E will dabei sein, wenn die Handschuhe fliegen

Abeltshausers Titel-Motivation: "Das Sahnehäubchen fehlte"

München – Konrad Abeltshauser, Verteidiger des EHC München, will eine Saison „mit Sahnehäubchen“ erleben. Das fehlte ihm in der Meister-Saison - das soll jetzt anders werden.

Sein rechter Oberarm erzählt viel über Konrad Abeltshauser. Wie viele Männer in seinem Alter und wie viele Mannschaftssportler hat der 24-Jährige sich großflächig tätowieren lassen. Doch bei ihm findet man keine Totenköpfe, Stacheldrähte, Monster, sondern: Heimatmotive. Inklusive Kirche. Die Inschrift: „Gott segne dieses Haus.“

„Ich habe es mir in Kanada stechen lassen“, erzählt Konrad „Conny“ Abeltshauser, „und in Amerika sind ein paar weitere Details dazugekommen. Es hat jetzt alles Heimatliche dabei, was mir wichtig ist. Es ist superschön geworden.“

Tätowiert - als Huldigung an die Heimat.

Kanada, USA – das sind Stationen des Eishockeyspielers Abeltshauser gewesen. Des Tölzers, der in die große NHL wollte und schon mit 17 hinübergegangen ist. Bis zur American Hockey League (AHL), in der all die Farmteams spielen, ist er gekommen, weiter nicht. Darum hat er im vergangenen Winter gespürt, „dass es mich wieder heimzieht“. Zum EHC München ist er gewechselt in der Endphase der DEL-Vorrunde. „Da bin i net nur nah dahoam – da bin i dahoam“, sagt er. Er ist das bayerischste Element des Klubs, der, weil er zum Red-Bull-Konzern gehört, ein Retorten-Image hat und Gesichter und Stimmen braucht.

Heute um 19.30 Uhr in Köln (live auf Sport1) geht Konrad Abeltshauser in seine erste komplette DEL-Saison. München ist Titelverteidiger, der Abwehrspieler Abeltshauser somit auch – doch da ist diese kleine Einschränkung: In der Finalserie hat er nicht gespielt. Nicht spielen können. Zur Unzeit erlitt er eine Knieverletzung im Training, es folgte eine Operation, er konnte nur an Krücken gehen. „Mit genug Schmerzmitteln“ hat er sich aber am 22. April in den Fanbus gesetzt, der nach Wolfsburg fuhr. „Ich hatte ein Gefühl, dass die Jungs gut drauf sind.“ Er hat dann mit der Mannschaft gefeiert, die mitgereisten Anhänger mit Bier versorgt, er ist stolz gewesen, erkannte aber auch, „dass das Sahnehäubchen fehlte, wenn man selbst nicht im Finale spielen kann“.

Seine Vision ist es nun, „auf dem Eis dabei zu sein, wenn beim letzten Spiel der Saison die Handschuhe durch die Luft fliegen“. Wie vor knapp fünf Monaten in Wolfsburg. Am Sonntag (16.30 Uhr) gastiert der EHC in der dortigen Arena, er steigt mit einer Serie von drei anspruchsvollen Auswärtsspielen in die Saison ein.

Die Krücken zur Seite gestellt: Konrad Abeltshauser bei der Meisterfeier mit dem EHC München.

Dass er mit Verletzung für die entscheidenden Wochen ausgefallen war, hat Abeltshauser „den ganzen Sommer als Motivation genommen, um schneller und besser zurückzukommen“. Am Ende der Saison könnte nicht nur der neuerliche Titelgewinn mit dem Verein stehen, sondern auch die Heim-Weltmeisterschaft mit der Nationalmannschaft. Ohne die Kniegeschichte hätte er schon gute Chancen gehabt, zur WM 2016 nach Russland zu fahren. Jedenfalls: Im Sommerlehrgang in Füssen gehörte er zum erweiterten Kader.

Bilder aus der Kabine: EHC heiß auf den DEL-Start

Dort hat Konrad Abeltshauser auch Tom Kühnhackl wiedergetroffen, den deutschen Stanley-Cup-Sieger. Zu Jahresbeginn waren sie beide AHL-Spieler, häufig sind sie mit ihren Klubs gegeneinander angetreten. Kühnhackl erhielt dann überraschend die Chance in der NHL (Pittsburgh Penguins), seine jahrelange Ochsentour wurde belohnt – während Abeltshauser aufgab. Zu früh? „Man ist nahe dran und doch weit weg“, beschreibt er die Situation. „In die Köpfe der Trainer und Manager kann man nicht hineinschauen und weiß daher nicht, wo man wirklich steht.“

Kühnhackl ist ein alter Weggefährte von Abeltshauser, „wir haben zusammen in der bayerischen Auswahl und in den U-Nationalmannschaften gespielt, ich war immer überzeugt von ihm. Ich hoffe, dass er so weitermacht und sich festbeißt.“ Kühnhackl drüben so wie Abeltshauser hier.

Rubriklistenbild: © GEPA Pictures

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