So verschlug es ihn nach München

EHC-Neuzugang Flaake: "Ich bin kein angenehmer Spieler"

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Jerome Flaake wechselte aus Hamburg zum EHC Red Bull München.

München - Wie es Jerome Flaake von Hamburg nach München zu den Red Bulls verschlug. Die Alternative war ein Job in der russischen Liga.

Jerome Flaake und seine frühe München-Erfahrung – kein Erfolg. Er war 18, und er hatte sich bei einer Casting-Show beworben.„Welche war es gleich wieder? DSDS? Nein, das andere. Popstars, glaube ich.“ Mit drei Kumpels war er nach München gereist, um vorzusingen – wobei es für ihn von vornherein ein Jux war. Zum Vortrag gebracht hat er „Herbert Grönemeyer: Der Weg“. Ein Song mit Anspruch. „Und schön“, sagt er. „Doch die Juroren haben mein Talent nicht erkannt. In der Vorauswahl war Schluss.“

So ist Jerome Flaake eben nicht Popstar geworden, dafür aber, was ja auch vorgezeichnet war, Eishockeystar. 26 ist er inzwischen, Nationalspieler und seit ein paar Wochen beim EHC München, der das erste Wochenende der Punktspielsaison (1:3-Niederlage in Köln, 5:1-Sieg in Wolfsburg) hinter sich gebracht hat. „Wenn ein Angebot vom EHC München kommt“, sagt Flaake, „sagt man nicht Nein“.

Der Stürmer gehörte zu jenen Spielern, die von der Abmeldung der Hamburg Freezers betroffen waren. Neben Christoph Schubert war er der Hauptakteur bei der Aktion, die das Projekt retten sollte. „Viel Geld haben wir gesammelt“, sagt er, über eine Million Euro waren es, „aber es wurde nicht angenommen“. Der Eigner, die amerikanische Anschutz-Gruppe, wollte Eishockey in Hamburg nicht mehr tragen. Die Spender erhielten ihren Beitrag zurück. Jerome Flaake hatte sich so schön eingewöhnt in sechs Jahren im Norden. „Dann bist du innerhalb von vier Tagen arbeitslos und machst dir Sorgen, weil die Kader der anderen Klubs zu und die Etats ausgeschöpft sind.“

Er hat seinen Agenten angerufen: Was gibt’s, wo kann ich spielen? „Erste Option war das Ausland, die KHL.“ Russische Klubs hatten Angebote abgegeben für Jerome Flaake, der seit seinen Nachwuchszeiten in Augsburg und Königsbrunn ein Spieler war, dessen Entwicklung viele interessiert verfolgten. „Ich bin ein Powerforward“, sagt er über sich, „ich mache es dem Gegner in seiner defensiven Zone schwer, ich bin kein angenehmer Spieler“. Der EHC München wollte ihn.

Mit Flaakes (Aus-)maßen von 1,90 Meter und 92 Kilo kann man auch in der NHL landen. 2008 hatten ihn die Toronto Maple Leafs gedraftet, in der fünften Runde. „Zweimal war ich drüben zum Trainingscamp“, erzählt Flaake, doch zu einem Engagement ist es nicht gekommen. Nach drei Jahren verfiel die Verpflichtungsoption der Kanadier, und erst von da an kam Flaakes Karriere in der DEL in Fahrt. Seit seiner zweiten Saison in Hamburg, 2011/12, lieferte er verlässlich zweistellig Tore und Assists.

Im Mai hat er seine erste WM gespielt, bei der Olympia-Qualifikation in Riga gehörte er nicht zum deutschen Nationalteam, zu viele NHL-Spieler standen zur Verfügung. „Die Entscheidung des Bundestrainers akzeptiere ich“, sagt er – und ist bereit, sich neu anzubieten über Leistung im Verein.

Die alten Hamburger Kollegen und er, sie kommunizieren miteinander. Man tauscht sich aus: „Wie ist es im neuen Klub?“ Bei Flaake alles okay: „Egal, mit wem ich in München in einer Reihe spiele: Es ist immer ein guter Spieler.“

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