Neuer Trend bei den Trainern

Viele kleine Nagelsmänner im Amateurfußball

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Junge Trainer wie Julian Nagelsmann (li.) sind im Trend.

München - Schon ist die Hälfte der Saison fast wieder vorüber, in den meisten heimischen Amateurligen beginnt am Wochenende bereits die Rückrunde. Bei einer Zwischenbilanz zeichnet sich ein ganz interessanter Trend ab: Die Trainer werden nicht mehr so schnell gefeuert – und immer jünger.

Die gerne zitierten Mechanismen des Fußballs sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Lange galt ja nicht nur bei den Profis das eherne Gesetz, dass bei Erfolglosigkeit ohne langes Zögern der Trainer gefeuert wird. Doch blickt man zur Hälfte der Saison auf den heimischen Amateurfußball, so lässt sich eine gewisse Gelassenheit erkennen. Und das irritiert. Schwer zu glauben, dass Vereine vernünftig geworden sein sollten, nicht mehr den Erfolg über alles stellen, den Erfolg um jeden Preis, auch auf Kosten der Identität.

Indizien aber deuten darauf hin. In der Regionalliga Bayern zu Beispiel gab es bisher ganze zwei Trainerwechsel, in Illertissen hat Holger Bachthaler selbst das Handtuch geworfen, in Bayreuth musste Christoph Starke gehen. Ungewohnte Töne dagegen aus Seligenporten, nachdem der Saisonstart des Aufsteigers mit null Punkten und 4:28 Toren nach sechs Spieltagen absolut desaströs war: „Der Abstieg wäre kein Weltuntergang“, sagte der Präsident. Und hält bis heute an Florian Schlicker fest. Eine Liga tiefer, beim BCF Wolfratshausen, hat sich der Vorstand zwar nach unüberbrückbaren Differenzen von seinem Trainer Patrik Peltram getrennt, dem Nachfolger Marco Stier aber mit auf den schwierigen Weg gegeben, dass es „auch ein Leben nach der Bayernliga“ gebe.

Bobenstetter sitzt in Buchbach fest im Sattel

In der Regionalliga steht selbst der abgeschlagene Tabellenletzte Bayern Hof weiter zu seinem Trainer, auch der Vorletzte Schalding-Heining. In Buchbach würde man sich „eher von Spielern als vom Trainer trennen“, so der Fußball-Chef Günther Grübl, der mit Anton Bobenstetter schon schwierigere Zeiten erfolgreich bestanden hat. Erstaunlich dagegen, dass man in Burghausen Uwe Wolf hält, obwohl der Vizemeister der vergangenen Spielzeit die damit geweckten Hoffnungen bei Weitem nicht erfüllt. Aber liegt das an Wolf? Nicht ohne Neid blickt der frühere Löwe nach Unterhaching, wo sein einstiger Mannschaftskollege Manni Schwabl einen Kader zusammengestellt hat, der mindestens drittligatauglich ist. „Mir aber ist vom Verein klipp und klar gesagt worden, dass für Verstärkungen die finanziellen Mittel fehlen.“

So also zieht Unterhaching einsam seine Kreise, auch weil die Bayern-Amateure wieder mal hinter ihren Ansprüchen zurückbleiben. Trainer dort ist mit Heiko Vogel ein Mann, der schon den FC Basel in der Champions League zum Sieg über Manchester United gecoacht hat und damit über alle Zweifel, die in manchen Fanforen schon geäußert werden, erhaben sein sollte. Schließlich ist er ja nicht nur U23-Trainer, sondern als Nachwuchskoordinator ein ganz wichtiger Baustein für die Neuausrichtung der zuletzt kritisierten Jugendarbeit des Rekordmeisters. Und dass es sich lohnen kann, an einem Trainer festzuhalten, beweist gerade der VfR Garching. Der ist in der vorletzten Saison aus der Regionalliga abgestiegen, Daniel Weber aber durfte dort die (schließlich erfolgreiche) Mission Wiederaufstieg selbst in Angriff nehmen. Und profitiert nun von seinen Erfahrungen aus dem Abstiegsjahr. Die Mannschaft spielt eine sensationelle Saison, der Coach des nun sogar Drittplatzierten schwärmt: „Die Tabelle ist ein Traum.“

Copado: Lieber Regionalliga statt Bayernliga

Eine gewisse Beständigkeit auf den Trainerstühlen ist auch in der Bayernliga zu erkennen. Neben dem erwähnten Wechsel in Wolfratshausen sind nur in Bogen und Gundelfingen nicht mehr die Übungsleiter im Amt, mit denen man in die Saison gegangen ist. Beim Aufsteiger FC Gundelfingen hat der einstige Unterhachinger Profi Francisco Copado von seinem ausgehandelten Recht Gebrauch gemacht, bei einem höherklassigen Angebot gehen zu dürfen. Der SC Teutonia Watzenborn-Steinberg ist nun zwar nicht der Nabel der Fußballwelt, als Aufsteiger aber immerhin Tabellen-zwölfter der Regionalliga Südwest. In Bogen wurde Benjamin Penzkofer zum Nachfolger des erfahrenen Sepp Beller. Und steht damit für einen kleinen Trend im Amateurfußball.

Penzkofer nämlich ist erst 25, wurde in der Jugend des TSV 1860 ausgebildet und spielte dort mit der U21 Regionalliga. Im Sommer beendete er seine aktive Karriere, sein von vielen Verletzungen geplagter Körper macht einfach nicht mehr mit. Gewisse Parallelen zu Julian Nagelsmann sind unverkennbar, natürlich aber wäre es zu hoch gegriffen, Penzkofer nun eine ähnliche Trainer-Karriere wie die des erst 29-jährigen Hoffenheimer Bundesligatrainers und Ex-Löwen zu prognostizieren. Im Amateurfußball aber gibt es inzwischen mehrere kleine „Nagelsmänner“.

Konny Höß als Vorreiter mit Tobias Strobl

Der FC Pipinsried hat damit gute Erfahrungen gemacht. Ob es bewundernswerter Mut oder doch eher Sparsamkeit war, die Konrad Höß auf diesen Weg gebracht haben, sei mal dahingestellt. Mit einem Spielertrainer, hat der Pipinsrieder Fußball-Boss immer betont, spare er sich ein Spieler-Gehalt. Und als er vor vier Jahren dem blutjungen, damals 24 Jahre alten Tobias Strobl sein Vertrauen schenkte, dankte der es mit drei grandiosen Spielzeiten, die den Dorfklub fast in die Regionalliga geführt hätten. Mit Nachfolger Ömer Kanca, bei Amtsantritt 25, hatte Höß weniger Glück, nun aber hat er mit dem erst 23-jährigen Fabian Hürzeler wieder einen guten Griff getan.

Nach schwierigem Start hat der frühere Löwe und einstige Bayern-Nachwuchsspieler Pipinsried zum Herbst-Vizemeister der Bayernliga Süd gemacht, was deshalb noch mehr wert ist, weil Spitzenreiter SV Pullach wohl wieder nicht wird aufsteigen können. „Die Regionalliga ist auch diesmal nicht drin, das wurde vor Saisonbeginn klar kommuniziert“, so Trainer Frank Schmöller, im Gegensatz zu Hürzeler einer der Trainer-Haudegen, die schon lange erfolgreich im Geschäft sind.

Brachtel mit 22 Trainer in Dornach

Inzwischen wagen sich auch andere Vereine an ganz junge Trainer. Bezirksligist SV Dornach vertraut dem erst 22 Jahre alten Florian Brachtel, Markus de Prato, 29, strebt mit dem TSV Moosach Richtung Landesliga, ein Verfolger ist der Kirchheimer SC mit Trainer Steven Toy, 28. Auch Marco Stier in Wolfratshausen ist erst 32, Tobias Strobl bringt gerade den SV Manching zurück in die Erfolgsspur.

Die junge Welle rollt. Und die Aussichten für die coachenden Twens sind so schlecht nicht. Denn gefeuert wird nicht mehr so schnell, die Vereine scheinen wirklich vernünftiger geworden zu sein. Was natürlich auch daran liegen könnte, dass dem Amateurfußball schlicht das Geld fehlt, für Lohnfortzahlung und Abfindung.

FUSSBALL-AMATEURE Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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