Historische Meisterschaft mit dem EHC

Michael Wolf: Meisterschaft und "MVP" für den Oldie

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Karriere gekrönt: Michael Wolf machte während den Playoffs viele große Spiele.

Wolfsburg – Michael Wolf war der prägende Mann für den EHC Red Bull München bei den Playoffs und entscheidend für den Gewinn der Meisterschaft. Dabei war er lange angeschlagen.

Der Puck schlug ein. Links im Gesicht. Alles schwoll an. Michael Wolf ist das passiert, in einem Spiel kurz vor den Playoffs. Der Arzt schaute ihn fast schon bedauernd an, er hatte seine Erfahrungen mit Eishockeyspielern. Jeremy Dehner war mal in ähnlichem Zustand gekommen, der Münchner Verteidiger. Diagnose bei Dehner damals: Kieferbruch. Er fehlte über Wochen.

Wenn das auch Wolf passiert wäre – nicht auszudenken. Es hätte dann geheißen: Die Playoffs und er, sie gehören einfach nicht zusammen. In neun Jahren mit Iserlohn hatte Wolf nur sieben Playoff-Spiele erlebt, verteilt auf zwei Jahre. Sonst waren die Sauerländer nie dabei, obwohl sie ihn hatten: den verlässlichen Torjäger, den wohl komplettesten deutschen Spieler in der DEL. Mit dem EHC München erlebte er dann im Vorjahr ein Desaster, das Viertelfinale ging 0:4 verloren.

Michael Wolfs Backe war also furchtbar geschwollen gegen Ende der diesjährigen Hauptrunde, doch der Arzt konnte nach den üblichen Untersuchungen entwarnen: Nichts gebrochen, Spiel frei. Und nun machte Wolf Playoff-Partien endlich im Überfluss. Mit Schmerzen, aber beflügelt. 14 Partien, acht Tore. Bevor die Mannschaft des EHC am Freitagabend in Wolfsburg im Regen goldenen Konfettis den DEL-Pokal ausgehändigt bekam, wurde erst einmal Wolf versorgt: mit der Auszeichnung für den MVP. Den Most Valuable Player, den wertvollsten Spieler der Serie.

„Ich bin stolz, dass ich ihn auszeichnen durfte“, sagte Verbandspräsident Franz Reindl, der Wolf noch in seinen Anfängen bei der Nationalmannschaft erlebt hatte: ein Spätstarter, erst mit 24 in die DEL gekommen, zuvor in der 2. Liga unterwegs gewesen. „Er war lange ein unterschätzter Spieler“, sagt Reindl über den Füssener (der über der Grenze in Österreich geboren worden ist), „für mich war er aber immer eine Führungspersönlichkeit – ohne dass er als Lautsprecher aufgefallen wäre“. Im Eishockey sagt man über den Stil von Leuten wie Wolf: „Leading by example“. Einfach ein gutes Beispiel abgeben, ohne großes Aufhebens darum zu machen.

MVP – Glückwunsch. „Ach“, wehrt Wolf ab, „der Titel ist schön, aber er geht an die Mannschaft“. Es ist der Satz, den man von ihm erwartet. „Ich bin einfach nur glücklich, dass wir das Ding gewonnen haben.“

Seine Karriere ist mit 35 nun rund geworden. Er hat für dieses Jahr alles gegeben, sogar seine Nationalmannschafts-Karriere geopfert. Nach der letzten WM war Michael Wolf zurückgetreten, auch das Sommerhobby Inline-Hockey mit Germering hat er eingestellt. Alle Energie für den EHC München. „Ja, ich hatte diese Saison weniger Spiele – dafür waren’s jetzt zum Schluss wieder mehr.“

Franz Reindl bedauert es, dass Wolf dem Nationalteam nicht mehr zur Verfügung steht: „Michi macht jede Mannschaft besser, jeder Wechsel von ihm ist ein Genuss.“ Er schlägt vor, „dass Marco Sturm und er mal telefonieren“. Ein Scherz. Reindl weiß, dass die Entscheidung von Wolf steht. „Die Nationalmannschaft hat genug junge Spieler, die nachkommen“, findet der Stürmer.

Wolf ist der bekannteste Spieler des EHC München, einem Verein, dem in der Liga die Herzen nicht zufliegen. Der unprätentiös-freundliche Wolf ist da außen vor, bei seinem Ex-Klub Iserlohn wird er nach wie vor verehrt. Und andernorts wird seine Klasse anerkannt. Eine Reizfigur wie Steve Pinizzotto – auch wichtig für den EHC und stark in den Playoffs – wäre als MVP nicht vermittelbar gewesen.

Wobei: Am Ende dieser Saison hatten die Münchner doch tatsächlich ein paar Wolfsburger Herzen gewonnen. Die jungen Anhänger der im Finale unterlegenen Grizzlys wurden mit Red-Bull-Meistermützen versorgt. Der EHC hatte reichlich von ihnen produziert und gab sie gerne aus den Händen.

Sie waren das Most Valuable Souvenir.

Von Günther Klein

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