Die Zebras machen sich vom Acker

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Zwei Zebras gehen: Abteilungsleiter Marus Heiss (l.) hatte sein Amt im März abgegeben. Hans Wieser (r.), Stadionsprecher und Mädchen für alles, freute sich über das von der Mannschaft signierte Trikot.

TSV Eching - Gerade erst hat das Biergartenwetter begonnen, schon startet in Eching der Sommerschlussverkauf. Doch beim Angebot handelt es sich anstelle der sonst jahreszeittypischen Kleidung um gestandene Landesligaspieler auf der Suche nach einer neuen sportlichen Heimat. Denn die bisherige brach in den vergangenen Wochen wie ein Kartenhaus zusammen.

Nicht unkomfortabel eingerichtet im Landesliga-Mittelfeld; dazu eine angenehme (Arbeits-)Atmosphäre mit Mannschaftskameraden, die zum Teil Freundschaften schlossen. Tragende Säulen wie Marcus Heiss – bis zur Mitgliederversammlung im März als langjähriger Fußballabteilungsleiter bei den Zebras amtierend – oder Janis Hoffmann, gleich im ersten Jahr in neuer Rolle als Spielertrainer mit Assistent Dominik Dietz die Zielvorgaben seitens des TSV erfüllend, verliehen dem Konstrukt Stabilität. Es schien eine erstaunlich ruhige Saison an der Dietersheimer Straße zu werden.

Klar fielen hier und da Worte der Enttäuschung über die magere Punkteausbeute auf des Gegners Platz. Insgesamt überwog aber die Freude über das gute Abschneiden im Willi-Widhopf-Stadion. Das auch, weil es in der Vorsaison fast genau andersrum gelaufen war. Kapitän Michael Rödl prägte den Begriff „typisches Auswärtsspiel“, was bedeutet: „Nicht so schlecht gespielt, jede Menge Chancen vergeben und am Ende oft unglücklich verloren.“ In Eching hingegen strauchelten die Gäste – egal, ob der VfB Hallbergmoos, TSV Waldkirchen oder der SE Freising.

Der Glanz des ersten Derbysiegs nach fünf Jahren über den Landkreisrivalen verblasste nur wenige Tage später im Rekordtempo: Die inhaltlich an einigen Stellen gewiss nicht verkehrten Ansätze des neu gewählten Fußball-Chefs Rudi Schattauer fegten wie ein Orkan über Team und Trainer hinweg. Im Schnellverfahren wollte Schattauer neues Personal installieren: Gespräche mit verschiedenen potentiellen Neuzugängen wurden von ihm geführt, auch den Trainerstab betreffend hatte er Veränderungen im Auge. Mehr noch: Der bestehende Kader sollte sich umgehend mit den Planungen auseinander setzen – Bedenkzeit blieb kaum.

Bereits da luden sich anfängliche Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten durch „schlechte Kommunikation und eine fehlende klare Linie“, wie Heiss rückblickend feststellte, zu regelrechten Unwettern auf. Es gipfelte kurz vor Ostern in der Entlassung von Hoffmann, Dietz und Abwehrspieler Onur Misirlioglu, die Schattauer abends im Echinger Sportheim vor Zeugen aussprach.

Auf Nachfrage bei Bernd Hill, dem ersten Vorsitzenden des TSV, bestätigte dieser lediglich den Rauswurf von Co-Trainer Dietz ohne Nennung von Gründen. Hoffmann hatte indes bereits seinen Schlüssel abgegeben. 20 Stunden vor dem Anpfiff des Karsamstagspiels einigte man sich, doch mit dem Trio weiterzuarbeiten, und Schattauer sollte sein Amt bis zum Saisonende ruhen lassen.

Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, da natürlich noch keinerlei feste Verabredungen mit Trainerstab und Team für die Spielzeit 2014/15 getroffen waren. Spieler Askin Ünlü machte sich da bereits ernsthaft Sorgen: „Wenn der Rudi Schattauer nach 22 Tagen im Amt bereits so ein Chaos anrichtet, was passiert dann wohl im nächsten Jahr, wenn wir mal drei Spiele verlieren?“

Es verstrichen einige Tage, in denen schlichtweg nichts passierte, was für zusätzliche Unruhe bei der Mannschaft sorgte. Niemand aus dem Vorstand übernahm Verantwortung, um das bereits sinkende Schiff vor dem Untergang zu bewahren. Der Ton wurde rauer. Hill äußerte am 2. Mai (mittags) gegenüber dem Tagblatt, teilweise böse über E-Mails und Facebook-Nachrichten beleidigt worden zu sein, weshalb sich der Verein daher von einigen Spielern trennen wolle. Kein Wort davon (abends) gegenüber der Mannschaft. Vielmehr hieß es, mit allen weitermachen zu wollen.

Verhandlungen wurden aber weiter keine geführt. Auch blieb die Rolle von Abteilungsleiters Schattauer offen – mit ein Grund, warum Hoffmann seit vergangenen Montag nicht mehr zur Verfügung steht. Und auch fast der gesamte aktuelle Kader hat von der Situation die Nase voll und „will unter diesen Umständen nicht in Eching bleiben“ (Hoffmann). Lassen die Spieler den Ankündigungen Taten folgen, dann dürfte das Spiel heute (Anpfiff: 15 Uhr) bei Falke Markt Schwaben das letzte im Zebra-Trikot gewesen sein und der Verein nach dem Abpfiff ohne Landesligateam sein.

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Quelle: fussball-vorort.de

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