Angeblich 20 Millionen Interessenten

DEL mit neuen Medienpartnern: Was kommt auf das Eishockey zu?

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Kann losgehen: Für Meister EHC München stehen die Arbeitsgeräte bereit, die Operation Titelverteidigung beginnt am Freitag in Köln.

München - Die DEL startet – diesmal mit veränderten Medienpartnern. Deutsche Telekom und Sport1 treten an die Stelle von Servus-TV und LaOla1. Was kommt auf das Eishockey zu?

München – Die Kunst im Eishockey ist es, den Fans glaubhaft zu machen, dass jedes Jahr ein ganz besonderes, unvergleichliches sein wird.

Gernot Tripcke, der Geschäftsführer und Chef der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), kann das, und so hat er auch für 2016/17 herausgearbeitet, warum dies ein „riesengroßes Eishockey-Jahr“ sein wird. Weil das Qualifikationsturnier fürs Olympiaturnier 2018 war (mit einer mitreißenden deutschen Mannschaft), weil wieder sechs deutsche Teams in der Champions League vertreten waren (drei von ihnen in der nächsten Runde stehen, dem Sechzehntelfinale), weil im Mai 2017 Heim-WM ist (in Köln) - und weil ein neues Fernsehzeitalter anbricht.

So sehen Fans die DEL live in TV und Live-Stream

Wobei: Der Begriff Fernsehen ist ja relativ heutzutage. Zwar wird die DEL statt wie in den vergangenen vier Jahren fortan regelmäßig bei Sport1 im frei empfangbaren TV auftauchen, doch die eigentliche Neuerung bringt der Vertrag mit der Deutschen Telekom. Die bietet über die diversen Endgeräte (Smartphone, Tablet, PC, Fernseher) das, was sie schon beim Basketball seit zwei Jahren Angebot hat: alle Spiele. Im Eishockey können es bis zu 419 sein. Vor nichts wird zurückgeschreckt, auch die vermutlich strahlkraftarmen Partien wie Bremerhaven – Schwenningen oder Krefeld – Straubing soll es in voller Länge geben, in HD-Qualität, in Szene gesetzt mit mindestens sechs Kameras, mit Kommentator. Zugangsberechtigt: gratis die ersten zwei Jahre alle, die Kunden bei der Telekom sind (Ausnahme: über Prepaid-Handys). Für alle anderen gibt es Jahresabos oder ein Monatsticket.

Ist halt die Frage, was ein Konzern wie die Deutsche Telekom sich von diesem Engagement erwartet. Frage man nach Zahlen und danach, ob der Vertrag mit der DEL eine Staffelung je nach Zugriffen auf die Streams enthalte, ist die Antwort ausweichend. Über Vertragsinhalte dürfe man nicht öffentlich Auskunft geben. Und wie viele Leute beim Basketball zusehen? „Bei einzelnen Spielen hatten wir über 100.000“, sagt Henning Stiegenroth, Leter Sportmarketing bei der Telekom. Und das Minimum? „Es gibt Fans in jeder Region, die ihren Verein im Free-TV nur selten finden.“ Die hätten schon im Basketball dafür gesorgt, dass die Zahlen „besser sind, als man so denkt“. Eine konkrete Angabe ist das aber nicht.

Telekom: "20 Millionen Deutsche sind Eishockey-interessiert"

Natürlich hat die Telekom Marktforschung betrieben, bevor sie eingestiegen ist. Ergebnis: „20 Millionen Deutsche sind Eishockey-interessiert“, sagt Henning Stiegenroth, „fünf Millionen bezeichnen sich als sehr interessiert“. Bisherige Einschaltquoten untermauern die Telekom-Daten aber nicht. Deutscher Rekord sind immer noch die 9,99 Millionen Zuschauer bei den Olympischen Spielen 1994, als im Viertelfinale die deutsche Nationalmannschaft im Penaltyschießen gegen Kanada stand. Die hohe Zahl erklärte sich jedoch auch dadurch, dass es in der Endphase des Spiels 20 Uhr schlug und schon das Tagesschau-Publikum einschaltete.

Jedes Spiel live verfügbar – ob die DEL sich darauf wird einstellen müssen, dass die Ränge in den Stadien lichter besetzt sein werden? Gernot Tripcke glaubt das nicht, er sieht in der TV-Präsenz den Weg, „die breite Masse anzufüttern“. Im Fußball habe man gesehen: Es wird immer mehr live übertragen – und die Nachfrage steigt. Mittel- bis langfristig erwartet Tripcke für die DEL einen Anstieg der Zuschauerzahlen in den Stadien.

DEL: Zu viele Vereine schreiben rote Zahlen

Das Eishockey ist Hand- und Basketball weiterhin voraus bei den wichtigsten Daten (Zuschauer, Etats) – und doch keine gesunde Liga, wie das WDR-Magazin „Sport Inside“ zum Auftakt der neuen Saison berichtet. Kaum ein Verein schreibe schwarze Zahlen, 52 Prozent der Einnahmen müssten für die Gehälter der Spieler aufgewendet werden. Achtzehn Klubs haben in der Geschichte der DEL (sie wurde 1994 gegründet) bereits aufgeben müssen; diesen Sommer erwischte es die Hamburg Freezers. Ihr Ersatz sind die Fischtowns Penguins alias Bremerhaven, langjähriger Zweitligist.

Bilder aus der Kabine: EHC heiß auf den DEL-Start

Was in der DEL immer funktioniert: Spannend ist sie. Es gibt nicht den einen ausgewiesenen Favoriten wie im Fußball die Bayern, vier bis sechs Teams haben Meisterpotenzial, doch in den vergangenen Jahren haben auch spitzenmäßig ausgerüstete Klubs sich oft schwer getan, erst einmal in die Playoffs zu kommen. Und die schreiben dann auch spezielle Geschichten. Wie 2014 den Sturm des ERC Ingolstadt von Vorrunden-Platz neun zum Titel in einer epischen Sieben-Spiele-Finalserie gegen die Kölner Haie.

Die Sommerpause ist vorbei, alle Vereine haben sich gesammelt, die zuletzt erfolglosen neu aufgestellt. Die Hoffnung währt im Eishockey eben ewiglich: Dass das nächste Jahr das bessere wird. Das besondere, unvergleichliche.

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