein, das Umfeld, das Familiäre, dass mit Florian sein ältester Bruder dort spielt, habe „nicht die entscheidende Rolle“ gespielt. „Ich habe alles selbst arrangiert. Und die Entscheidung allein getroffen.“ Bestärkt von Copado („du warst jetzt lange genug in Moosach“) und Markus („Mein Bruder hat mich quasi vom Hof gejagt“). Weil er spürte, dass der Zeitpunkt gekommen war. Und überzeugt war, dass Stefan auch in der Regionalliga mithalten kann.

"Ich galt immer als Diva"

„Die Umstellung war riesig“, Stefan hat hart an sich gearbeitet, einen Ehrgeiz entwickelt, dem man ihm in der Familie vor ein paar Jahren noch nicht zugetraut hätte: „Ich galt immer als Diva, bin aber älter und reifer geworden.“ Er musste viel lernen. Und hat viel gelernt: „In Moosach hat man mich halt vorne reingestellt, weil ich einfach lauffaul war.“ In Garching hat ihm Weber das richtige taktische Verhalten beigebracht, Stefan muss nun auch für die Mannschaft arbeiten, es reicht nicht mehr, nur im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, um das Tor zu machen.

Dass er diese Qualität aber auch in der Regionalliga nicht verloren hat, zeigen seine sieben Treffer in elf Spielen. Meist sind es noch Kurzeinsätze, die ihm Weber gibt, viermal aber stand er schon in der Startformation, auch „vor einer Megakulisse“ beim 1:0 gegen die Bayern, seine große Liebe. „Natürlich würde ich gern mehr spielen“, er akzeptiert aber, dass er sich gedulden muss. Die Konkurrenz im Garchinger Angriff ist groß, mit Manuel Eisgruber ist ein Stürmer gekommen, der Bayernliga-Erfahrung hat, Oliver Hauck spielt schon seit gut fünf Jahren in Garching. „Wir sind drei unterschiedliche Typen, Hauck ist brutal schnell, Eisi eiskalt vor dem Tor“, lobt Stefan.

Knoten platzt durch Dreierpack gegen Schweinfurt

Das aber ist auch er. Bewiesen nicht zuletzt in Schweinfurt. Gekommen beim Stand von 0:1, dann innerhalb von neun Minuten das Spiel zum 3:1 gedreht, dreimal Stefan de Prato. „Das erste Tor war glücklich, die beiden anderen gewollt.“ Kann man die Jokerrolle besser ausfüllen, wenn man nicht gerade Lewandowski heißt? „Im Bus bei der Heimfahrt ist dann die Post abgegangen“, schwärmt er von seinem bisherigen Highlight einer Garchinger Saison, die alle überrascht, selbst den Trainer. Nur Stefan offenbar nicht: „Gegen den Abstieg habe ich noch nie gespielt.“

Er sieht sich gut aufgenommen, hat mit Daniel Suck einen „richtig, richtig guten Freund“ gefunden, er fühlt sich pudelwohl in der Mannschaft, schwärmt vom Trainer, der ihm in kürzester Zeit „so viel beigebracht“ hat, vom Umfeld, den vielen ehrenamtlichen Helfern, die die Auswärtsfahrten akribisch vorbereiten: „Wenn wir noch im Bett liegen, sind die schon Stunden auf den Beinen.“ Alles fast schon professionell im Vergleich zu Moosach. Und doch so familiär. Das ideale Klima für Stefan, genau das braucht er, um seine Tore zu machen.

Vom Torwart zum Goalgetter

Daheim in Grasbrunn hängen an prominenter Stelle drei Urkunden, in den letzten drei Jahren wurde er von Erdinger Weißbräu als jeweils bester Torschütze seiner Liga mit 15 Kästen Weißbier belohnt. „Wenn ich das auch in der Regionalliga schaffe, beende ich meine Karriere“, hat er vor der Saison im Spaß gesagt. Natürlich weiß er, dass er hier gegen andere Abwehrreihen spielt und mit dem Unterhachinger Stephan Hain einen absolut übermächtigen Konkurrenten hat. Ihm gönnt er den Erfolg von Herzen, die de Pratos sind alte Hachinger, Stefan hat dort in der D-Jugend gespielt, als Torwart. Später in Grasbrunn wurde er zum Libero, in Kirchheim zum offensiven Außenspieler, erst in Moosach zum Goalgetter.

Der Abschied ist ihm schwer gefallen, „ich fühle mich immer noch als Teil der Mannschaft“, wann immer es geht, kommt er zu den Spielen. Und freut sich: „Ohne mich sind die noch besser.“ Moosach führt die Bezirksliga mit vier Punkten Vorsprung an, der nächste Aufstieg ist nicht unmöglich. Klar, dass Stefan dabei wäre bei der großen Aufstiegsfete, bei seinen Freunden, seinen Brüdern, seiner Familie. Wenn er davon spricht, leuchten seine Augen. Und dann erübrigt sich eigentlich die Frage, ob er nicht doch noch insgeheim vom Profifußball träumt.

Manchmal telefoniert er mit Copado, der erzählt ihm von seinem neuen Verein Watzenborn-Steinberg, einem Regionalligisten mit professionellen Rahmenbedingungen. „Paco hat schon mal anklingen lassen, dass er mich gerne holen würde.“ Dann aber stellt er sich vor, er säße dort allein in einem kleinen Zimmer, ohne seine Familie, ohne die Freunde, ohne Mia, seine Prinzessin.

Nein, Garching, das passt schon. Optimal. Hier hat er doch wirklich alles, was er braucht. Und Tore macht er auch.

FUSSBALL-AMATEURE Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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