Besucherschwächste Zeit des Jahres

Darum macht sich der EHC München rar auf dem Eis

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Neu trifft auf alt: Abwehr-Zugang Derek Joslin (l.) mit David Leggio, Torhüter des Meisterteams.

München - Der deutsche Eishockey-Meister macht sich auf eigenem Eis zu Saisonbeginn rar. Der Grund dafür ist in München einfach.

Auf der Tribüne der Olympia-Eishalle sitzt lediglich Manager Christian Winkler – dennoch glühen an der Decke die Wärmestrahler, als wäre tiefster Winter. Aber das muss so sein, weil sich sonst Nebelschwaden über der Eisfläche bilden und das Training erschweren würden. Ja, das Münchner Eishockey hat gestern, am 1. August, den Betrieb wieder aufgenommen. Und die Zielsetzung ist ja klar: Wer Deutscher Meister ist wie der EHC, der will es auch bleiben.

Weil das deutsche Eishockey seine nordamerikanische Prägung nicht leugnen kann, sagt man zur Woche, in der die ausländischen Spieler eintreffen: „The boys are back in town“. Und es sind im Wesentlichen die gleichen Jungs wie im Vorjahr, die für den EHC auflaufen werden. 21 Spieler aus dem Meisterkader zählen zum Aufgebot für 2016/17, das ist ein Zeichen für außergewöhnliche Kontinuität, die in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sonst kein Klub bieten kann – trotzdem gibt es Neuerungen.

Toni Söderholm wechselt in den Trainerstab

Vor allem die Abwehr erlebt einen Einschnitt. Der finnische Verteidiger Toni Söderholm wechselte in den Trainerstab, das war so geplant gewesen, doch dass man mit den in den Playoffs starken Jeremy Dehner und Frederic St-Denis keine Einigung über neue Verträge erreichte, wertet Trainer Don Jackson „als Überraschung“. Die Weiterverpflichtung des spielstarken Dehner galt „als Priorität, doch irgendwann enden Verhandlungen mal“. Dehner hatte wohl auf einen Job daheim in Nordamerika spekuliert (was sich aber nicht ergab) und taucht nun bei den Wolfsburg Grizzlys auf; St-Denis ist noch ohne Verein. Die Ersatzleute: Derek Joslin (Nürnberg) und der 40-jährige Deron Quint, der früher bei den Eisbären Berlin schon für Jackson und seit 2009 bei russischen Klubs spielte. „Zuletzt“, so Jackson, „war er Kapitän einer jungen Mannschaft“.

Nicht losbekommen hat man Richie Regehr, in den Playoffs überzähliger Ausländer. Der Abwehr-Routinier, nach längerer Verletzungspause in eine Schwächephase geraten, ließ seine Ausstiegsoption, die er bis 31. März für einen ausländischen Verein hatte, verstreichen.

Die Unter-25-Fraktion des EHC hatte bereits einige Skating-Camps in der Red-Bull-Akademie in Salzburg zu absolvieren, da begann die neue Saison schon kurz, nachdem die alte geendet hatte.

EHC geht der besucherschwächsten Zeit aus dem Weg

In München macht sich der EHC in den kommenden Wochen rar. Nächste Woche hat er zwei Testspiele in der Schweiz, in der Champions League startet er auswärts; die beiden Heimspiele gegen Fribourg/Schweiz und Znojmo/Tschechien folgen am 6. und 9. September. In der DEL finden fünf der ersten sechs Spiele auf fremdem Eis statt. Bis auf das Selbstläufer-Heimspiel gegen Augsburg (25. September) geht der EHC der besucherschwächsten Zeit des Jahres, wenn das Oktoberfest läuft, aus dem Weg.

Stürmer Frank Mauer sieht das pragmatisch: „Es sind ja trotzdem 26 Heim- und 26 Auswärtsspiele, wie man sie aufteilt, ist nicht entscheidend.“ Und während er die erste Trainingseinheit bei 130 Watt auf dem Fahrradergometer beschließt, versichert er, „dass so eine Meisterschaft die Gewissheit gibt, dass man brenzlige Situationen meistern und Rückstände umbiegen kann“.

Trainer Don Jackson nennt den krummen Spielplan „eine Herausforderung“. Aber er sieht auch die Chance: Wenn man gut über die erste Phase komme, „kann das einen Schub geben“.

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