EHC-Urgestein in Abschieds-Interview

Maurer: Darum verlasse ich den EHC nach sechs Jahren

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Da ist das Ding! Uli Maurer stemmt den Pott nach seiner ersten Meisterschaft mit dem EHC.

München - Uli Maurer sagt nach sechs Jahren servus - als Meister. Vorher spricht er im tz-Interview über den großen Triumph mit dem EHC München, die Beweggründe und seine Zukunft.

Mit 31 Jahren durfte Stürmer Uli Maurer endlich den Meisterpokal der DEL in die Höhe stemmen - und danach war Schluss für das EHC-Urgestein. Der Garmischer wechselt für zwei Jahre nach Schwenningen. Die tz sprach mit ihm über den Abschied.

Herr Maurer, Sie haben zwar wenig gespielt, aber nach zwei Finalpleiten endlich den Titel gewonnen. War das Jahr 2015/16 eine runde Sache?

Maurer: Der Titel war eine runde Sache, die Zeit davor war nicht einfach, da bin ich ganz ehrlich. Für einen Profisportler ist es nie toll, wenn man nicht die Einsatzzeit bekommt, die man sich erhofft.

Haben Sie die Argumentation des Trainerstabs verstanden?

Maurer: Das wird kurz angesprochen, argumentiert wird nicht. Man schaut auf den Kader, sieht, dass man nicht dabei ist und muss das akzeptieren.

Guardiola und Müller lassen grüßen.

Maurer: Das ist eine andere Größenordnung. Aber letztlich ist es egal, ob bei den Profis oder in der Kreisliga, irgendeinen trifft es, das Ergebnis ist das gleiche, du spielst nicht.

Der Titel muss doch entschädigen, es war wahrscheinlich…

Maurer: …meine letzte Chance, außer es passiert noch ein Wunder, das ist mir klar. Selbst mit einer guten Mannschaft hast du keine Garantie, das hat diese Saison wieder gezeigt. Einige Mannschaften, die etwa unseren Etat hatten, sind vor oder früh in den Playoffs gescheitert. Bei uns hat die Rollenverteilung gepasst.

Wann war klar, da geht was?

Maurer: Anfangs waren wir nicht konstant genug, weil wir ein neu zusammengewürfelter Haufen waren, die Spiele in der Olympiahalle, die vielen Duelle in der Weihnachtszeit, das hat uns zusammengeschweißt. Spätestens nach dem Hauptrundensieg wussten alle, was möglich ist.

Sie waren sechs Jahre hier, waren Sie der Integrationsbeauftragte?

Maurer: Klar wusste ich, wie es im Verein läuft und wo man gewisse Dinge abholt. An freien Tagen bin ich den Jungs immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Natürlich habe ich ihnen auch meine Heimat Garmisch-Patenkirchen und Umgebung empfohlen, den Nordamerikanern hat es dort immer gefallen. Klar, die Alpspitze, den Eibsee, das muss man als Münchner Eishockeyspieler auch gesehen haben, ist ja nur eine Stunde entfernt. Die Stadt und die Umgebung, da ist München einer der besten Standorte, und wenn erst noch die neue Halle dazukommt…

War das ein Thema in der Mannschaft?

Maurer: Eigentlich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Red Bull das Projekt langfristig ohne eine neue Halle aufrechterhält. Red Bull ist immer auch Eventisierung, nicht nur Sport.

Kleine Geografiefrage: Liegt Nürnberg Ihrer Meinung nach schon außerhalb des Weißwurstäquators?

Maurer: Ja, das ist gefühlt ein anderes Bundesland, die meisten Menschen dort wollen auch gar nicht zum südlichen Bayern dazugehören. Aber meine Zeit in Nürnberg war sehr schön. Das heißt, mit meinem Wechsel nach Schwenningen überquere ich den Weißwurstäquator nicht zum ersten Mal.

Kommen Frau und Töchterchen Hanna mit?

Maurer: Ja, meine Frau ist wieder schwanger, wir verlagern unseren Lebensmittelpunkt aus Garmisch nach Schwenningen. Ich bin sehr froh, dass sie mich unterstützt und freue mich auf die Veränderung. Ans Aufhören habe ich nämlich noch nicht gedacht, dafür macht mir Eishockey noch viel zu viel Spaß. Ich fühle mich fit und erhoffe mir wieder mehr Eiszeit. In München wurden wir gut entlohnt, wenn auch nicht höher als bei den anderen Topmannschaften. Aber ich habe gemerkt, dass ich ein glücklicherer Mensch bin, wenn ich zwar weniger verdiene, dafür aber ein größerer Faktor in der Mannschaft sein kann.

Wollte der EHC mit Ihnen verlängern?

Maurer: Ich weiß es nicht. Bisher habe ich immer bis zum Ende der Saison gewartet, diesmal mit Frau und Kind, habe ich ein paar Wochen vorher nachgefragt. Es kam kein klares Bekenntnis. Ich bin lange genug im Geschäft, da spürt man, ob man dazugehört oder nicht.

Treffen Sie in Schwenningen auf alte Bekannte?

Maurer: Der Brückner Beni spielt da, den kenne ich aus seiner Münchner Zeit. Und den Trainer natürlich.

War bei Ihrer Verpflichtung klar, dass…

Maurer: …nein, nein, da muss ich gleich einhaken. Ich war zuerst fix in Schwenningen, Pat (Cortina, Ex-EHC-Coach, d. Red) kam erst danach.

Hier finden Sie den Spielplan zur Eishockey-WM 2016 in Russland.

Interview: M. Müller

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