Streifzug durch die Historie

FC Bayern als Comic: Mit wem sich der Zeichner besonders schwer tat

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Das Titelbild zeigt wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte des FC Bayern: Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Gerd und Thomas Müller, sowie Bastian Schweinsteiger (von links nach rechts), auch in der Realität mit Henkelpott.

München - Die Geschichte des FC Bayern ist lang und geprägt von Erfolgen, aber auch von nicht so goldenen Zeiten. Comiczeichner Sascha Dreier hat die gesamte Historie auf über 60 Seiten in einem Buch verewigt. 

Vor 116 Jahren nahm Alles seinen Anfang. Im Münchner Stadtteil Schwabing wurde am 27. Februar 1900 der FC Bayern München gegründet. Weil die Fußballabteilung des MTV München sich nicht dem Verband Süddeutscher Fußball-Vereine anschließen durfte, gründeten Sie kurzerhand im Weinhaus Gisela ihren eigenen Verein, eben jenen FC Bayern. 

So beginnt auch der Comic, den Zeichner Sascha Dreier angefertigt hat. Auf 64 Seiten erzählt Dreier, der durch seine Günter-Hetzer-Kolumne in der Zeitschrift "11 Freunde" bekannt wurde, die Geschichte des deutschen Rekordmeisters mit den wichtigsten Etappen. "Die Bayern Story" erschien vor kurzem im "Verlag Die Werkstatt" und schildert den Weg des erfolgreichsten deutschen Fußball-Vereins von der Gründung über die erste Meisterschaft 1932 bis hin zur heutigen Dominanz der Bundesliga. Uns hat Dreier erzählt, wie es zur Idee des Comics kam, wie seine Sicht auf den FC Bayern heute ist und welche Figuren ihm besonders Kopfzerbrechen bereitet haben. 

Auf die erste Meisterschaft folgt die harte Nazi-Zeit

Sascha Dreier wurde in Oldenburg geboren und wuchs in der Nähe des städtischen Stadions auf. Mit seinem Stiefvater besuchte er oft Spiele des VfB und kam so mit dem Fußball in Berührung. Später wurde er Fan von Borussia Mönchengladbach. Seit 20 Jahren zeichnet Dreier nun Comics, 2009 veröffentlichte er die Geschichte des österreichischen Fußballers Matthias Sindelar. Da der Verlag diese Zeichnungen kannte, wurde Dreier gefragt, ob er nicht auch einen Comic über die Historie des FC Bayern machen könnte. Nach anfänglichen Zweifeln, begann Dreier dieses Projekt. Nach gut einem Jahr Arbeitszeit ist der Comic nun fertig. 

Alle wichtigen Eckdaten der Vereinsgeschichte sind enthalten. Bevor es zum Meistertitel 1932 kommt, wird aber noch erzählt, wie der große Bayern-Präsident Kurt Landauer den Verein zu einem der größten deutschen Klubs formte. Doch die erste Hochzeit wird jäh unterbrochen. Mit dem Beginn des Dritten Reiches geht es mit dem FC Bayern schnell bergab. Ein weltoffener Verein mit einem jüdischen Präsidenten passt den Nationalsozialisten nicht so recht in ihr Weltbild. Hohe Funktionäre werden deportiert und ermordet, Präsident Landauer kann in die Schweiz flüchten und entkommt somit den Schergen der Nazis. 

Als der Krieg vorbei ist, kehrt Landauer zurück und legt dann einen wichtigen Grundstein für den späteren Erfolg. Durch seine Hartnäckigkeit spricht die alliierte Militärverwaltung dem FC Bayern ein Grundstück an der Säbener Straße zu, an der bis heute die Heimat der Roten ist. Auffallend hier ist der Übergang von der Schwarz-Weiß-Zeichnung in die Farbzeichnung, zuerst noch mit matten Farben. Je näher der Leser der Gegenwart jedoch kommt, desto kräftiger werden die Farben.

Prost, ihr Bayern! Die Roten kleiden sich für die Wiesn ein

Dreier vom FC Bayern während der NS-Zeit fasziniert

Die große Mannschaft der 70er-Jahre. Jeder Spieler, und auch Trainer Lattek, sind mit einem unverwechselbaren Merkmal versehen.

Diese Phase der Münchner hat Dreier besonders beeindruckt. Kurt Landauer setzte immerhin sein Leben aufs Spiel, um sein Herzensprojekt am Leben zu erhalten und legte sich später sogar mit der amerikanischen Militärregierung an. Hier will der Zeichner auch ein Zeichen an die Jugend setzen: "Wenn Kinder oder Jugendliche meinen Comic lesen und dann sehen, 'oh der Klub hatte eine harte Zeit während des Faschismus', dann setzen sie sich vielleicht stärker mit diesem wichtigen Thema auseinander. Durch die intensive Beschäftigung mit der langjährigen Historie des heutigen Rekordmeisters, ist Dreier um so mehr vom Aufstieg des FCB beeindruckt: "Der FC Bayern war dort, wo alle anderen Vereine auch mal waren, nämlich ganz unten. Sie waren auch nicht von Beginn an Teil der Bundesliga, das beweist, was dort für tolle Arbeit gemacht wurde." Dass sich die Bayern ihren gesamten Erfolg über Jahrzehnte hart erarbeitet haben, könne jeden, der Mitte der 80-Jahre oder früher geboren ist, zum Bayern-Fan machen.

In den 70er Jahren erreicht der Klub einen vorläufigen Höhepunkt. Drei Meisterschaften und ebenso viele Titel im Europapokal der Landesmeister holen die Roten mit ihrer goldenen Generation. Für diese große Mannschaft hat Dreier ein eigenes Bild angefertigt. Wen erkennen Sie aus diesem großen Team (s.o.)? 

Lahm und Guardiola bereiten Kopfzerbrechen

Erst muss sich Pep Guardiola an Bayern gewöhnen, dann die Bayern an ihn.

Nach den turbulenten 80er- und 90er-Jahren, beginnt die nationale Dominanz der Münchner. Auf zwei ganzen Seiten findet sich dann der 19. Mai 2012. Das sogenannte "Drama dahoam" tut dem Bayern-Fan selbst jetzt noch in der Seele weh. Doch dafür entschädigt die Triple-Saison 2013, denen Dreier sogar vier wunderbare Seiten widmet. Anschließend wird auch die Amtszeit von Pep Guardiola noch groß aufgerollt. Seine Eigenarten werden den Fans noch eine Zeit lang im Kopf bleiben. Doch ohne Triple bleibt der Katalane für immer unvollendet. Dieses Ziel soll nun Carlo Ancelotti mit den Bayern erreichen. Der italienische Genießer wartet im Bild links Spagetti essend und mit Weinglas in der Hand auf seinen Einsatz. 

Pep Guardiola konnte die Bayern nicht zum Champions-League-Triumph führen. Das soll nun Carlo Ancelotti schaffen.

Doch wer war eigentlich am schwersten zu zeichnen? "Ganz klar Philipp Lahm und Pep Guardiola. Sie haben keine markanten Gesichtszüge wie Olli Kahn oder Stefan Effenberg, die waren relativ einfach. Lahm und Pep haben mir da schon ordentlich Kopfzerbrechen bereitet. Auch Kurt Landauer war nicht einfach, von ihm existieren nicht viele Fotos. Auch Franz Beckenbauer war mit seinem verändertem Aussehen nicht gerade einfach. Gleiches galt eigentlich auch für Uli Hoeneß, doch der gelang Dreier wieder besser. Den Ex-Präsidenten des FC Bayern findet der Zeichner auch ganz nett: "Wenn ich bedenke, was Uli Hoeneß für den FC Bayern getan und geleistet hat, finde ich ihn eigentlich ganz sympathisch."  

Alles in allem ist der Comic eine ausführliche und mit Humor (immer wieder werden Merkmale und Macken einiger Personen gezeigt) gestaltete Geschichte des größten deutschen Fußball-Klubs. Ganz am Anfang und am Ende finden sich noch Zeichnungen von Gerd und Thomas Müller als Westernhelden, deren Schüsse durch das Tor gehen. Zwei echte Scharfschützen eben. 

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tor

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