Olympiahalle als Wendepunkt der Meister-Saison

EHC-Rückblick: Ein langer Weg mit Höhen und Tiefen

+
Das grandiose Ende einer wahren Achterbahn-Saison: Der EHC Red Bull München ist Deutscher Meister 2016.

München - Für den in den Playoffs souveränen EHC Red Bull München schließt sich mit dem Titel der Kreis nach 74 Spielen. Wir blicken zurück auf den Saisonverlauf.

Es ist vollbracht, der EHC München Deutscher Meister. Es war ein langer Weg – sagt man feierlich zu einem solchen Anlass. Es ist keine Floskel, es ist Tatsache – schon weil die Mannschaft ganz schön zu tun hatte: Das vierte Finalmatch war das 74. Spiel in dieser Saison. Wie sie verlief:

Aufarbeitung

Die vorangegangene Saison endete katastrophal: Viertelfinal-Aus als Favorit, 0:4-Serie gegen Wolfsburg, kein Heimtor in den beiden Spielen. Vorteil des frühen Aus: Das EHC-Management konnte zeitig beginnen, den Kader umzuplanen. Schon ein paar Wochen später rund ums Finale Mannheim – Ingolstadt tuschelte die Liga bereits über eine Münchner Transferoffensive. Leute mit NHL-Format würden geholt, Tormonster aus der American Hockey League (AHL), Spieler vor allem, die schon Titel gewonnen haben. Denn Leadership, so glaubte man, habe der alten Truppe gefehlt.

Es geht schnell im Eishockey: Viele Namen aus der Truppe von 2014/15 sind fast schon vergessen. Garrett Roe, Grant Lewis, Florian Hardy, Evan Brophey, David Meckler, Jon Di Salvatore, Toni Ritter, Andy Wozniewski.

Andeutungen

Eistraining hatte der EHC bereits, als noch niemand an den Winter dachte. Bereits im Juli rückten die Spieler in der Red-Bull-Akademie bei Salzburg ein. Vorbereitungsspiele machte sie nur zwei. Bemerkenswert, dass sie gleich 4:1 beim Schweizer Spitzenteam Genf, immerhin ein Gewinner des Spengler Cup, 4:1 gewann. In die Pre-Season gehörte auch die Gruppenphase der Hockey Champions League. Gegner: Klagenfurt. Kosice. Vier Spiele, vier Siege, lockere Stimmung. Michael Wolf wundert sich, als er nach dem 4:2-Auftaktsieg in Kosice und einigen Fernsehinterviews in die Kabine kommt und er, obwohl Dreifach-Torschütze, von allen ignoriert wird. Scherz, Absprache: Als der Käpt’n stutzt, brandet der befreiende Applaus auf.

Der EHC München zeigt, dass er immer zu Toren fähig ist. Nur am 6. Oktober versagt er. Das Sechzehntelfinal-Rückspiel zuhause gegen Lukko Rauma aus Finnland verliert er mit 0:3 und scheidet aus. Im Hinspiel hatte er in letzter Minute zweimal getroffen, eine 3:5-Niederlage sah nicht hoffnungslos aus. Doch unterm Strich hatte München in Europa nichts zu bestellen.

Aussetzer

Meistermacher der alten Schule: Don Jackson, Coach des EHC München.

In der DEL erwischt der EHC immer wieder schwache Drittel. So kommt es, dass er den Straubing Tigers, die seine Fans immer „Straubingen“ nennen, viermal unterliegt; auch das erste Derby gegen Augsburg gerät nach einem 0:3-Rückstand verloren (im Penaltyschießen). Trainer Don Jackson wettert über verschlafene erste Drittel oder den Tatbestand, dass eine Führung zu Beginn des Schlussabschnitts nicht reicht. Ein Mehr an Schüssen hat der EHC aber immer. Daraus bezieht Jackson auch Gelassenheit. Problem sind halt Verletzungen: Frank Mauer, Starzugang von Meister Mannheim, fällt von Beginn an mit einer Schultersache aus, Yannic Seidenberg steht ebenfalls Monate nicht zur Verfügung. „Seine Verletzung ist ein Rätsel“, sagte Jackson. Später dann, als Seidenberg spielen konnte: „Ich habe ihn hier noch nie so stark gesehen.“

Auf und Ab

Der EHC erlebt Frust: Fünf Wochen in Folge (bis Mitte Dezember) wechseln sich Sieg und Niederlage stetig ab. Die Mannschaft sitzt um Tabellenrang sieben herum fest. In der Liga fällt das Urteil: Klickt noch nicht beim EHC, vielleicht ist auch die große Zeit des Trainers vorbei. Als innovationsfreudig gilt Don Jackson nicht. Er steht für die „old school“.

Auftrieb

Die Halleluja-Spiele tun dem EHC gut. Am 26. und 28. Dezember hat er Event-Partien in der großen Olympiahalle, besiegt Augsburg und Berlin. Der EHC wird konstanter, bewegt sich Richtung Platz eins, hat ihn kurz, verliert ihn wieder an Berlin und greift ihn sich erneut und endgültig, obwohl er die letzten zwei Heimspiele verliert (gegen Straubing und Wolfsburg, seine späteren Playoff-Rivalen). Doch Don Jackson ist guten Mutes: „Wir werden Meister, weil wir dafür trainieren.“

Abrechnung

Straubing im Viertelfinale – Rache für die vier Saisonniederlagen. Köln – der Halbfinalgegner war müde gespielt, als er auf den EHC traf. Schließlich Finale gegen Wolfsburg: Die Vorsaison-Geschichte begradigt. Der Kreis eines Jahres ist nun geschlossen.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

EHC gewinnt Topspiel in Mannheim - aber Sorgen um drei Spieler
EHC gewinnt Topspiel in Mannheim - aber Sorgen um drei Spieler
Kantersieg! EHC schießt Düsseldorf aus der Halle
Kantersieg! EHC schießt Düsseldorf aus der Halle
EHC-Youngster Kastner: Die Details sind entscheidend
EHC-Youngster Kastner: Die Details sind entscheidend
Das sind die EHC-Spezial-Trikots für die Olympiahalle
Das sind die EHC-Spezial-Trikots für die Olympiahalle

Kommentare