Die tz begleitet Ex-Knacki Uwe Woitzig

Ein Abend im Hoeneß-Knast

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565 Insassen sitzen in der JVA Landsberg ein – darunter auch Uli Hoeneß.

München - Er machte Millionen mit Bankgeschäften. Wie Uli Hoeneß verzockte sich Uwe Woitzig (62) – und saß fünf Jahre in der JVA Landsberg. Vor Häftlingen las er dort jetzt aus seinem Buch. Die tz war dabei.

Fünf Jahre saß Woitzig wegen Betrugs. 1990 wurde er entlassen. „Ins Gefängnis zu kommen ist wie ein kleiner Tod“, sagt er. Dienstagabend rückte er wieder ein, dieses Mal freiwillig. Und las vor Häftlingen aus seinem Buch Hofgang im Handstand. Die tz durfte ihn begleiten!

Uwe Woitzig saß wegen Betrugs.

Dunkle Nebelschwaden liegen über dem Knast. „Wir haben Sie überprüfen lassen, Sie sind sauber“, begrüßt uns ein Vollzugsbeamter. Im Zellentrakt schlendern die Häftlinge. Sechs Schlösser klicken, dann sind wir im Speisesaal. Es ist 19.50 Uhr: 16 Häftlinge kommen in dunkelblauen Anzügen zur Lesung, der Rest wird eingeschlossen. Woitzig legt sein Buch auf den Tisch, wo mittags noch Tabletts mit Schweinsbratwurst und Püree standen. Die meisten Holzstühle bleiben leer. Ein Beamter stellt Mikrofon und Verstärker auf, dann beginnt Woitzig mit dem Vorwort: „Ein Leben ohne Knast ist wie ein Schiff ohne Mast.“ Er will den Häftlingen Mut machen, sie sollen die Haftzeit als Chance sehen. „Ich bin erst im Knast frei geworden“, sagt er. „Hier habt ihr die Gelegenheit, ganz von vorne anzufangen. Lasst den Ballast eures Lebens hier, hinter diesen Mauern. Brecht eure alten Strukturen auf, tauscht euch aus, lernt voneinander.“

In der JVA Landsberg las Woitzig aus seinem Buch „Hofgang im Handstand“ (Integral Verlag, 19,90€)

Woitzig sieht aus wie eine Mischung aus Hans Meiser und Helmut Markwort. Er liest sanft und väterlich, erzählt die Geschichte seines Lebens: steiler Aufstieg, große Gier, dann der tiefe Fall. Es geht in einem fort: Schock, Besinnung – und schließlich die Läuterung. Er spricht vom inneren Gefängnis in jedem Menschen – und wie man wirklich frei wird: Indem man auf seine Intuition hört und das Leben aufgibt, das nur dem Schein dient.

Die Jüngeren grinsen unsicher, die Älteren schlucken schwer. Sie wirken andächtig, schauen zum gefliesten Boden oder starr zur Decke des kühlen Speisesaals. Ab und an wischt sich einer Tränen weg. Neben ihnen an der Wand zeigt ein riesiges Gemälde Hügel, Wiesen und das Kloster Andechs – Symbole der Freiheit. Weit entfernt.

„Sie haben gut reden“, ruft ein Häftling. „Ich habe Kinder, Frau und Schulden.“ Woitzig beugt sich vor. „Aber jetzt bist du hier. Besinne dich.“

Nach 80 Minuten ist Woitzig fertig, die Häftlinge erschöpft. Er gibt ihnen eine letzte Lebensweisheit mit auf ihren Weg: das Gleichnis des ewig schwingenden Pendels. „Je tiefer man in der Scheiße steckte, desto größer empfindet man hinterher sein Glück“, sagt er lächelnd. Die Häftlinge klatschen, dann werden sie zurück in ihre Zellen geführt. Währenddessen tritt Woitzig hinaus in die Nacht, im Dunkeln schließt sich hinter ihm das schwere Eingangstor. Feierabend …

Der Knast ist jetzt Vergangenheit.

So geht’s jetzt bei Uli Hoeneß weiter

Acht Quadratmeter haben die JVA-Zellen.

Seit Juni sitzt Uli Hoeneß (62) wegen Steuerhinterziehung ein. Schon im Januar wird er wohl Freigänger und darf auf eigenen Wunsch hin in der Jugendabteilung des FC Bayern arbeiten. Die Vereinsbosse haben dafür schon ihr Einverständnis gegeben – und mitgeteilt, dass entsprechende Verträge bereits in Arbeit sind. Für Hoeneß werde das sicher „eine unglaubliche Erlösung sein, wenn er wieder unter uns sein kann“, sagte Karl Hopfner. Wo er seine Schwerpunkte setzen werde, müsse Hoeneß selbst entscheiden. Nachts zum Schlafen muss der Ex-Boss jeweils zurück ins Gefängnis.

Andreas Thieme

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