Gegner sind Japan, Österreich und Lettland

DEB-Team kämpft mit vier Münchnern um Olympia-Ticket

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Vorfreude auf Olympia: Nationalspieler Daryl Boyle vom EHC Red Bull München.

München – Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft kämpft ab Donnerstag in Riga im das Ticket für Olympia 2018. Ein Scheitern wie vor den Spielen 2014 soll sich nicht wiederholen.

Das Schlussbild damals, im Februar 2013 in Bietigheim, war: Die Österreicher fuhren in ihrem Mannschaftsbus ab, durch die Scheiben sah man sie feixen. Und selbstverständlich war zuvor auch noch der Begriff „Cordoba“ zu hören gewesen. Die Umkehrung wie die der Fußballhierarchien 1978 bei der WM in Argentinien hatte sich gerade auch im Eishockey vollzogen: In einem Viererturnier (Deutschland, Österreich, Italien, Niederlande) ging es um einen Startplatz für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi – und trotz deutschen Heimrechts holte ihn sich das kleine Österreich. Für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) bedeutete dies, dass er die Bühne Olympia verpassen würde, sich nicht mit den Profis aus der NHL vergleichen könne. Eine Katastrophe!

„Wir waren mental nicht vorbereitet“, erinnert sich Franz Reindl, damals als Funktionär ziemlich kaltgestellt, nun aber als Präsident der starke Mann im DEB. Bundestrainer bei der Qualifikations-Pleite von Bietigheim war Pat Cortina, der Italo-Kanadier. Große Vorwürfe will Reindl dem aber auch im Nachgang nicht machen: Cortina hatte eine Mehrfachfunktion, war Bundestrainer, sollte beim DEB auch die Sportdirektoren-Geschäfte führen und coachte zudem noch den EHC München. „Pat war bis Sonntag mit der Situation im Verein beschäftigt – und dann stand das Qualifikationsturnier an.“

So etwas soll nicht noch einmal passieren. Das ist der Vorsatz, wenn die Nationalmannschaft ab heute ins Qualifikationsturnier für Pyeongchang 2018 geht. Was die Aufgabe erleichtert: Bundestrainer ist seit einem Jahr Marco Sturm, er hat sich mit dem Erreichen des WM-Viertelfinales im Frühjahr bewährt, seine Truppe ist stark besetzt (darunter die Münchner Spieler Dominik Kahun, Daryl Boyle, Brooks Macek und Yannic Seidenberg), inklusive der NHL-Cracks Philipp Grubauer, Dennis Seidenberg, Christian Ehrhoff, Korbinian Holzer, Tom Kühnhackl, Leon Draisaitl, Tobias Rieder nominell noch stärker als bei der WM. Was die Aufgabe erschwert: Das Turnier findet in Riga statt. „Die lettischen Fans kennen wir von früheren Weltmeisterschaften“, erinnert sich Sturm an seine Spielerzeit, „sie werden wie ein Mann hinter ihrem Team stehen“. Und: Auch Lettland und Österreich haben Zugriff auf ihre NHL-Spieler. Lediglich Japan ist mit niemandem in der besten Liga der Welt vertreten, die ihren Betrieb erst im Oktober aufnimmt.

Gegen Japan geht es am Donnerstag (14.30 Uhr/Sport1 live) los. Die Japaner sind international nur noch drittklassig und versuchen sich unter dem ehemaligen deutschen Nationalspieler Greg Thomsen (2014/15 DEL-Trainer in Augsburg) an einem Neuanfang. Zur Vorbereitung spielte das Nippon-Team in Deutschland. Resultate: jeweils 1:3 gegen Straubing und Augsburg, 1:5 in Köln, 1:2 n. V. gegen Düsseldorf.

Österreich, der Gegner am Freitag (14.30 Uhr): Muss die Absage seines besten Manns, Thomas Vanek, hinnehmen – doch wegen des neuen Trainers Alpo Suhonen und des Derby-Faktors lassen die Deutschen Vorsicht walten. Und Lettland (Sonntag, 17 Uhr): Ein Auf-Augenhöhe-Gegner. Aber: „Heimvorteil schafft auch Druck“, meint Marco Sturm. Dem jungen Trainer und General Manager vertraut Reindl voll und ganz: „Marco hat für neue Emotionen gesorgt. Ich spüre die Bereitschaft der Spieler.“

Befeuert wird sie durch die anstehenden Termine: Im Mai 2017 ist die WM nach sieben Jahren wieder in Deutschland (in Köln), das Heimturnier wollen traditionell alle spielen, und im Februar 2018 wäre das Olympia-Turnier in Südkorea. Ob die NHL pausiert und sich wie seit Nagano 1998 die Regel an Olympia beteiligt, ist noch offen.

Kommt es zu keiner Einigung der NHL mit den Pyeongchang-Organisatoren, dann könnten auch die jetzigen deutschen NHL-Spieler nicht dabei sein, doch das blenden sie vor der Qualifikation aus. Olympia ist für sie einfach nur großartig, und die, die schon länger dabei sind, rufen ihre schönsten Erlebnisse von Salt Lake City (2002) bis Vancouver (2010) ab. Vom „Leben im Olympischen Dorf“ (Ehrhoff) über „Spiele gegen USA und Russland“ (Seidenberg) bis zu Ausflügen in die jeweilige Stadt, wie Marcel Goc, inzwischen nach Beendigung der NHL-Karriere in Mannheim aktiv, erzählt: „In Vancouver, wo Eishockey alles ist, wurde jeder Spieler erkannt.“

Wird in Südkorea eher nicht passieren. Trotzdem: Man will hin.

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