„ZSKA Moskau, was für ein Spaß!“

EHC-Neuzugang Quint: Ich wollte nur zu Jackson wechseln

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Der alte Mann und das Eis: Deron Quint sagt: „Ich genieße noch immer jede Sekunde.“

München - EHC-Neuzugang Deron Quint ist 40 und in der Welt rumgekommen, die vergangenen sieben Jahre als Exote in Russland. Wir trafen ihn zum Interview.

Groß verändert hat sich die Mannschaft des EHC München nicht. Bemerkenswertester der wenigen Neuzugänge ist Deron Quint. Der Verteidiger ist 40 und hat in der NHL, in Italien, der Schweiz, der DEL und die vergangenen sieben Jahre in Russland gespielt.

Deron, Sie gehen in Ihre 24. Profi-Saison...

Deron Quint: ... und das fühlt sich gut an. Ich liebe es, jeden Tag aufs Eis zu gehen, die Jungs zu treffen, in jeder Minute. Ich fühle mich jung, mein Körper ist intakt.

Hat man mit 40 nicht Gedanken ans Aufhören?

Quint: Fragt mich jeder. Ich weiß, dass irgendwann die Zeit kommt, in der das nicht mehr geht. Doch ich versuche, so lange zu spielen wie möglich.

Es ist zu hören, es habe einen internen Sprintwettbewerb gegeben. Sie gegen einen der jungen aufstrebenden Spieler des EHC.

Quint: Das war am Sonntag, ja. Der Junge war verdammt schnell, aber ich habe ihm gezeigt, dass die Alten auch Schlittschuh laufen können. Ich habe gewonnen.

Interessantester Punkt in Ihrer Vita ist, dass Sie seit 2009 in Russland gespielt haben, überwiegend für Traktor Tscheljabinsk. Was hat Sie dorthin verschlagen?

Quint: Viele sagten mir, die KHL sei die zweitbeste Liga der Welt. Das wollte ich ausprobieren und bin hin. Das Eishockey war großartig, ich habe es genossen, darum bin ich so lange geblieben.

Da sind sicher auch komische Sachen passiert.

Quint: Jeden Tag. Das ist eine andere Welt. Gewisse Sachen, an die wir gewöhnt sind wie etwa Wasser aus der Leitung zu trinken, gehen in Russland halt nicht. Oder dass im Winter – und sie haben dort richtige Winter – die Straßen nicht geräumt und gestreut werden, das muss man halt hinnehmen. Ich kann es aber jedem Eishockeyspieler nur raten, diese Erfahrung zu suchen.

Waren Sie der einzige Nordamerikaner in Ihrem Team?

Quint: Glücklicherweise nicht. Michael Garnett, der Torhüter, war auch da, das hat geholfen. Trotzdem musste ich Russisch lernen, denn die ersten beiden Trainer, die ich hatte, sprachen kein Englisch. Ich habe das schnell geschafft.

Wie haben die russischen Spieler Sie behandelt? Beide Seiten sind ja aufgewachsen mit dem Gefühl des Kalten Krieges, und der wurde lange auch im Eishockey gelebt.

Quint: Es ist schwer, die Russen richtig kennenzulernen, aber wenn man das erst mal geschafft hat, merkt man, dass das großartige Menschen sind. Nach ein paar Monaten war ich mit ihrer Kultur vertraut. Ich habe mich angepasst, und sie haben mich als einen der ihren akzeptiert.

Wahrscheinlich der Höhepunkt: Sie, der Amerikaner, spielten für das berühmte ZSKA Moskau, den Zentralen Sportklub der Roten Armee, früher gleichbedeutend mit der sowjetischen Nationalmannschaft.

Quint: Das war ein Spaß, mein Jahr in Moskau! Vier Monate spielte ich für Spartak, dann bekam der Klub Geldprobleme, und ich bin hinüber zu ZSKA gewechselt. So viel Geschichte trifft man nirgendwo. Man braucht sich nur die Trikots anzuschauen, die da aus vergangenen Zeiten hängen, von all den legendären Russen. Sergej Fedorow war unser General Manager. Und Moskau ist eine unglaubliche Stadt, definitiv eine der besten der Welt.

Bilder aus der Kabine: EHC heiß auf den DEL-Start

Waren Sie alleine dort oder mit Familie?

Quint: Sowohl als auch. Meine Kinder sind auch zwischendurch nach Russland gekommen, ich wollte, dass sie sehen, dass es in der Welt auch andere Kulturen gibt.

Jetzt sind Sie in der DEL. Von 2005 bis 2009 haben Sie bereits für die Eisbären Berlin verteidigt, dabei zeitweise auch Don Jackson als Trainer gehabt. Hat er sie nach München gezogen?

Quint: Ich weiß, was für ein Typ Coach, was für eine Art Mensch er ist, ich habe es geliebt, für ihn und für Berlin zu spielen. Im Januar hatte ich entschieden, dass ich Russland verlassen würde. Ich habe meinen Agenten angerufen und gesagt, der einzige Ort, an den ich wechseln will, ist der, an dem Don ist. Also war das eine leichte Entscheidung.

Konnten Sie die DEL von Russland aus überhaupt verfolgen?

Quint: Ich habe mich bei Freunden aus Berlin erkundigt und auch meinen Agenten gefragt. Ich weiß, dass Berlin, Mannheim und wir großartige Teams haben, dass Wolfsburg im Finale stand und Kölns Kader sehr gut aussieht. Das wird also schon ein schweres Jahr.

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