FCB-Neuzugang im Interview

Faißt: "Von Alaba kann man eine Menge lernen"

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Verena Faißt spielte von 2010 bis zum Sommer beim VfL Wolfsburg und startet jetzt bei den Bayern durch.

FC Bayern München (Frauen) - Verena Faißt spricht im Merkur-Interview über schwere Phasen ihrer Karriere, ihren Neustart beim FC Bayern, ihre Lust auf Arbeit – und Grillpartys als Dankeschön.

Verena Faißt (27) hat im Klubfußball bereits alles gewonnen, sogar mehrfach. Es ist selten, dass jemand derart hochdekoriert zum FC Bayern kommt – bei den Frauen ist das noch möglich. Im Interview erläutert sie, was sie sich vom Wechsel aus Wolfsburg verspricht.

Frau Faißt, Sie haben bis 2018 unterschrieben: Wie viele Titel holt der FC Bayern nun mit Ihnen?

(lacht) Ich hoffe, möglichst alle. Aber das wird natürlich schwer. Es ist ein sehr ambitionierter Verein, hier ist viel passiert in den letzten Jahren. Nach sechs Jahren VfL Wolfsburg ist das eine schöne neue Herausforderung. Jetzt zu sagen, ich würde mich hier noch mal neu erfinden wollen, wäre vielleicht einen Tick zu hoch gegriffen. Aber es ist auf jeden Fall ein spannendes neues Kapitel für mich. Heimisch fühle ich mich jetzt schon: Die Stadt ist fantastisch, und ich stamme ja eigentlich auch aus dem Süden. Kulturell passt es schon mal.

Hinter Ihnen liegt ein schweres Halbjahr, in dem Sie in Wolfsburg bei der zweiten Mannschaft spielten. Was war der Grund?

Das habe ich abgehakt. Es war keine leichte Zeit, aber zum Glück war im Winter schon klar, dass es nach der Saison zu Bayern geht. Im Nachhinein hat mich dieses halbe Jahr sicher auch stärker gemacht: Ich bin bei der zweiten Mannschaft vorangegangen, wollte ein Vorbild sein für die jungen Spielerinnen, sie pushen. War interessant.

Sie sind ja bei großen Comebacks vom Fach: 2013 mussten Sie wegen Pfeifferschem Drüsenfieber zwei Monate aussetzen.

Das war eine wirklich sehr schwere Phase in meinem Leben. Es hat eineinhalb Jahre gedauert, bis ich mich wieder gut gefühlt habe. Das haben Außenstehende gar nicht gemerkt. Ich war teils nach einem Sprint schon müde. Die Regeneration nach den Spielen war eine Katastrophe, ich war da körperlich einfach am Boden. Und ich habe die EM verpasst sowie wichtige Finalspiele, auf die ich hingearbeitet hatte. Das tat weh.

Gab es die Angst, nie mehr in Tritt zu kommen?

Eigentlich nicht. Aber so eine Krankheit ist nicht so greifbar wie ein Kreuzbandriss, bei dem du ungefähr weißt: Cirka sechs Monate Pause, Plusminus. Ich habe im Internet recherchiert, mit Ärzten gesprochen. Die Krankheit ist seltsam; jeder Mensch hat es in sich, bei manchen bricht es irgendwann aus, bei manchen nicht. Der eine hat dann nur ein paar Tage Schnupfen – ich war aber unter anderem einige Zeit im Krankenhaus, konnte nur liegen, ich durfte gar nichts machen.

Sie haben die EM verpasst, auch die WM letztes Jahr. Ist die Nationalelf ab jetzt wieder ein Ziel?

Ich denke daran gar nicht. Es geht jetzt um den FC Bayern. Wenn ich hier Leistung bringe, wird man weitersehen. Es kommt auf mich selbst an.

Als Sie Ihr Comeback geschafft hatten, unter anderem mit einem Tor im Champions League-Finale, schmissen Sie zuhause eine Grillparty, für 60 Leute . . . Sind Sie ein Feierbiest?

(lacht) Eigentlich nicht, aber ich bin gerne unter Leuten. Es war mir wichtig, mal allen Danke zu sagen, die mich immer unterstützt haben. Da habe ich einen ausgegeben.

Sie haben beim VfL Wolfsburg eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht und dann halbtags dort gearbeitet. Machen Sie das bei Bayern auch so?

Nach dem schweren Halbjahr will ich jetzt erst einmal im Fußball wieder voll reinkommen. Aber ich brauche es, etwas zwischen den Einheiten für den Kopf zu machen. Als Frauenfußballerin musst du ein bisschen weiterschauen – du musst nach deiner Karriere arbeiten, da wäre es also fatal, jetzt nur zuhause herumzuhocken. Das macht dich ja nicht schlauer. Ich habe jetzt mal ein Projekt in einer Kita angedacht, denkbar wäre auch der „FC Bayern Kids Klub“ oder etwas beim Bayerischen Fußballverband.

Bei den Bayern-Männern schauen Sie David Alaba besonders auf die Füße. Ist er Ihr Vorbild?

Er ist ein kompletter Spieler und sehr vielseitig. Von ihm kann man eine Menge lernen.

Sie selbst sind ein Kuriosum: Flanken und Schießen mit links, aber Übersteiger mit rechts . . .

Ja, seltsam oder? Keine Ahnung, warum das so ist.

Wenn man beidfüßig ist, kann man sagen: Bayern packen Sie mit links.

Ja. Das wäre jetzt eine schöne Überschrift, oder (lacht)? Ich werde mich anstrengen.

Die Saison packen die Bayern aber wohl nicht mit links. Sie kennen Wolfsburg – Ihr Ex-Klub wird nach zwei Jahren Nachsehen zurückschlagen.

Wir waren immer die Gejagten, ich kenne das. Wenn du zwei Mal in Serie Meister wirst, wird es schwer, das zu bestätigen. Aber unser Trainer Thomas Wörle ist ein Stratege, er fuchst sich in jede Materie sehr genau rein. Er wird uns Wege zeigen.

Interview: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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